Archiv des Monats März 2008

Russisch-Englischer Medienkampf: vorgeführt an der Berichterstattung über Scharpajews Tod

von Eugen Pissarskoi
Samstag, 22. März 2008

Am 21.03 ging durch die Presse die Meldung, dass der russische Fernsehjournalist Iljas Scharpajew ermordet worden ist. Der englische „Independent“ und der russische „Kommersant“ haben das Ereignis recht unterschiedlich präsentiert.
Nach meinem Leseeindruck versucht die englische Zeitung einen möglichst klaren Bezug zu einem politischen Hintergrund nachzuweisen. Der russische Artikel bemüht sich dagegen, diesen Eindruck zu zerstreuen.

Um meinen Eindruck zu belegen, zitiere ich die ersten zwei Absätze aus „Moscow shaken by killing television journalist“:

    A Russian television journalist has been found dead in his flat in Moscow only hours after posting a blog entry on his website in which he joked that he had become a dissident.

    Ilyas Shurpayev had reported from all the most dangerous parts of Russia, including Chechnya and his native Dagestan, but he was killed in his own apartment in the Russian capital. Police said he had been strangled to death; he was found with a belt around his neck and multiple knife wounds.

Bereits im ersten Absatz deutet der Verweis auf die Dissidenten-Rolle auf einen politischen Hintergrund.

Nun eine Übersetzung des fett hervorgehobenen Absatzes aus dem Kommesant-Artikel:

    In der Nacht auf Freitag ist in Moskau der Korrespondent des Fernsehsenders „Pervyj Kanal“, 32-jähriger Iljas Schurpajew (russische Fernsehsender haben diese Nachricht umfangreich beleuchtet – siehe die Rubrik „Zugang zur Leiche“ auf dieser Seite), ermordet worden. Die Täter zündeten die Wohnung des Journalisten, der erst vor einem Monat in die Hauptstadt gezogen ist, an, um die Spuren der Tat zu beseitigen. Die Ermittlung glaubt, dass die Tat keinen Bezug zu der beruflichen Tätigkeit von Herrn Schurpajew aufweist, und verspricht, die Täter in Kürze festzunehmen.

In der russischen Präsentation wird gleich zu Anfang der politische Hintergrund bestritten. Den Blogartikel Schurpajews erwähnt der Kommersant erst im letzten Absatz.

Die Autoren des Independent erwähnen ebenfalls, dass die Ermittler einen politischen Hintergrund bestreiten, jedoch erst im dritten Absatz. Und sie fügen hinzu:

    “they [i.e. the police] were also considering the possibility that it was linked to Mr Shurpayev’s work”.

Der Kommersant schreibt hingegen im dritten Absatz:

    “Auch für wenig wahrscheinlich halten die Ermittler die Vermutung, dass Iljas Schurpajew für seine journalistische Tätigkeit getötet worden sein könnte”.

Der Independent berichtet zusätzlich, dass Russland das dritt gefährlichste Land für Journalisten ist. Im vorletzten Absatz gehen die Autoren noch einmal auf Schurpajews Blogeintrag ein: “However, suspicions will be raised by an entry that Mr Shurpayev posted on his personal blog just before 4pm on Thursday”. (von mir kursiv gesetzt).

Ich finde diese Unterschiede in der Darstellung verblüffend, muss mir jedoch noch Gedanken darüber machen, was ich daraus lernen kann.

PS: Der Spiegel und die Sueddeutsche haben berichteten jeweils in einem Artikel gleichzeitig über die Ermordung von Scharpajew und dem Fernseh-Chef der russischen Teilrepublik Dagestan, Abaschilow. Sie haben beide Morde als politisch interpretiert.

PPS: Bezüglich des Mordes an Abaschilow stellen auch russische Medien einen politischen Zusammenhang her.

Was ist am Fernsehen eigentlich so schlimm? — 10 Kritikmöglichkeiten, die besser sind als einfach nur zu meckern: Teil 2

von Christian Voigt
Montag, 17. März 2008

In Teil 1 habe ich versucht zu zeigen, warum die Diskussion um das Fernsehen leicht in die Gefahr gerät zu oberflächlich zu sein: Fernsehkritik hat häufig den Anspruch politisch zu sein, versucht diesen Anspruch aber teilweise mit den Mitteln der ästhetischen Kritik zu erfüllen. Eine wirklich politische Kritik müsste zwei Prinzipien beachten, die durch die Methode der ästhetischen Kritik verletzt werden: Das Gleichberechtigungsgebot und das Selbstbestimmungsgebot.

