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	<title>Kommentare zu: Biologismus als quasi-religiöse Einstellung</title>
	<link>http://www.sprechblase.org/2008/12/12/biologismus-als-quasi-religiose-einstellung/</link>
	<description>Sprache aus Luft</description>
	<pubDate>Tue, 07 Sep 2010 18:26:11 +0000</pubDate>
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	<item>
		<title>By: Friederike</title>
		<link>http://www.sprechblase.org/2008/12/12/biologismus-als-quasi-religiose-einstellung/#comment-13623</link>
		<author>Friederike</author>
		<pubDate>Wed, 11 Feb 2009 14:53:53 +0000</pubDate>
		<guid>http://www.sprechblase.org/2008/12/12/biologismus-als-quasi-religiose-einstellung/#comment-13623</guid>
		<description>Vielen Dank fuer die interessanten Kommentare, ich werde darauf antworten, aber erst in etwa zwei Wochen, weil ich gerade im Urlaub bin!</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Vielen Dank fuer die interessanten Kommentare, ich werde darauf antworten, aber erst in etwa zwei Wochen, weil ich gerade im Urlaub bin!</p>
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	</item>
	<item>
		<title>By: Ben</title>
		<link>http://www.sprechblase.org/2008/12/12/biologismus-als-quasi-religiose-einstellung/#comment-13582</link>
		<author>Ben</author>
		<pubDate>Mon, 09 Feb 2009 13:25:18 +0000</pubDate>
		<guid>http://www.sprechblase.org/2008/12/12/biologismus-als-quasi-religiose-einstellung/#comment-13582</guid>
		<description>Hallo Friederike,

besten Dank für deine interessanten Überlegungen zur argumentativen Struktur einiger Denkmuster!

Allerdings scheint mir im Kern Deiner Kritik doch nicht alles mit rechten Dingen zuzugehen. Ich würde behaupten wollen, daß viele Leute, die z. B. argumentieren

Männer haben aufgrund ihrer körperlichen Eigenschaften größere sexuelle Bedürfnisse

sich in bester rationaler Gesellschaft befinden - ob sie dies selber nun demonstrieren können oder nicht. 

Wir haben es hier keineswegs "mit einem quasi-religiösen Denkmuster zu tun", wie Du schreibst. Stattdessen handelt es sich um die Skizze eines Schlusses auf die beste Erklärung ("argument to the best explanation") - etwas ausführlicher etwa so:

Zu erklärendes Phänomen: Gesunde Männer haben größere sexuelle Bedürfnisse als gesunde Frauen.
Theorie-neutrale Beobachtung: Gesunde Männer weisen die biologischen Merkmale A, B, C auf - gesunde Frauen dagegen nicht.
Erklärungs-Vorschlag: Die größeren sexuellen Bedürfnisse von gesunden Männern lassen sich am besten unter Rekurs auf die 
Tatsache erklären, daß sie die biologischen Merkmale A, B, C aufweisen.
Konklusion: Gesunde Männer haben größere sexuelle Bedürfnisse als Frauen kraft der Tatsache, daß sie über die biologischen Merkmale A, B, C verfügen.

Diese skizzierte Argumentation scheint mir überaus rational - und zwar auch dann, wenn die sexuellen Bedürfnisse gesunder Männer überhaupt nichts mit den biologischen Merkmalen A, B, C zu tun haben sollten.

Selbstverständlich kann man den obigen Schluß auf die beste Erklärung ablehnen, indem man einen alternativen Erklärungs-Vorschlag unterbreitet und z. B. behauptet:

Alternativer Erklärungs-Vorschlag: Die größeren sexuellen Bedürfnisse von gesunden Männern lassen sich am besten unter Rekurs auf die sozialen Faktoren X, Y und Z erklären.

Sofern diese Alternative tatsächlich eine bessere Erklärung darstellt als der bioligische Vorschlag oben, ist man gerechtfertigt, den folgenden Schluß vorzunehmen:

Alternative Konklusion: Gesunde Männer haben größere sexuelle Bedürfnisse als Frauen Kraft der Tatsache, daß sie den sozialen Faktoren X, Y und Z unterliegen.

Auch wenn diese alternative Konklusion der vorherigen Konklusion widerspricht, so macht doch der Schlagabtauch deutlich, daß das ursprüngliche Argument in keiner Weise seine Rationalität verliert, sofern man den biologischen Erklärungs-Vorschlag als minderwertig gegenüber der sozialen Alternative ablehnt. Beide Argumente haben genau dieselbe Form - sie unterscheiden sie im Wesentlichen darin, daß das ursprüngliche Argument auf eine mangelhafte Erklärung der sexuellen Bedürfnisse gesunder Männer rekurriert.

Soviel zu Rechtfertigung meiner These, daß einige der von dir kritisierten Denkmuster sehr wohl einer rationalen Lesart zugänglich sind, in der sie keineswegs dogmatisch oder gar "quasi-religiös" auftreten. Deine These, "dass es kein rationales Argument gibt, dass diese Meinungen plausibel macht", scheint mir doch ein wenig vollmundig.

Natürlich weiß ich nicht, was sich ein Herr am Stammtisch denkt, wenn er nach dem 5. Bier ausruft:

Männer brauchen mehr Sex, weil die haben dicke Eier!

Vielleicht denkt er sich gar nichts dabei. Es scheint mir jedoch unbefriedigend, sich mit dümmlichen Äußerungen auseinander 
zu setzen. Diesen Herrn am Stammtisch zu widerlegen, bringt wenig Lerneffekt. Darum würde ich immer versuchen, Denkmuster, wie man ihnen im Alltag begegnet, so stark wie möglich zu machen und nach ihrer rationalen Basis zu suchen. Eine solche rationale Basis habe ich oben aufgezeigt. Erst jetzt kann eine fruchtbare Kritik einsetzen.

