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	<title>Kommentare zu: Was ist am Fernsehen eigentlich so schlimm? &#8212; 10 Kritikmöglichkeiten, die besser sind als einfach nur zu meckern: Teil 3</title>
	<link>http://www.sprechblase.org/2008/04/01/was-ist-am-fernsehen-eigentlich-so-schlimm-10-kritikmoglichkeiten-die-besser-sind-als-einfach-nur-zu-meckern-teil-3/</link>
	<description>Sprache aus Luft</description>
	<pubDate>Thu, 28 Aug 2008 18:24:31 +0000</pubDate>
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	<item>
		<title>By: Daniel</title>
		<link>http://www.sprechblase.org/2008/04/01/was-ist-am-fernsehen-eigentlich-so-schlimm-10-kritikmoglichkeiten-die-besser-sind-als-einfach-nur-zu-meckern-teil-3/#comment-5140</link>
		<author>Daniel</author>
		<pubDate>Mon, 12 May 2008 10:35:35 +0000</pubDate>
		<guid>http://www.sprechblase.org/2008/04/01/was-ist-am-fernsehen-eigentlich-so-schlimm-10-kritikmoglichkeiten-die-besser-sind-als-einfach-nur-zu-meckern-teil-3/#comment-5140</guid>
		<description>Ich empfinde die Liste der Möglichkeiten einer Kritik des Fernsehprogramms, die du in deiner kleinen Artikel-Batterie ausbreitest, als prinzipiell ziemlich vollständig. Vielleicht hat sich deshalb bisher noch niemand dazu geäußert, vielleicht haben aber auch viele das Lesepensum gescheut :-).

Nachdem ich die Vollständigkeit nun aber bereits mit einem einschränkenden „prinzipiell“ beschrieben habe, kann es nicht ausbleiben, dass ich doch noch etwas ergänze. 

Und zwar will ich versuchen, die „rückwärts und aufwärts gewandte“ Kritik am Präferenzutilitarismus, also den Verweis auf höherstufige und ruhende Präferenzen sowie auf die Frage der Autonomie der Entscheidenden, zu erweitern und damit die Möglichkeit zur Kritik am Fernsehprogramm zu stärken.

Dazu folgende zwei Initialfragen, die, wie sich zeigen wird, zusammenhängen:
1. Ist Paternalismus wirklich so grundlegend abzulehnen, wie das in diesem Artikel vorausgesetzt wird?
2. Kann die Kritik am Präferenzutilitarismus mittels höherstufiger Präferenzen noch ausgebaut werden?

Ad 2.: Du arbeitest in diesem Artikel, in dem es ja um eine grundlegende Frage nach dem Guten geht, überraschenderweise nur mit einer ethischen Theorie, dem Präferenzutilitarismus. Es gibt aber auch heutzutage noch viel diskutierte ethische Grundpositionen, die deutlich weniger individualistisch ausgerichtet sind. Ich denke vor allem an verschiedene Formen des Neoaristotelismus, die als Gemeinsamkeit eine Konzeption des ‚Guten Lebens’ aufweisen, die nicht nur von den direkten Präferenzen des Einzelnen abhängt. Wie diese bis hin zu handfesten ethischen Implikationen auszubuchstabieren ist, ist eine schwierige Frage, doch weist uns dieser Grundgedanke den Weg zu einer kraftvolleren Kritik am bestehenden Fernsehprogramm.

Die Idee des ‚Guten Lebens’ verweist, wenn man es in die Sprache von Präferenzen übersetzen will, auf grundlegende längerfristige Präferenzen, die die Menschen in irgendeiner Art haben:
i. Sie haben sie „im Stillen“... wenn sie darauf angesprochen würde, gäben sie es zu (so etwas wie ruhende Präferenzen, wenn ich diesen Begriff richtig verstanden habe).
ii. Sie hätten sie, wenn sie mehr Lebenserfahrung und ausreichend darüber reflektiert hätten.
iii. Sie sollten sie haben.

Alle drei Stufen sind stark interpretations- und diskussionsbedürftig, aber ich will es hier bei einer Skizze belassen (das macht’s mir deutlich einfacher, hehe... hat aber, denke ich dennoch eine Aussagekraft). Und spätestens die dritte Stufe stellt - im Gegenteil zu dem Verweisen auf höherstufige oder ruhende Präferenzen - keine Erweiterung des Präferenzutilitarismus, sondern einen Bruch mit demselben dar. Aber das ist ja durchaus eine Möglichkeit, die ich eröffnen will.

Damit deutet sich hier nun eine erweiterte Möglichkeit zur Kritik der Präferenzen des Fernsehpublikums an, gewissermaßen eine Möglichkeit zur Rechfertigung einer bestimmten Art von Paternalismus. Diese Möglichkeit ist aber noch ebenso vage und abstrakt wie weiter rechtfertigungsbedürftig. Ich will deshalb konkreter werden und genauer auf die 1. Initialfrage eingehen.