Nimmt man zu diesen zwei Prinzipien noch das Prinzip des Utilitarismus hinzu, dann kann man leicht begründen, warum es sogar geboten ist das Fernsehprogramm an den Einschaltquoten auszurichten. Dadurch verdienen die Fernsehsender nicht nur mehr Geld, sie maximieren zugleich den gesellschaftlichen Gesamtnutzen. Was sollte daran schlecht sein?

Interne Kritik

“Das ist doch offensichtlich!”, werden nun die Fernsehkritiker sagen. “Diese angebliche ‘Nutzenmaximierung’ führt zu den menschenverachtenden Sendungen des Affektfernsehens, der Reality- und Casting-Shows, zum Eskapismus von Telenovelas, Rosamunde-Pilcher-Verfilmungen und Volsmusiksendungen, zur oberflächlichen und parteiischen Information, zur Dominanz von Gewalt, Sex und Skandal, zur Vernichtung kultureller Vielfalt und dem allgemeinen Niedergang unserer grundlegendsten Werte!” Der Utilitarist kann dabei aber ganz gelassen bleiben: Das Jammern des Fernsehkritikers kann er einfach als Hinweis auf dessen individuelle Präferenzen interpretieren. Klar, auch die müssen in der Nutzenrechnung berücksichtigt werden. Aber eben nicht mehr, als die Präferenzen der Fans von “Germany’s next top-model”, “Big Brother” oder “Bianca — Wege zum Glück”.

Will der Fernsehkritiker ernster genommen werden, hat er zwei Möglichkeiten: Er kann entweder eines der grundlegenden Bewertungsprinzipien des Präferenz-Utilitaristen aufgeben (Gleichberechtigung, Selbstbestimmung, Utilitarismus) oder er kann zeigen, dass diese Prinzipien einer “internen” Kritik nicht im Wege stehen. In diesem Teil möchte ich zunächst sechs Möglichkeiten der internen Kritik vorstellen. Im dritten und letzten Teil werden dann vier Möglichkeiten der grundlegenderen Kritik untersucht.

Möglichkeit 1: Einschaltquoten gar nicht alleiniges Kriterium

Kritik: In Wirklichkeit sind die Einschaltquoten gar nicht das alleinige Kriterium für die Programmgestaltung: Genauso wichtig sind die Kaufkraft und die Beinflussbarkeit der verschiedenen Zielgruppen, da es den Programmgestaltern vor allem darum geht attraktive Werbeplätze zu schaffen. Da junge Menschen daher eine besonders attraktive Zielgruppe für Werbung bilden, haben sie einen unverhältnismäßig großen Einfluss auf die Programmgestaltung. Dadurch wird das Gleichberechtigungsgebot verletzt und das Niveau der Sendungen abgesenkt. Die ökonomische Vernunft fällt also gar nicht mit der utilitaristischen Vernunft zusammen. (Dieses Argument wird hier in der Süddeutschen vertreten)

Beurteilung: Diese Kritik ist durchaus plausibel. Allerdings ist unklar wie groß hier wirklich der Verzerrungseffekt ist und wie tiefgreifend diese Kritik also letzten Endes sein kann. Außerdem stellt sich die Frage, ob es sich hier wirklich um einen Alterskonflikt oder viel eher nur um einen Generationenkonflikt handelt. Wäre letzteres der Fall, so würden die Alten von morgen durchaus einen ähnlichen Fernsehgeschmack haben, wie die Jungen von heute. Die Kritik hätte insofern ein frühes Ablaufdatum.

Die nächsten drei internen Kritikmöglichkeiten greifen alle die These an, dass sich anhand der Einschaltquoten und Zuschauerzahlen ausreichend Informationen über die Präferenzen der Gesamtbevölkerung ableiten lassen.

Möglichkeit 2: Einschaltquoten nicht repräsentativ

Kritik: Die Einschaltquoten und Zuschauerzahlen repräsentieren nicht die Präferenzen der Gesamtbevölkerung. Diese Zahlen werden nur statistisch ermittelt, Testpersonen sind ausschließlich GEZ-Zahler mit deutscher Staatsbürgerschaft.