Darüber hinaus scheint mir die Replik von Ralf Baier (5. Februar 2009, 23:22 Uhr) sehr bedenkenswert.

Beste Grüße, Ben.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Hallo Friederike,</p>
<p>besten Dank für deine interessanten Überlegungen zur argumentativen Struktur einiger Denkmuster!</p>
<p>Allerdings scheint mir im Kern Deiner Kritik doch nicht alles mit rechten Dingen zuzugehen. Ich würde behaupten wollen, daß viele Leute, die z. B. argumentieren</p>
<p>Männer haben aufgrund ihrer körperlichen Eigenschaften größere sexuelle Bedürfnisse</p>
<p>sich in bester rationaler Gesellschaft befinden - ob sie dies selber nun demonstrieren können oder nicht. </p>
<p>Wir haben es hier keineswegs &#8220;mit einem quasi-religiösen Denkmuster zu tun&#8221;, wie Du schreibst. Stattdessen handelt es sich um die Skizze eines Schlusses auf die beste Erklärung (&#8221;argument to the best explanation&#8221;) - etwas ausführlicher etwa so:</p>
<p>Zu erklärendes Phänomen: Gesunde Männer haben größere sexuelle Bedürfnisse als gesunde Frauen.<br />
Theorie-neutrale Beobachtung: Gesunde Männer weisen die biologischen Merkmale A, B, C auf - gesunde Frauen dagegen nicht.<br />
Erklärungs-Vorschlag: Die größeren sexuellen Bedürfnisse von gesunden Männern lassen sich am besten unter Rekurs auf die<br />
Tatsache erklären, daß sie die biologischen Merkmale A, B, C aufweisen.<br />
Konklusion: Gesunde Männer haben größere sexuelle Bedürfnisse als Frauen kraft der Tatsache, daß sie über die biologischen Merkmale A, B, C verfügen.</p>
<p>Diese skizzierte Argumentation scheint mir überaus rational - und zwar auch dann, wenn die sexuellen Bedürfnisse gesunder Männer überhaupt nichts mit den biologischen Merkmalen A, B, C zu tun haben sollten.</p>
<p>Selbstverständlich kann man den obigen Schluß auf die beste Erklärung ablehnen, indem man einen alternativen Erklärungs-Vorschlag unterbreitet und z. B. behauptet:</p>
<p>Alternativer Erklärungs-Vorschlag: Die größeren sexuellen Bedürfnisse von gesunden Männern lassen sich am besten unter Rekurs auf die sozialen Faktoren X, Y und Z erklären.</p>
<p>Sofern diese Alternative tatsächlich eine bessere Erklärung darstellt als der bioligische Vorschlag oben, ist man gerechtfertigt, den folgenden Schluß vorzunehmen:</p>
<p>Alternative Konklusion: Gesunde Männer haben größere sexuelle Bedürfnisse als Frauen Kraft der Tatsache, daß sie den sozialen Faktoren X, Y und Z unterliegen.</p>
<p>Auch wenn diese alternative Konklusion der vorherigen Konklusion widerspricht, so macht doch der Schlagabtauch deutlich, daß das ursprüngliche Argument in keiner Weise seine Rationalität verliert, sofern man den biologischen Erklärungs-Vorschlag als minderwertig gegenüber der sozialen Alternative ablehnt. Beide Argumente haben genau dieselbe Form - sie unterscheiden sie im Wesentlichen darin, daß das ursprüngliche Argument auf eine mangelhafte Erklärung der sexuellen Bedürfnisse gesunder Männer rekurriert.</p>
<p>Soviel zu Rechtfertigung meiner These, daß einige der von dir kritisierten Denkmuster sehr wohl einer rationalen Lesart zugänglich sind, in der sie keineswegs dogmatisch oder gar &#8220;quasi-religiös&#8221; auftreten. Deine These, &#8220;dass es kein rationales Argument gibt, dass diese Meinungen plausibel macht&#8221;, scheint mir doch ein wenig vollmundig.</p>
<p>Natürlich weiß ich nicht, was sich ein Herr am Stammtisch denkt, wenn er nach dem 5. Bier ausruft:</p>
<p>Männer brauchen mehr Sex, weil die haben dicke Eier!</p>
<p>Vielleicht denkt er sich gar nichts dabei. Es scheint mir jedoch unbefriedigend, sich mit dümmlichen Äußerungen auseinander<br />
zu setzen. Diesen Herrn am Stammtisch zu widerlegen, bringt wenig Lerneffekt. Darum würde ich immer versuchen, Denkmuster, wie man ihnen im Alltag begegnet, so stark wie möglich zu machen und nach ihrer rationalen Basis zu suchen. Eine solche rationale Basis habe ich oben aufgezeigt. Erst jetzt kann eine fruchtbare Kritik einsetzen.</p>
<p>Darüber hinaus scheint mir die Replik von Ralf Baier (5. Februar 2009, 23:22 Uhr) sehr bedenkenswert.</p>
<p>Beste Grüße, Ben.</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>By: Ralf Baier</title>
		<link>http://www.sprechblase.org/2008/12/12/biologismus-als-quasi-religiose-einstellung/#comment-13489</link>
		<author>Ralf Baier</author>
		<pubDate>Thu, 05 Feb 2009 22:22:15 +0000</pubDate>
		<guid>http://www.sprechblase.org/2008/12/12/biologismus-als-quasi-religiose-einstellung/#comment-13489</guid>
		<description>Friederike,