Sicherlich ist Paternalismus stets eine äußerst problematische Sache. Aber vielleicht nicht, weil es immer grundlegend falsch ist, zu bevormunden, sondern weil es das sehr oft ist, und eine Grenze zu ziehen schwer fällt. Das würde aber bedeuten, dass ein Nachdenken über die Richtigkeit von Paternalismus in bestimmten Situationen, wenn auch vielleicht nicht gut, so doch sinnvoll ist (vgl. etwa auch das Nachdenken über die Möglichkeit von Folter). Und wir dürfen nicht vergessen, dass es legitimierte Bevormundung in unserer Gesellschaft durchaus gibt, etwa bei den unter 18 jährigen.

Und entsprechend halte ich auch bei dem Grundsatz der Selbstbestimmung eine differenzierte Betrachtungsweise für möglich und sinnvoll. Selbstbestimmung hat gewisse Voraussetzungen, sie erfordert eine Art von Aufgeklärtheit, eine Art von Selbstständigkeit in der Meinungsbildung, eine Art von Selbstbewusstsein. (Grob darum geht es im Artikel in den Kritik-Möglichkeiten 9 und 10.) Nur wenn diese Voraussetzungen weit möglichst garantiert sind, kann echte Selbstbestimmung und mit ihr wirkliche Gleichberechtigung erreicht werden.

Aus diesem Gedanken ergibt sich a) die Frage, ob es wirkliche Selbstbestimmung ist, die der Wahl des Fernsehprogramms zugrunde liegt. Diese Frage wurde im Artikel bereits erörtert. Des Weiteren ergibt sich die Frage, ob nicht auch das Fernsehen die Aufgabe hat zur Förderung dieser Voraussetzungen beizutragen, ob also das Fernsehen einen Erziehungsauftrag hat.

Und hier führen die einzelnen Teilpunkte meines Kommentars zusammen: Ausgehend von einem weniger individualistischen ethischen Grundsatzprogramm kann man eventuell - etwa ausgehend von einer Konzeption des Guten Lebens - Aufgeklärtheit und Bildung als grundlegende Lebensziele benennen, nicht zuletzt weil sie gerade zur Stärkung anderer Ziele wie Gleichberechtigung und Selbstbestimmtheit beitragen. Das nun beinhaltet qua ethischer Grundidee bereits eine gewisse Bevormundung und mündet in weitere Bevormundung, wenn wir diese Grundidee auf die Frage der Gestaltung des Fernsehprogramms anwenden und diesem einen gewissen Erziehungsauftrag zur Förderung dieser Ziele zuschreiben.