“Jene 20% der Deutschen, die keine GEZ bezahlen, werden nicht erfasst. Zweitgeräte werden nur zu einem Bruchteil erfasst, also auch kaum Jugendliche. Es gibt viele Schwachstellen. Warum die Werbewirtschaft das einfach so hinnimmt, ist mir ein völliges Rätsel.”
Hans Weingartner im Interview zu “Free Rainer”
Ausführlicher in diesem Video

Zusätzlich kann man darauf verweisen, dass das Fernsehen in Umfragen regelmäßig sehr schlecht abschneidet: 2004, auf dem Höhepunkt der Reality-Show-Welle, meinten z.B. 64% der von Forsa Befragten, dass die TV-Sender am besten vollständig auf dieses Format verzichten sollten. Für weniger Reality-Shows stimmen 21 Prozent.

Eine Forsa-Umfrage im Auftrag des Stern ergab 2005, dass sich 55% vom Fernsehen für “dumm verkauft” fühlen. 59% meinten, sie hätten es satt, dass im Fernsehen immer das Gleiche laufe.

Beurteilung: Die von Weingartner geäußerte Kritik scheint nicht mehr zuzutreffen (siehe diese Studie, gefunden über Wikipedia). Selbst wenn sie aber zutreffen würde, ist vollkommen unklar, was der Fernsehkritiker mit ihr eigentlich erreichen will: Denn es ist unwahrscheinlich, dass eine Berücksichtigung der genannten Bevölkerungsgruppen die Einschaltquoten im Sinne des Fernsehkritikers verändern würden. Es reicht nicht aus, zu beweisen, dass die Einschaltquoten nicht repräsentativ sind. Man muss zusätzlich auch noch plausibel machen können, dass die Einschaltquoten, wären sie repräsentativ, sich den Präferenzen des Fernsehkritikers annähern würden. Das ist aber höchst unplausibel.

Zu den Umfragen: Auch wenn die Mehrheit mit dem Fernsehen unzufrieden ist, kann es dennoch sein, dass die Einschaltquoten repräsentativ sind. Ein Beispiel kann helfen, um das klar zu machen: Nehmen wir an die Bevölkerung besteht aus 3 Teilen: Teil 1 (40%) will ausschließlich Reality-Shows, Teil 2 (30%) will ausschließlich Fussball, Teil 3 (30%) will ausschließlich Soaps. Gleichgültig, für was sich ein Sender entscheidet: Reality-Shows, Fussball, Soaps — die Mehrheit wird dagegen sein und ab- oder umschalten. Dennoch sind die Einschaltquoten und Zuschauerzahlen und ist damit auch der Gesamtnutzen am höchsten, wenn die Sender sich für Reality-Shows entscheiden.

Natürlich ist es ein Problem, dass durch das Zusammenrechnen die Präferenzen der Mehrheit bei der Programmgestaltung ignoriert werden. Solange wir aber das Bewertungsprinzip des Präferenz-Utilitaristen nicht angreifen, lässt sich dieses problematische Zusammenrechnen von sich widersprechenden Präferenzen (Aggregation oder Kumulation) nicht kritisieren.

Möglichkeit 3: Einschaltquoten unvollständig

Kritik: Die Einschaltquoten geben uns keine verläßlichen Informationen über neue, unerprobte Sendeformate. Die Präferenzordnung ist hier unbestimmt, das Gespür der Fernsehproduzenten muss entscheiden. Da die ihr Risiko minimieren wollen, setzen sie auf altbewährte Konzepte, auf das, “was immer funktioniert”: Sex, Gewalt, Emotion, Skandal, Oberflächlichkeit, Kitsch. Diese konservative Programmpolitik ist aber nicht notwendigerweise die erfolgreichste (sie ist eben nur die sicherste). Statt so immer wieder auf dieselben Tricks zu setzen, wäre es durchaus im Interesse der Fernsehsender selbst, für möglichst große Vielfalt zu sorgen, Experimente zu wagen, die Präferenzen des Zuschauers auszutesten. Denn die Einschaltquoten beweisen nicht, dass Zuschauer keine “anspruchsvollen Inhalte” vertragen, sondern höchstens, dass bisherige Versuche sie ihnen zu vermitteln, fehlgeschlagen sind. Eine größere Experimentierfreudigkeit könnte zu ganz neuen Quotenhits und ganz neuen Zuschauergruppen führen, die sich mit den Daumenregeln der Produzenten niemals hätten entdecken lassen.