Deine Argumentation weist eine grundlegende Schwäche auf, auf die ich aufmerksam machen möchte. Ich meine, daß Du es dir zu leicht machst und Deinen Gesprächspartnern, von denen Du Begründungen für ihre Auffassungen zu den Geschlechterunterschieden einforderst, zu schwer. Bewußt oder unbewußt machst Du dir dabei die Rangfolge von Praktiker und Theoretiker zunutze, die schon bei Aristoteles galt: Das praktische Wissen des Handwerkers war trotz seiner Nützlichkeit dem theoretischen des "Künstlers" untergeordnet. Aus gutem Grund: Der Handwerker kannte nur das Wie, der Künstler (heute etwa = Wissenschaftler) wußte auch das Warum anzugeben. Zugespitzt und ein bißchen böse formuliert besteht dein Trick darin, "einfache Handwerker" zu einer Rechtfertigung ihrer Auffassungen zu überreden. Deine Fragen drängen sie kurzzeitig in die Rolle, die mit höherem Ansehen verbunden ist, der sie aber in keiner Weise gerecht werden können. Geschmeichelt (und vielleicht unbescheiden geworden) antworten die zum Künstler beförderten Handwerker-Naturen mit ad-hoc-Erklärungen, deren Unhaltbarkeit Du dann genüßlich und in extenso ausbeutest. Mit dem zweiten Teil Deiner Hauptthese, daß man Meinungen, für die man keinerlei Gründe hat, nicht unterhalten sollte, forderst Du gar die bedingungslose Kapitulation der hilflosen Praktiker. Die fühlen sich verunsichert und vorgeführt und klammern sich noch fester an die verläßliche eigene Welt. Und am Ende seufzst Du erschöpft über die scheinbar grundlos gläubigen Menschen.

Mit Deiner laxen Formulierung über "Meinungen, für die man keinerlei Gründe hat" hast Du die Praktiker und Deine Leser quasi sophistisch irregeleitet. Denn einen Grund haben die Praktiker=Handwerker ja immer. Sie haben auf ihrer Seite ein, wenn auch bescheidenes, empirisches Wissen. Sie wissen ganz genau, w i e  es sich verhält, aber sie wissen nicht unbedingt  w a r u m". Sie wissen auch nur, wie es innerhalb des Horizontes ihrer "Werkstatt" zugeht, sie können für das von ihnen erprobte WIE zunächst auch keine Allgemeingültigkeit beanspruchen. Schon in der Nachbarwerkstatt könnten etwas andere Erfahrungsregeln vorherrschen. Das hätten sie dir sinngemäß antworten müssen, und nichts mehr.

Nun zu dem authentischen Fall eines pädagogischen Praktikers (der im aristotelischen Sinne ein Handwerker ist). Seine politisch leicht unkorrekte Meinung hat Ähnlichkeit mit einem Deiner Beispiele, entzieht sich aber durch ihren etwas komplexeren Aufbau von vornherein dem Generalverdacht ein plumpes Vorurteil zu sein. Und zwar ist diese Meinung aus zwei Einzelthesen zusammengesetzt, die knapp formuliert in etwa so lauten:

A: Mädchen/Frauen haben im Schnitt weniger Interesse an Mathematik als Jungen/Männer.
B: Mädchen/Frauen sind im Schnitt nicht weniger begabt für Mathematik als Jungen/Männer.

Die Gründe für diese Thesen sind Einzelfallbeobachtungen über Jahre aus seinem eigenen Wirkungsbereich an einer Schule. Der Pratktiker, der diese Meinung aus Beobachtungen gewonnen hat, wird sich unter keinen Umständen - und das vollkommen zu Recht - die Rationalität seiner Gründe, Geschlechterunterschiede für plausibel zu halten, absprechen lassen.