Insofern hätten wir es hier mit der Möglichkeit eines gerechtfertigen Paternalismus gerade auf der Basis des Grundsatzes richtig verstandener Selbstbestimmung und damit mit einer verstärkten Möglichkeit von politischer Kritik am Fernsehprogramm zu tun.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Ich empfinde die Liste der Möglichkeiten einer Kritik des Fernsehprogramms, die du in deiner kleinen Artikel-Batterie ausbreitest, als prinzipiell ziemlich vollständig. Vielleicht hat sich deshalb bisher noch niemand dazu geäußert, vielleicht haben aber auch viele das Lesepensum gescheut :-).</p>
<p>Nachdem ich die Vollständigkeit nun aber bereits mit einem einschränkenden „prinzipiell“ beschrieben habe, kann es nicht ausbleiben, dass ich doch noch etwas ergänze. </p>
<p>Und zwar will ich versuchen, die „rückwärts und aufwärts gewandte“ Kritik am Präferenzutilitarismus, also den Verweis auf höherstufige und ruhende Präferenzen sowie auf die Frage der Autonomie der Entscheidenden, zu erweitern und damit die Möglichkeit zur Kritik am Fernsehprogramm zu stärken.</p>
<p>Dazu folgende zwei Initialfragen, die, wie sich zeigen wird, zusammenhängen:<br />
1. Ist Paternalismus wirklich so grundlegend abzulehnen, wie das in diesem Artikel vorausgesetzt wird?<br />
2. Kann die Kritik am Präferenzutilitarismus mittels höherstufiger Präferenzen noch ausgebaut werden?</p>
<p>Ad 2.: Du arbeitest in diesem Artikel, in dem es ja um eine grundlegende Frage nach dem Guten geht, überraschenderweise nur mit einer ethischen Theorie, dem Präferenzutilitarismus. Es gibt aber auch heutzutage noch viel diskutierte ethische Grundpositionen, die deutlich weniger individualistisch ausgerichtet sind. Ich denke vor allem an verschiedene Formen des Neoaristotelismus, die als Gemeinsamkeit eine Konzeption des ‚Guten Lebens’ aufweisen, die nicht nur von den direkten Präferenzen des Einzelnen abhängt. Wie diese bis hin zu handfesten ethischen Implikationen auszubuchstabieren ist, ist eine schwierige Frage, doch weist uns dieser Grundgedanke den Weg zu einer kraftvolleren Kritik am bestehenden Fernsehprogramm.</p>
<p>Die Idee des ‚Guten Lebens’ verweist, wenn man es in die Sprache von Präferenzen übersetzen will, auf grundlegende längerfristige Präferenzen, die die Menschen in irgendeiner Art haben:<br />
i. Sie haben sie „im Stillen“&#8230; wenn sie darauf angesprochen würde, gäben sie es zu (so etwas wie ruhende Präferenzen, wenn ich diesen Begriff richtig verstanden habe).<br />
ii. Sie hätten sie, wenn sie mehr Lebenserfahrung und ausreichend darüber reflektiert hätten.<br />
iii. Sie sollten sie haben.</p>
<p>Alle drei Stufen sind stark interpretations- und diskussionsbedürftig, aber ich will es hier bei einer Skizze belassen (das macht’s mir deutlich einfacher, hehe&#8230; hat aber, denke ich dennoch eine Aussagekraft). Und spätestens die dritte Stufe stellt - im Gegenteil zu dem Verweisen auf höherstufige oder ruhende Präferenzen - keine Erweiterung des Präferenzutilitarismus, sondern einen Bruch mit demselben dar. Aber das ist ja durchaus eine Möglichkeit, die ich eröffnen will.</p>
<p>Damit deutet sich hier nun eine erweiterte Möglichkeit zur Kritik der Präferenzen des Fernsehpublikums an, gewissermaßen eine Möglichkeit zur Rechfertigung einer bestimmten Art von Paternalismus. Diese Möglichkeit ist aber noch ebenso vage und abstrakt wie weiter rechtfertigungsbedürftig. Ich will deshalb konkreter werden und genauer auf die 1. Initialfrage eingehen.</p>
<p>Sicherlich ist Paternalismus stets eine äußerst problematische Sache. Aber vielleicht nicht, weil es immer grundlegend falsch ist, zu bevormunden, sondern weil es das sehr oft ist, und eine Grenze zu ziehen schwer fällt. Das würde aber bedeuten, dass ein Nachdenken über die Richtigkeit von Paternalismus in bestimmten Situationen, wenn auch vielleicht nicht gut, so doch sinnvoll ist (vgl. etwa auch das Nachdenken über die Möglichkeit von Folter). Und wir dürfen nicht vergessen, dass es legitimierte Bevormundung in unserer Gesellschaft durchaus gibt, etwa bei den unter 18 jährigen.</p>
<p>Und entsprechend halte ich auch bei dem Grundsatz der Selbstbestimmung eine differenzierte Betrachtungsweise für möglich und sinnvoll. Selbstbestimmung hat gewisse Voraussetzungen, sie erfordert eine Art von Aufgeklärtheit, eine Art von Selbstständigkeit in der Meinungsbildung, eine Art von Selbstbewusstsein. (Grob darum geht es im Artikel in den Kritik-Möglichkeiten 9 und 10.) Nur wenn diese Voraussetzungen weit möglichst garantiert sind, kann echte Selbstbestimmung und mit ihr wirkliche Gleichberechtigung erreicht werden.</p>
<p>Aus diesem Gedanken ergibt sich a) die Frage, ob es wirkliche Selbstbestimmung ist, die der Wahl des Fernsehprogramms zugrunde liegt. Diese Frage wurde im Artikel bereits erörtert. Des Weiteren ergibt sich die Frage, ob nicht auch das Fernsehen die Aufgabe hat zur Förderung dieser Voraussetzungen beizutragen, ob also das Fernsehen einen Erziehungsauftrag hat.</p>
<p>Und hier führen die einzelnen Teilpunkte meines Kommentars zusammen: Ausgehend von einem weniger individualistischen ethischen Grundsatzprogramm kann man eventuell - etwa ausgehend von einer Konzeption des Guten Lebens - Aufgeklärtheit und Bildung als grundlegende Lebensziele benennen, nicht zuletzt weil sie gerade zur Stärkung anderer Ziele wie Gleichberechtigung und Selbstbestimmtheit beitragen. Das nun beinhaltet qua ethischer Grundidee bereits eine gewisse Bevormundung und mündet in weitere Bevormundung, wenn wir diese Grundidee auf die Frage der Gestaltung des Fernsehprogramms anwenden und diesem einen gewissen Erziehungsauftrag zur Förderung dieser Ziele zuschreiben.</p>
<p>Insofern hätten wir es hier mit der Möglichkeit eines gerechtfertigen Paternalismus gerade auf der Basis des Grundsatzes richtig verstandener Selbstbestimmung und damit mit einer verstärkten Möglichkeit von politischer Kritik am Fernsehprogramm zu tun.</p>
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