Diese Kritik hat gerade in letzter Zeit an Plausibilität gewonnen, weil uns das amerikanische Fernsehen überzeugende Beispiele liefert: Serien wie “The Sopranos”, “The Wire”, “Six Feet Under”, “24″ oder “Curb Your Enthusiasm” sind derart originell, geistreich und komplex, dass sie das deutsche Fernsehen alt aussehen lassen. Diese Blüte der amerikanischen Serienkultur hätte es nie gegeben, wenn die Fernsehproduzenten nicht Mut zum Experiment gehabt hätten. Dieser Mut (insbesondere des Spartensenders HBO) war aber kein ökonomischer Wahnsinn, sondern hat sich vielfach ausgezahlt.

David Simon, der Erfinder von “The Wire” (der definitiv besten, wenn auch leider nicht erfolgreichsten TV-Serie) beschreibt diese Erfahrung in einem lesenswerten Interview mit Nick Hornby so:

My standard for verisimilitude is simple and I came to it when I started to write prose narrative: fuck the average reader. I was always told to write for the average reader in my newspaper life. The average reader, as they meant it, was some suburban white subscriber with two-point-whatever kids and three-point-whatever cars and a dog and a cat and lawn furniture. He knows nothing and he needs everything explained to him right away, so that exposition becomes this incredible, story-killing burden. Fuck him. Fuck him to hell. […]

Well, here’s a secret that I learned with Homicide and have held to: if you write something that is so credible that the insider will stay with you, then the outsider will follow as well. Homicide, The Corner, The Wire, Generation Kill—these are travelogues of a kind, allowing Average Reader/Viewer to go where he otherwise would not. He loves being immersed in a new, confusing, and possibly dangerous world that he will never see. He likes not knowing every bit of vernacular or idiom. He likes being trusted to acquire information on his terms, to make connections, to take the journey with only his intelligence to guide him. Most smart people cannot watch most TV, because it has generally been a condescending medium, explaining everything immediately, offering no ambiguities, and using dialogue that simplifies and mitigates against the idiosyncratic ways in which people in different worlds actually communicate. It eventually requires that characters from different places talk the same way as the viewer. This, of course, sucks.

Beurteilung: Auf diese Weise wird man die bisherigen Quotenrenner nicht verdrängen können. Gleichgültig wie unterhaltsam und zugänglich ein komplexes Thema wie die Gesundheitsreform aufbereitet werden wird; es wird kaum gegen “Deutschland sucht den Superstar” ankommen. Deutsche Fernsehproduzenten verweisen auch bereits jetzt schon darauf, dass ihre Versuche mit “anspruchsvollen” Serien nach amerikanischen Vorbild bei deutschen Zuschauern einfach nicht ankommen. Immerhin kann man aber dafür argumentieren, dass jeder Sender sowohl aus utilitaristischer, wie aus ökonomischer Sicht die Pflicht hat, immer wieder neue Formate auszuprobieren, um den Präferenzen seiner Zuschauer auf die Schliche zu kommen.

Möglichkeit 4: Einschaltquoten nur ordinal

“Die, die immer einschalten, weil sie keine Alternative haben, dürfen nicht die Messgrundlage für unsere Fernsehkultur sein.”
Oliver Kalkofe in einer Rede auf den Medientagen München 14. November 2007

Kritik: In den Einschaltquoten wird jeder Fernsehkonsum auf gleiche Weise berücksichtigt. Ist das nicht unfair? Denn schließlich gibt es doch sehr unterschiedliche Arten, fernzusehen: In der schon zitierten Forsa-Studie von 2005 gaben 44% an, sich nebenher mit anderen Dingen zu beschäftigen (am häufigsten: Hausarbeiten, Essen und Telefonieren). Andere Zuschauer dagegen schalten den Fernseher nur an, um ganz bestimmte Sendungen zu sehen, z.B. Serienfans, Fussballfans, politisch Interessierte bei Wahlen usw.

Wer den Fernseher nur als Einschlafhilfe benutzt, dem ist es im Prinzip gleichgültig was läuft (es darf bloß nicht plötzlich laut werden). Wer dagegen wochenlang auf die Fortsetzung der Lieblingsserie gewartet hat, der oder die wird eisern die Macht über die Fernbedienung verteidigen und wird bereit sein, ansonsten hochgeschätzte Beschäftigungen zugunsten des Fernsehens aufzugeben.