Nach diesen Darlegungen ist das jetzt folgende eher nebensächlich, aber da es so kurzweilig ist, will ich es Dir nicht vorenthalten. In der FAS Nr. 23 vom 08.06.2008 (S.13) wurde A und B behauptet und für die These A eine überraschend einsichtige biologistische Erklärung präsentiert. Sie speist sich im wesentlichen aus Studien von Camilla P. Benbow und David Lubinski. (Der FAS-Artikel streift übrigens auch die lustige Geschichte mit den Lastautos, die der umstrittende Harvard-Präsident Lawrence H. Summers seinen zwei Jahre alten Zwillingstöchtern statt Puppen zum Spielen gab. Und was machte eines der Mädchen damit? Sie nannte sie "Mummy Truck and Baby Truck". Die Autorin Christine Brinck kommentierte das folgendermaßen: "Wären die Zwillinge Buben gewesen, hätten sie die Autos aneinandergekoppelt, auseinandergenommen, sie hätten sie sich vielleicht auch gegenseitig auf den Kopf gehauen, nur eines hätten sie nicht gemacht: sie zu Familienmitgliedern erklärt.) Soviel ich weiß, kennt der oben erwähnte pädagogische Praktiker keinen dieser Artikel.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Friederike,</p>
<p>Deine Argumentation weist eine grundlegende Schwäche auf, auf die ich aufmerksam machen möchte. Ich meine, daß Du es dir zu leicht machst und Deinen Gesprächspartnern, von denen Du Begründungen für ihre Auffassungen zu den Geschlechterunterschieden einforderst, zu schwer. Bewußt oder unbewußt machst Du dir dabei die Rangfolge von Praktiker und Theoretiker zunutze, die schon bei Aristoteles galt: Das praktische Wissen des Handwerkers war trotz seiner Nützlichkeit dem theoretischen des &#8220;Künstlers&#8221; untergeordnet. Aus gutem Grund: Der Handwerker kannte nur das Wie, der Künstler (heute etwa = Wissenschaftler) wußte auch das Warum anzugeben. Zugespitzt und ein bißchen böse formuliert besteht dein Trick darin, &#8220;einfache Handwerker&#8221; zu einer Rechtfertigung ihrer Auffassungen zu überreden. Deine Fragen drängen sie kurzzeitig in die Rolle, die mit höherem Ansehen verbunden ist, der sie aber in keiner Weise gerecht werden können. Geschmeichelt (und vielleicht unbescheiden geworden) antworten die zum Künstler beförderten Handwerker-Naturen mit ad-hoc-Erklärungen, deren Unhaltbarkeit Du dann genüßlich und in extenso ausbeutest. Mit dem zweiten Teil Deiner Hauptthese, daß man Meinungen, für die man keinerlei Gründe hat, nicht unterhalten sollte, forderst Du gar die bedingungslose Kapitulation der hilflosen Praktiker. Die fühlen sich verunsichert und vorgeführt und klammern sich noch fester an die verläßliche eigene Welt. Und am Ende seufzst Du erschöpft über die scheinbar grundlos gläubigen Menschen.</p>
<p>Mit Deiner laxen Formulierung über &#8220;Meinungen, für die man keinerlei Gründe hat&#8221; hast Du die Praktiker und Deine Leser quasi sophistisch irregeleitet. Denn einen Grund haben die Praktiker=Handwerker ja immer. Sie haben auf ihrer Seite ein, wenn auch bescheidenes, empirisches Wissen. Sie wissen ganz genau, w i e  es sich verhält, aber sie wissen nicht unbedingt  w a r u m&#8221;. Sie wissen auch nur, wie es innerhalb des Horizontes ihrer &#8220;Werkstatt&#8221; zugeht, sie können für das von ihnen erprobte WIE zunächst auch keine Allgemeingültigkeit beanspruchen. Schon in der Nachbarwerkstatt könnten etwas andere Erfahrungsregeln vorherrschen. Das hätten sie dir sinngemäß antworten müssen, und nichts mehr.</p>
<p>Nun zu dem authentischen Fall eines pädagogischen Praktikers (der im aristotelischen Sinne ein Handwerker ist). Seine politisch leicht unkorrekte Meinung hat Ähnlichkeit mit einem Deiner Beispiele, entzieht sich aber durch ihren etwas komplexeren Aufbau von vornherein dem Generalverdacht ein plumpes Vorurteil zu sein. Und zwar ist diese Meinung aus zwei Einzelthesen zusammengesetzt, die knapp formuliert in etwa so lauten:</p>
<p>A: Mädchen/Frauen haben im Schnitt weniger Interesse an Mathematik als Jungen/Männer.<br />
B: Mädchen/Frauen sind im Schnitt nicht weniger begabt für Mathematik als Jungen/Männer.</p>
<p>Die Gründe für diese Thesen sind Einzelfallbeobachtungen über Jahre aus seinem eigenen Wirkungsbereich an einer Schule. Der Pratktiker, der diese Meinung aus Beobachtungen gewonnen hat, wird sich unter keinen Umständen - und das vollkommen zu Recht - die Rationalität seiner Gründe, Geschlechterunterschiede für plausibel zu halten, absprechen lassen.</p>
<p>Nach diesen Darlegungen ist das jetzt folgende eher nebensächlich, aber da es so kurzweilig ist, will ich es Dir nicht vorenthalten. In der FAS Nr. 23 vom 08.06.2008 (S.13) wurde A und B behauptet und für die These A eine überraschend einsichtige biologistische Erklärung präsentiert. Sie speist sich im wesentlichen aus Studien von Camilla P. Benbow und David Lubinski. (Der FAS-Artikel streift übrigens auch die lustige Geschichte mit den Lastautos, die der umstrittende Harvard-Präsident Lawrence H. Summers seinen zwei Jahre alten Zwillingstöchtern statt Puppen zum Spielen gab. Und was machte eines der Mädchen damit? Sie nannte sie &#8220;Mummy Truck and Baby Truck&#8221;. Die Autorin Christine Brinck kommentierte das folgendermaßen: &#8220;Wären die Zwillinge Buben gewesen, hätten sie die Autos aneinandergekoppelt, auseinandergenommen, sie hätten sie sich vielleicht auch gegenseitig auf den Kopf gehauen, nur eines hätten sie nicht gemacht: sie zu Familienmitgliedern erklärt.) Soviel ich weiß, kennt der oben erwähnte pädagogische Praktiker keinen dieser Artikel.</p>
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	</item>
	<item>
		<title>By: Angela Siebold</title>
		<link>http://www.sprechblase.org/2008/12/12/biologismus-als-quasi-religiose-einstellung/#comment-12383</link>
		<author>Angela Siebold</author>
		<pubDate>Tue, 16 Dec 2008 11:07:12 +0000</pubDate>
		<guid>http://www.sprechblase.org/2008/12/12/biologismus-als-quasi-religiose-einstellung/#comment-12383</guid>
		<description>Liebe Rike, 
die Möglichkeit, die historische Konstruktivität der scheinbar natürlichen Unterschiede zwischen Männern und Frauen aufzuzeigen, wird ja dadurch erschwert (habe die Textstelle jetzt wieder gefunden), dass der Dualismus Mann-Frau nicht als etwas historisch (also durch den Menschen) geschaffenes entkräftet werden kann (wie z.B. die Unterscheidung Freie/Sklaven). Das Fatale ist hier im Vergleich zu anderen Alteritäten, dass der quasi natürlich geschaffene Unterschied als grundlegendes Argument für die Aufrechterhaltung der sozialen Unterschiede herhalten muss: Simone de Beauvoir erläutert das: „Proletarier hat es nicht immer gegeben : Frauen hat es immer gegeben. Sie sind Frauen aufgrund ihrer physiologischen Struktur ... Zum Teil erscheint die Alterität, eben weil sie nicht der Zufälligkeit des historischen Geschehens unterliegt, hier als ein Absolutes.“ (S.14f). 
Das soll deine rationale Analyse nicht entkräften, sondern sie lediglich um die historisch-empirische Perspektive ergänzen, die evtl. dazu beitragen könnte, zu verstehen, warum sich solche Argumente so hartnäckig halten. Weil die Einsicht in die sozial bedingte Konstruktivität nicht bis zum letzten (dem biologischen Aspekt) durchgeführt und damit der Dualismus Mann/Frau nicht vollständig aufgelöst werden kann. Natürlich kann man entgegenhalten, dass es reichen muss, die soziale Dimension des Dualismus aufzulösen, was möglich sein könnte, ohne die biologischen Differenzen leugnen zu müssen (Dass Frauen die Kinder gebären heißt nicht, dass sie die fürsorglicheren Eltern sind etc.). Ich glaube aber, dass erstens der Glaube an die „Natürlichkeit“ und nicht die Kontingenz der Geschichte, zweitens das Unvermögen, grundlegend bestehende Denkmuster zu überwinden, und drittens die konstitutive Funktionalität männlicher und weiblicher Alteritäten für das eigene Denken und Handeln (von Männern (historisch!) wohl eher als von Frauen, da sich Männer bisher immer stärker durch die Abgrenzung zu Frauen definiert haben und Frauen eher das ihnen zugeschriebene Bild angenommen haben, als sich ebenfalls abzugrenzen), dass all diese Aspekte mit rationalen Argumenten nicht überwunden werden können. 
Als ein nach deinen Worten quasi-religiöser Glaubensgrundsatz ist meiner Meinung nach die Identifizierung mit sozialen Merkmalen, in unserer Welt (zufällig!) Männern oder Frauen zugeschrieben werden, eine notwendige Bedingung zur Definition und Positionierung der eigenen Persönlichkeit. Wenn es keine Unterschiede mehr gibt, was sind wir dann noch? Diese Frage stellen sich dann vielleicht viele (ich kann mich nicht als Mann definieren, ohne mich zu Frauen abzugrenzen, denn dann gäbe es keine spezifisch männlichen Eigenschaften mehr; man ordnet ja auch andere häufig in die Skala Mann-Frau ein, z.B. Diese Frau ist in der Hinsicht eher ein männlicher Typ; jeder versteht sofort, was damit gemeint ist). Die Alternative wäre, vollständig neue Dualismen zu entwerfen, die als Substitut für die „Plattform“ Mann-Frau dienen könnten, also eine grundlegende Umwandlung unserer bestehenden sozialen Ordnung nach völlig neuen Kriterien vorzunehmen (wie das etwa in den Kolonien in manchen Bereichen gemacht wurde, indem die Unterscheidung Kolonisierender und Kolonisierter schwerer wog als die Unterscheidung Mann/Frau). Aus diesem Grund glaube ich, dass  gerade  in diesem Thema die Wirkungsmacht des Irrationalen (weil Funktionalen im Sinne der eigenen Selbstdefinition) so stark ist, dass der letzte Abschnitt deines Beitrags wohl leider zutrifft. Eine Entkräftung dieser Vorstellungen, so meine These, ist daher nicht über rationale Argumente, sondern lediglich über die Veränderung der sozialen Wirklichkeit als Referenzgröße zur eigenen Identitätszuschreibung möglich, also darüber, das Spiel mitzuspielen und argumentativ vielleicht irrational, aber politisch zu werden!</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Liebe Rike,<br />
die Möglichkeit, die historische Konstruktivität der scheinbar natürlichen Unterschiede zwischen Männern und Frauen aufzuzeigen, wird ja dadurch erschwert (habe die Textstelle jetzt wieder gefunden), dass der Dualismus Mann-Frau nicht als etwas historisch (also durch den Menschen) geschaffenes entkräftet werden kann (wie z.B. die Unterscheidung Freie/Sklaven). Das Fatale ist hier im Vergleich zu anderen Alteritäten, dass der quasi natürlich geschaffene Unterschied als grundlegendes Argument für die Aufrechterhaltung der sozialen Unterschiede herhalten muss: Simone de Beauvoir erläutert das: „Proletarier hat es nicht immer gegeben : Frauen hat es immer gegeben. Sie sind Frauen aufgrund ihrer physiologischen Struktur &#8230; Zum Teil erscheint die Alterität, eben weil sie nicht der Zufälligkeit des historischen Geschehens unterliegt, hier als ein Absolutes.“ (S.14f).<br />
Das soll deine rationale Analyse nicht entkräften, sondern sie lediglich um die historisch-empirische Perspektive ergänzen, die evtl. dazu beitragen könnte, zu verstehen, warum sich solche Argumente so hartnäckig halten. Weil die Einsicht in die sozial bedingte Konstruktivität nicht bis zum letzten (dem biologischen Aspekt) durchgeführt und damit der Dualismus Mann/Frau nicht vollständig aufgelöst werden kann. Natürlich kann man entgegenhalten, dass es reichen muss, die soziale Dimension des Dualismus aufzulösen, was möglich sein könnte, ohne die biologischen Differenzen leugnen zu müssen (Dass Frauen die Kinder gebären heißt nicht, dass sie die fürsorglicheren Eltern sind etc.). Ich glaube aber, dass erstens der Glaube an die „Natürlichkeit“ und nicht die Kontingenz der Geschichte, zweitens das Unvermögen, grundlegend bestehende Denkmuster zu überwinden, und drittens die konstitutive Funktionalität männlicher und weiblicher Alteritäten für das eigene Denken und Handeln (von Männern (historisch!) wohl eher als von Frauen, da sich Männer bisher immer stärker durch die Abgrenzung zu Frauen definiert haben und Frauen eher das ihnen zugeschriebene Bild angenommen haben, als sich ebenfalls abzugrenzen), dass all diese Aspekte mit rationalen Argumenten nicht überwunden werden können.<br />