Doch in den Einschaltquoten spiegeln sich all diese Unterschiede nicht wieder: Gezählt wird nur ob eingeschaltet wird oder nicht. Nutzentheoretisch gesprochen: Die Einschaltquoten aggregieren nur ordinalen, keinen kardinalen Nutzen. Angemessen wäre diese Aggregation aber erst, wenn sie diese qualitativen Unterschiede berücksichtigen würde. Man könnte sich z.B. vorstellen, dass die Testpersonen angeben müssen wie wichtig ihnen eine Sendung ist: Sehr unwichtig, eher unwichtig, gleichgültig, eher wichtig, sehr wichtig.

Beurteilung: Wie würde sich eine derartige Erweiterung auswirken? Schwer zu sagen. Es ist aber durchaus plausibel, dass “kardinale Präferenzen” Sendungen für Spezialinteressen begünstigen würden, da deren Zuschauer sich besonders mit dieser Sendung identifizieren. Sendungen dagegen, die jeder gerne ab und zu zur Ablenkung schaut, aber die niemanden speziell ansprechen, werden derartigen Spartensendungen gegenüber schlechter abschneiden. Das hätte eine erhöhte Vielfalt zur Folge, allerdings nicht unbedingt ein höheres Niveau (Die letzte Folge von “Deutschland sucht den Superstar” würde wahrscheinlich z.B. nach wie vor sehr hoch bewertet werden).

Die bisherigen Kritiken bezogen sich auf unvollständige Informationen über die Präferenzen der Zuschauer. Die nächsten zwei Kritiken beziehen sich stattdessen auf das unvollständige Wissen der Zuschauer über das Fernsehen.

Möglichkeit 5: Kein vollständiges Wissen über das Programm

Kritik: Aufgrund ihrer Sozialisierung, ihres sozialen Umfeldes und aufgrund reiner Gewohnheit ignorieren viele Zuschauer Sendeformate und besitzen deswegen unvollständiges Wissen über das Programm. So entstehen psychische Barrieren, die eine vollständige Information über das Programm verhindern. Die Aussagekraft der Einschaltquoten wird dadurch durchaus relativiert. Bildungsbürger wissen z.B. gar nicht wirklich, ob sie sich nicht eigentlich bei “Big Brother” oder dem “Dschungel-Camp” köstlich amüsieren würden. Sportfans wissen nicht, ob sie nicht vielleicht auch die Berichterstattung über den amerikanischen Wahlkampf genauso spannend finden würden wie die “Tour de France”. Und Rosamunde-Pilcher-Liebhaber wissen nicht, ob sie nicht vielleicht auch von Ingmar Bergmanns psychologischem Realismus fasziniert wären.

Beurteilung: Diese Kritik ist viel zu optimistisch. Denn sie muss davon ausgehen, dass der Durchschnittszuschauer während er “Deutschland sucht das Supermodel” glotzt, sich in Wirklichkeit danach sehnt, über Korruption in deutschen Konzernen informiert zu werden, Fassbinderfilme zu schauen oder Bundestagsdebatten auf Phoenix zu verfolgen. Eine derartige Erwartung ist offensichtlich naiv.

Möglichkeit 6: Unvollständiges Wissen über die gesellschaftlichen Folgen des Fernsehens

Kritik: Auch wenn die Zuschauer wissen, was sie am besten unterhält, amüsiert, informiert usw., wissen sie nicht, inwieweit Gewaltdarstellungen im Fernsehen die Jugendkriminalität erhöhen, inwieweit das Fernsehen dazu führt, dass Menschen zu hohe oder falsche Erwartungen an sich selbst, ihre Partner oder andere Mitmenschen stellen, sie wissen nicht, wie eine Gesellschaft aussehen würde, wenn es gar kein oder ein anderes Fernsehen geben würde. Insbesondere ist nicht allen Eltern bewußt, welche Wirkung das Fernsehen auf ihre Kinder hat. Da kaum jemand das Selbstbestimmungsgebot auch für Kinder gelten lassen will, muss hier die Gesellschaft eingreifen, wenn Eltern ihre Erziehungsaufgabe nicht erfüllen können. (Wissenschaftliche Ergebnisse, die für negative Folgen wie Gewaltbereitschaft, geringere Intelligenz usw sprechen werden in diesem Contra-Artikel der Süddeutschen referiert)


Beurteilung:
Eine derartige Kritik kann sehr viel tiefer gehen, als die bisherigen Ansätze. Sie kann z.B. Gewaltdarstellungen oder Kitsch im Fernsehen generell kritisieren. Allerdings muss sie sich dafür auf sehr starke Thesen einlassen: Sie muss sehr allgemeine Kausalgesetze verteidigen, die empirisch nur schwer zu belegen sind. Es gibt zudem sogar auch Studien, die positive Folgen des Fernsehkonsums auch bei Kindern feststellen konnten. So ließ sich z.B. bei der Einführung der Sesamstrasse in Indien feststellen, dass Kinder, die die Sesamstrasse schauten, besser lesen und rechnen lernten, als Kinder, die keine Sesamstrassse schauten. Vor kurzem wurde zudem nachgewiesen dass “Die Super-Nanny” durchaus Eltern zum Nachdenken über ihre autoritären Erziehungsmethoden anregte. (für eine Zusammenfassung siehe diesen Pro-Artikel in der Süddeutschen, zur wissenschaftlichen Diskussion um die Super-Nanny den entsprechenden Wikipedia-Artikel).

Außerdem muss hier erneut unterstellt werden, dass die Zuschauer eine Welt ohne diese Auswirkungen präferieren. Dies mag bei einem Ansteigen der Gewalttaten oder einer Verrohung der Umgangsformen noch plausibel sein. Wer dagegen behauptet, dass das Fernsehen die Massen “verdumme” oder die Kultur “verflache” wird es dagegen wahrscheinlich schon schwerer haben eine weitverbreitete Ablehnung dieser Verdummung nachzuweisen.

Insgesamt ist also diese Form der Kritik zu voraussetzungsreich um erfolgversprechend zu sein.

Fazit zu den Möglichkeiten der internen Kritik

Wie man also sehen kann, bietet der Präferenz-Utilitarismus mehr Möglichkeiten zur Kritik an den Massenmedien, als es seine Anhänger (wie z.B. Thoma oder Diekmann) gerne hätten. Allerdings reichen diese Möglichkeiten andererseits wiederum nicht weit genug, um eine grundlegende Reform des Fernsehens zu fordern oder ein für alle mal bestimmte Sendeformate abzulehnen. Denn was “gutes Fernsehen” ist, das bleibt nach wie vor an die Zuschauergunst gekoppelt. Nur relativ zu den Vorlieben des Massenpublikums lässt sich rechtfertigen, warum Sendeformate abgesetzt, eingeführt, warum Sendungen bessere oder schlechtere Sendeplätze, mehr oder weniger Sendezeit erhalten sollten.

Aus der Kritik der Ordinalität und der Unvollständigkeit der Einschaltquoten lässt sich allerdings überzeugend eine Forderung nach größerer Vielfalt ableiten, insbesondere nach größerer Experimentierfreudigkeit. Sollte sich aber herausstellen, dass derartige Experimente letzten Endes keinen ökonomischen Erfolg bringen, so ist die päferenzutilitaristische Kritik mit ihrem Latein am Ende.

Was ist am Fernsehen eigentlich so schlimm? — 10 Kritikmöglichkeiten, die besser sind als einfach nur zu meckern: Teil 1

von Christian Voigt
Mittwoch, 5. März 2008

“Die wahre Antidemokratie ist die Massenkultur.”
Pier Paolo Pasolini, Interview von Robert Schär, in: Cinema, Nr. 2, Zürich, Juli 1976

“Das ist faschistisches Gedankengut. Ich will nicht die Herrschaft einer Elite, die immer besser weiß, was die Leute sehen sollen. Die Verachtung der Massenkultur, die ist undemokratisch.”
Helmuth Thoma, ehemaliger RTL-Chef zum Pasolini-Zitat in einem Interview der Zeit, 1996, Nr. 37

Das Fernsehen zu kritisieren ist so eine Art deutscher Volkssport. Das zeigt sich in den Bestandsaufnahmen des kulturellen Niedergangs, die regelmäßig in den Feuilletons erscheinen, in der Diskussion ums “Unterschichtenfernsehen”, in Weingartners “Free Rainer — Dein Fernseher lügt”, Kalkofes “Mattscheibe”, in der Tirade von Baden-Württembergs Ministerpräsidenten Oettinger gegen das “Scheiß-Privatfernsehen”, ja es zeigt sich sogar in Umfragen. So unterhaltsam viele der Kritiken sind — sie sind auf ihre Art häufig kaum weniger oberflächlich, als sie es ihrem Opfer vorwerfen zu sein. Das liegt daran, dass man nur allzu leicht zwei unterschiedliche Arten der Kritik miteinander vermengt.