Als ein nach deinen Worten quasi-religiöser Glaubensgrundsatz ist meiner Meinung nach die Identifizierung mit sozialen Merkmalen, in unserer Welt (zufällig!) Männern oder Frauen zugeschrieben werden, eine notwendige Bedingung zur Definition und Positionierung der eigenen Persönlichkeit. Wenn es keine Unterschiede mehr gibt, was sind wir dann noch? Diese Frage stellen sich dann vielleicht viele (ich kann mich nicht als Mann definieren, ohne mich zu Frauen abzugrenzen, denn dann gäbe es keine spezifisch männlichen Eigenschaften mehr; man ordnet ja auch andere häufig in die Skala Mann-Frau ein, z.B. Diese Frau ist in der Hinsicht eher ein männlicher Typ; jeder versteht sofort, was damit gemeint ist). Die Alternative wäre, vollständig neue Dualismen zu entwerfen, die als Substitut für die „Plattform“ Mann-Frau dienen könnten, also eine grundlegende Umwandlung unserer bestehenden sozialen Ordnung nach völlig neuen Kriterien vorzunehmen (wie das etwa in den Kolonien in manchen Bereichen gemacht wurde, indem die Unterscheidung Kolonisierender und Kolonisierter schwerer wog als die Unterscheidung Mann/Frau). Aus diesem Grund glaube ich, dass  gerade  in diesem Thema die Wirkungsmacht des Irrationalen (weil Funktionalen im Sinne der eigenen Selbstdefinition) so stark ist, dass der letzte Abschnitt deines Beitrags wohl leider zutrifft. Eine Entkräftung dieser Vorstellungen, so meine These, ist daher nicht über rationale Argumente, sondern lediglich über die Veränderung der sozialen Wirklichkeit als Referenzgröße zur eigenen Identitätszuschreibung möglich, also darüber, das Spiel mitzuspielen und argumentativ vielleicht irrational, aber politisch zu werden!</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>By: Rudy Gasson</title>
		<link>http://www.sprechblase.org/2008/12/12/biologismus-als-quasi-religiose-einstellung/#comment-12369</link>
		<author>Rudy Gasson</author>
		<pubDate>Mon, 15 Dec 2008 16:39:41 +0000</pubDate>
		<guid>http://www.sprechblase.org/2008/12/12/biologismus-als-quasi-religiose-einstellung/#comment-12369</guid>
		<description>Verzeihung. Natürlich meinte ich: Friederike. :)</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Verzeihung. Natürlich meinte ich: Friederike. <img src='http://www.sprechblase.org/wp-includes/images/smilies/icon_smile.gif' alt=':)' class='wp-smiley' /></p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>By: Rudy Gasson</title>
		<link>http://www.sprechblase.org/2008/12/12/biologismus-als-quasi-religiose-einstellung/#comment-12368</link>
		<author>Rudy Gasson</author>
		<pubDate>Mon, 15 Dec 2008 16:36:51 +0000</pubDate>
		<guid>http://www.sprechblase.org/2008/12/12/biologismus-als-quasi-religiose-einstellung/#comment-12368</guid>
		<description>Danke, danke, danke für diesen Text, Frederike. Ich glaube, ich werde ihn mir ausdrucken und künftig bei mir tragen, damit ich ihn jederzeit zücken und zur Hilfe nehmen kann. 
Nach meinem persönlichen Eindruck greift diese Unsitte des blinden Glaubens an diesen Biologismus (und auch den Determinismus als eine neue Spielart von "Schicksal") als etwas vermeintlich Rationelles und Vernünftiges immer weiter um sich, und es geht mir zunehmend auf die Nerven, damit nahezu wehrlos konfrontiert zu werden.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Danke, danke, danke für diesen Text, Frederike. Ich glaube, ich werde ihn mir ausdrucken und künftig bei mir tragen, damit ich ihn jederzeit zücken und zur Hilfe nehmen kann.<br />
Nach meinem persönlichen Eindruck greift diese Unsitte des blinden Glaubens an diesen Biologismus (und auch den Determinismus als eine neue Spielart von &#8220;Schicksal&#8221;) als etwas vermeintlich Rationelles und Vernünftiges immer weiter um sich, und es geht mir zunehmend auf die Nerven, damit nahezu wehrlos konfrontiert zu werden.</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>By: Michel Braun</title>
		<link>http://www.sprechblase.org/2008/12/12/biologismus-als-quasi-religiose-einstellung/#comment-12335</link>
		<author>Michel Braun</author>
		<pubDate>Sun, 14 Dec 2008 17:29:50 +0000</pubDate>
		<guid>http://www.sprechblase.org/2008/12/12/biologismus-als-quasi-religiose-einstellung/#comment-12335</guid>
		<description>PS: Auch die 'Erklärungskraft' des Tier-Mensch-Vergleichs müsste noch mit einberechnet werden. Hier wird der Konstruktionscharakter (qua willkürlicher Selektion) besonders deutlich. Schon die jagende Löwin passt nicht so ganz ins Bild und mit dem Seepferdchen lässt sich so gar nichts anfangen.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>PS: Auch die &#8216;Erklärungskraft&#8217; des Tier-Mensch-Vergleichs müsste noch mit einberechnet werden. Hier wird der Konstruktionscharakter (qua willkürlicher Selektion) besonders deutlich. Schon die jagende Löwin passt nicht so ganz ins Bild und mit dem Seepferdchen lässt sich so gar nichts anfangen.</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>By: Michel Braun</title>
		<link>http://www.sprechblase.org/2008/12/12/biologismus-als-quasi-religiose-einstellung/#comment-12333</link>
		<author>Michel Braun</author>
		<pubDate>Sun, 14 Dec 2008 17:16:11 +0000</pubDate>
		<guid>http://www.sprechblase.org/2008/12/12/biologismus-als-quasi-religiose-einstellung/#comment-12333</guid>
		<description>... praying to the preached. 