Wer eine Theaterkritik oder eine Musikkritik liest, der will ästhetisch beraten werden: Man vertraut dabei auf die ästhetische Expertise der Kritiker, auf die Einzel- und nicht auf die Massenmeinung. Anders bei der Kritik am “Unterschichtenfernsehen”: Wir lesen sie nicht, um zu entscheiden, ob wir besser das “Dschungel-Camp” oder “Deutschland sucht den Superstar” sehen sollten. Sie empfiehlt uns als einzelnen Lesern nichts, sondern fordert implizit eine grundlegende Änderung des Massenmediums Fernsehen; und sie fordert nicht nur ein kulturelles Reservat für die Elite (wie z.B. Opern, Theater, Museen), sie fordert eine Programmänderung für alle. Die Kritik wird dadurch zu einer politischen.

Der ästhetische Kritiker muss (darf vielleicht sogar) auf die Meinungen anderer keine Rücksicht nehmen, er ist Diktator im Reich des Schönen. Der politische Kritiker dagegen muss, wenn er denn Demokrat ist, im Namen aller sprechen. Zwar darf auch er bestimmten Einzelinteressen das Wort reden (z.B. Arbeiterinteressen, Interessen “der Wirtschaft” usw.). Wenn aber seine Kritik politische Forderungen enthalten soll, wenn sie mehr als eine erste “Anmeldung von Einzelinteressen” sein soll, dann muss der politische Kritiker als Demokrat für sich beanspruchen, die Einzelinteressen bereits gegen die Interessen aller anderen abgewogen zu haben. Er muss dabei folgendes Gebot beachten:

Gleichberechtigungsgebot (Gerechtigkeitsgebot)
Alle Gesellschaftsmitglieder haben genau das gleiche Anrecht auf persönliches Wohlergehen (auf die Maximierung ihres persönlichen Nutzens).

Nun könnten die Fernsehkritiker natürlich für sich beanspruchen, den “absoluten” Geschmack zu besitzen: Genau das, was sie gut finden, ist im besten Interesse aller. Diese Haltung wäre allerdings genau das, was Ökonomen “Paternalismus” nennen: Man ignoriert in scheinbar “väterlicher” Fürsorge die Präferenzen der anderen und beansprucht dennoch für sie zu sprechen. Es ist genau dieser Paternalismus, den Helmuth Thoma “faschistisch” nennt, denn er widerspricht einem weiteren wichtigen politischen Prinzip, das man nicht einfach ignorieren kann:

Selbstbestimmungsgebot (Freiheitsgebot)
Jeder ist seines eigenen Wohles alleiniger Richter.

Der eigentliche Anspruch der demokratiefreundlichen Fernsehkritik müsste lauten: “Unterschichtenfernsehen”, “Affektfernsehen”, “Massenverdummung”, “Infantilisierung” oder “kulturelle Verflachung” zu kritisieren ohne das Gleichberechtigungsgebot zu verletzen und ohne sich dem Paternalismusvorwurf auszusetzen. Genau dieser Anspruch drückt sich im Pasolini-Zitat aus: Massenkultur ist nicht schlecht, weil sie demokratisch ist, sie kann — wenn überhaupt — nur deswegen schlecht sein, weil sie “anti-demokratisch” ist. Ist eine solche Kritik überhaupt möglich?

Die Möglichkeiten einer politisch relevanten und dennoch nicht undemokratischen Fernsehkritik sollen hier ausgelotet werden. Es geht also weniger darum, wie gut oder schlecht unser Fernsehen wirklich ist, als um den Entwurf eines rationalen Diskurses: Welche Argumente sollten in dieser Debatte vorgebracht und diskutiert werden?

In Teil 1 möchte ich zeigen, warum es nicht so einfach ist das Fernsehen zu kritisieren. Dazu mache ich zunächst die These möglichst stark, dass wir bereits jetzt über das bestmögliche Fernsehen verfügen und Fernsehen wesentlich zur gesellschaftlichen Wohlfahrt beiträgt. In Teil 2 werde ich dann Möglichkeiten vorstellen, diese Thesen anzugreifen, ohne die beiden genannten politischen Prinzipien aufzugeben. In Teil 3 wird es abschließend um Möglichkeiten gehen, das Selbstbestimmungsgebot zu modifizieren ohne sich dadurch dem Paternalismusvorwurf auszusetzen.