So will ich einmal den Einspruch spielen. 

Mit einzubedenken gälte es, dass die lange Tradition patriarchaler Strukturen, welche in deinem Text nur insofern zur Sprache kommt, als sie den Status Quo der Geschlechter-'Realität' relativiert, mithin entnaturalisiert, auch als Indiz dafür in Anschlag gebracht werden könnte, dass die Differenz von Frau und Mann unabhängig von (im weitesten Sinne) soziokulturellen Bedingungen statt hat, mithin 'grundsätzlich' ist.

Dieser Einwand ist deswegen relevant, weil es meiner Erfahrung nach häufig zu einem Schulterschluss von Biologismus und Historismus kommt, wenn eine natürliche Geschlechterdifferenz vertreten werden soll. 

Zu denken ist hierbei insbesondere an die alte 'wissenschaftliche' Legende von den Jägern und Sammlern. Rekurrierend auf diesen vermeintlichen Archetyp der Zivilisation erschließt sich ein Verständnis gegenwärtiger Differenzen: Sie erscheinen sinnvoll - natürlich. (Die Frauen bleiben in der Nähe der Höhle, gebähren und bewachen die Brut, sammeln Kiwis, Bananen und schmackhafte Rhizome, während die kampferprobten Männer mit ihren Männerfäusten auf Säbelzahntiger und Raptoren einschlagen.)

Ich glaube, dass die 'Erklärungskraft' solcher wissenschaftlicher' Fiktionen entscheidend dazu beiträgt, den Mythos von der biologischen Differenz zu 'gründen': Es war schon in der Steinzeit (oder im Jura oder weiß Gott wann) so, es erscheint irgendwie zweckmäßig, es lässt sich noch heute beobachten, Ausnahmen bestätigen die Regel etc.; warum sollte man denn nicht daran glauben? Und wie erklärt man dann die Konstanz dieser Differenz?

Es erscheint mir in diesem Sinne unumgänglich, auch den Konstruktionscharakter dieser 'Urphänomene' zu belichten. Vielleicht sollte man wieder Bachofen lesen. 

Ich fand deinen Aufsatz sehr gut. Und da es dir primär darum geht, die Ermangelung wirklicher Begründung freizulegen, laufen diese Einwände streng genommen natürlich leer...</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>&#8230; praying to the preached. </p>
<p>So will ich einmal den Einspruch spielen. </p>
<p>Mit einzubedenken gälte es, dass die lange Tradition patriarchaler Strukturen, welche in deinem Text nur insofern zur Sprache kommt, als sie den Status Quo der Geschlechter-&#8217;Realität&#8217; relativiert, mithin entnaturalisiert, auch als Indiz dafür in Anschlag gebracht werden könnte, dass die Differenz von Frau und Mann unabhängig von (im weitesten Sinne) soziokulturellen Bedingungen statt hat, mithin &#8216;grundsätzlich&#8217; ist.</p>
<p>Dieser Einwand ist deswegen relevant, weil es meiner Erfahrung nach häufig zu einem Schulterschluss von Biologismus und Historismus kommt, wenn eine natürliche Geschlechterdifferenz vertreten werden soll. </p>
<p>Zu denken ist hierbei insbesondere an die alte &#8216;wissenschaftliche&#8217; Legende von den Jägern und Sammlern. Rekurrierend auf diesen vermeintlichen Archetyp der Zivilisation erschließt sich ein Verständnis gegenwärtiger Differenzen: Sie erscheinen sinnvoll - natürlich. (Die Frauen bleiben in der Nähe der Höhle, gebähren und bewachen die Brut, sammeln Kiwis, Bananen und schmackhafte Rhizome, während die kampferprobten Männer mit ihren Männerfäusten auf Säbelzahntiger und Raptoren einschlagen.)</p>
<p>Ich glaube, dass die &#8216;Erklärungskraft&#8217; solcher wissenschaftlicher&#8217; Fiktionen entscheidend dazu beiträgt, den Mythos von der biologischen Differenz zu &#8216;gründen&#8217;: Es war schon in der Steinzeit (oder im Jura oder weiß Gott wann) so, es erscheint irgendwie zweckmäßig, es lässt sich noch heute beobachten, Ausnahmen bestätigen die Regel etc.; warum sollte man denn nicht daran glauben? Und wie erklärt man dann die Konstanz dieser Differenz?</p>
<p>Es erscheint mir in diesem Sinne unumgänglich, auch den Konstruktionscharakter dieser &#8216;Urphänomene&#8217; zu belichten. Vielleicht sollte man wieder Bachofen lesen. </p>
<p>Ich fand deinen Aufsatz sehr gut. Und da es dir primär darum geht, die Ermangelung wirklicher Begründung freizulegen, laufen diese Einwände streng genommen natürlich leer&#8230;</p>
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	<item>
		<title>By: Matthias Kiesselbach</title>
		<link>http://www.sprechblase.org/2008/12/12/biologismus-als-quasi-religiose-einstellung/#comment-12272</link>
		<author>Matthias Kiesselbach</author>
		<pubDate>Sat, 13 Dec 2008 17:53:17 +0000</pubDate>
		<guid>http://www.sprechblase.org/2008/12/12/biologismus-als-quasi-religiose-einstellung/#comment-12272</guid>
		<description>Zu Androphilie-Genen: OK, hast Du recht, ist ein bisschen voreilig. Nicht nur, weil "Liebe" (&#38; Co.) eine ziemlich komplexe logische Struktur hat, sondern auch weil der Hinweis auf solche Gene vielleicht den kausalen Mechanismus gar nicht richtig trifft. Da haben wir dann ja feine Ideen für zukünftige Forschung.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Zu Androphilie-Genen: OK, hast Du recht, ist ein bisschen voreilig. Nicht nur, weil &#8220;Liebe&#8221; (&amp; Co.) eine ziemlich komplexe logische Struktur hat, sondern auch weil der Hinweis auf solche Gene vielleicht den kausalen Mechanismus gar nicht richtig trifft. Da haben wir dann ja feine Ideen für zukünftige Forschung.</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>By: Friederike Schmitz</title>
		<link>http://www.sprechblase.org/2008/12/12/biologismus-als-quasi-religiose-einstellung/#comment-12267</link>
		<author>Friederike Schmitz</author>
		<pubDate>Sat, 13 Dec 2008 16:28:05 +0000</pubDate>
		<guid>http://www.sprechblase.org/2008/12/12/biologismus-als-quasi-religiose-einstellung/#comment-12267</guid>
		<description>@Matthias: Ja, so eine Erklärung hat tatsächlich eine Basis, würde ich zustimmen. Gerade weil da Daten von Teilgruppen benutzt werden, deren einzige Gemeinsamkeit wohl bestimmte Verwandtschaftsverhältnisse sind - also wird es was Vererbbares, also was Genetisches sein.
Mich stört dann ein wenig, dass in dem &lt;a href="http://www.slate.com/id/2194232/" rel="nofollow"&gt;Artikel&lt;/a&gt;, auf den Du verweist, gleich auf "genes for 'androphilia,' i.e., attraction to men" geschlossen wird - dass Frauen mehr Kinder haben, würde ich zunächst mal - wenn es denn was Biologisches sein soll - auf höhere Fruchtbarkeit o.ä. zurückführen und nicht auf größere Männerliebe. Und es könnte ja durchaus sein, dass der Effekt der genetischen Eigenschaften, die sich da vererben, bei Männern eben Homosexualität und bei Frauen erhöhte Fruchtbarkeit ist, oder? Gegen diese Hypothese spricht nur die Idee, man müsste &lt;i&gt;ein &lt;/i&gt;Gen finden, das dann für &lt;i&gt;eine&lt;/i&gt; (dabei so schwer zu definierende) Eigenschaft wie Androphilie stünde - diese so schnell gemachte Voraussetzung von einzelnen, direkten Korrelationen finde ich problematisch.
Habe übrigens heute noch einen schönen Artikel über Genetik und Hirnforschung in der Zeitung gelesen. Darin wird u.a. berichtet, wie groß der Einfluss dessen, was man mit dem Gehirn &lt;i&gt;tut&lt;/i&gt;, darauf ist, wie dasselbe physisch bzw. biologisch &lt;i&gt;strukturiert ist&lt;/i&gt;: &lt;a href="https://www.taz.de/regional/nord/bremen/artikel/?dig=2008%2F12%2F12%2Fa0029&#38;cHash=f0efb9c38e" rel="nofollow"&gt;"Gehirn, Gemüt, Genom" von Mathias Greffrath&lt;/a&gt;.
</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>@Matthias: Ja, so eine Erklärung hat tatsächlich eine Basis, würde ich zustimmen. Gerade weil da Daten von Teilgruppen benutzt werden, deren einzige Gemeinsamkeit wohl bestimmte Verwandtschaftsverhältnisse sind - also wird es was Vererbbares, also was Genetisches sein.<br />
Mich stört dann ein wenig, dass in dem <a href="http://www.slate.com/id/2194232/" rel="nofollow">Artikel</a>, auf den Du verweist, gleich auf &#8220;genes for &#8216;androphilia,&#8217; i.e., attraction to men&#8221; geschlossen wird - dass Frauen mehr Kinder haben, würde ich zunächst mal - wenn es denn was Biologisches sein soll - auf höhere Fruchtbarkeit o.ä. zurückführen und nicht auf größere Männerliebe. Und es könnte ja durchaus sein, dass der Effekt der genetischen Eigenschaften, die sich da vererben, bei Männern eben Homosexualität und bei Frauen erhöhte Fruchtbarkeit ist, oder? Gegen diese Hypothese spricht nur die Idee, man müsste <i>ein </i>Gen finden, das dann für <i>eine</i> (dabei so schwer zu definierende) Eigenschaft wie Androphilie stünde - diese so schnell gemachte Voraussetzung von einzelnen, direkten Korrelationen finde ich problematisch.<br />
Habe übrigens heute noch einen schönen Artikel über Genetik und Hirnforschung in der Zeitung gelesen. Darin wird u.a. berichtet, wie groß der Einfluss dessen, was man mit dem Gehirn <i>tut</i>, darauf ist, wie dasselbe physisch bzw. biologisch <i>strukturiert ist</i>: <a href="https://www.taz.de/regional/nord/bremen/artikel/?dig=2008%2F12%2F12%2Fa0029&amp;cHash=f0efb9c38e" rel="nofollow">&#8220;Gehirn, Gemüt, Genom&#8221; von Mathias Greffrath</a>.</p>
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