Ein kleiner Schritt von der Gleichberechtigung und Selbstbestimmung zum Utilitarismus

Es ist gar nicht so abwegig zu behaupten, dass wir bereits jetzt über das bestmögliche Fernsehen verfügen. Dazu muss man (fast) nur das Gleichberechtigungs- und Selbstbestimmungsgebot mit einem weiteren Prinzip kombinieren:

Utilitarismus (Nutzenmaximierungsgebot)
Alles, was bei der Bewertung eines Gesellschaftszustandes zählt, ist der Nutzen, den dieser Zustand für die Mitglieder dieser Gesellschaft (oder für alle von diesem Zustand Betroffenen) hat.

Daraus ergibt sich dann ein Bewertungsmaßstab, den man den “subjektivistischen Utilitarismus” nennen könnte:

Subjektivistischer Utilitarismus
Gesellschaftszustände sollten danach bewertet werden, inwieweit wieviele Gesellschaftsmitglieder glauben, dass dieser Gesellschaftszustand ihnen nützt.

Wie kriegt man nun heraus, ob eine Person glaubt, dass etwas in ihrem besten Interesse ist, ihr also nützt? Ökonomen sind darauf gekommen, Interessen als Präferenzen aufzufassen: Man versucht einfach herauszubekommen, welche Zustände (Güterbündel) eine Person vor welchen anderen Zuständen bevorzugt und bewertet dann anhand dieser Präferenzen Zustände relativ zu anderen. Wir können eine derartige Anwendung den “Präferenz-Utilitarismus” nennen.

Was nützt uns das Fernsehen?

Häufig ist es schwierig sichere Erkenntnisse darüber zu gewinnen, welche Präferenzen Personen wirklich besitzen. Ökonomen trauen häufig nicht den Äußerungen einer Person, sondern wollen wissen, wie sie sich wirklich verhält. Im Falle des Fernsehens lässt sich das ziemlich genau sagen: Die ermittelten absoluten Zuschauerzahlen geben uns ein relativ genaues Bild darüber, wieviele Personen zu einem bestimmten Zeitpunkt das Fernsehen vor anderen Beschäftigungen (Arbeit, Sport, Freunde treffen, schlafen usw.) bevorzugt haben. Die Einschaltquoten sagen uns relativ zuverlässig, wieviel Prozent der Zuschauer eine bestimmte Sendung zu einem bestimmten Zeitpunkt vor allen anderen gleichzeitig laufenden Sendungen bevorzugt haben (siehe quotenmeter.de, hier eine Broschüre der GFK, die beschreibt, wie Einschaltquoten errechnet werden).

Wollen wir zunächst nur den Nutzen des Fernsehens insgesamt berechnen, so interessieren uns zunächst nur die absoluten Zuschauerzahlen. Die Statistiken sind beeindruckend: 95,3% der deutschen Haushalte verfügten 2006 über einen Fernseher. Der deutsche Durchschnittszuschauer ab 3 Jahren schaute 2007 laut AGF am Tag durchschnittlich ganze 208 Minuten fern, also fast vier Stunden und hält sich sogar 299 Minuten täglich vor dem laufenden Fernseher auf (für 2007 siehe auch Mitteilung von ip-deutschland). Fernsehen ist damit nicht nur das meistgenutzte Medium, sondern zugleich die beliebteste Freizeitbeschäftigung in Deutschland (Siehe Bundesamt für Statistik: ‘Wo bleibt die Zeit’ und Datenreport 2006, Mediennutzung). Das heißt: Für nichts opfern die Deutschen ihre Freizeit lieber, als fürs Fernsehen.

“4 Stunden am Tag. So lange sieht der Mitteleuropäer im Durchschnitt täglich fern.
Als ich diese Zahl eines Morgens in der Zeitung las, konnte ich es erst nicht glauben. Das konnte einfach nicht stimmen. Rechnen wir mal 8 Stunden für Schlafen, 8 Stunden für Arbeiten, 1 Stunde für den Weg von und zur Arbeit, 1 Stunde für Nahrungsaufnahme und -abgabe, 1 Stunde für die elementare Körperpflege. Es verbleiben: 5 Stunden. Moment mal: Das würde ja bedeuten, der Mitteleuropäer verbringt 80% seiner Freizeit vor dem TV-Gerät. Das bedeutet: 1 Stunde am Tag zum Leben.”
Hans Weingartner

Zusätzlich lässt sich berechnen, wieviel Geld die Deutschen fürs Fernsehen ausgeben (Präferenz Fernsehen statt x Euro). Beginnen wir mit den Gebühren der GEZ: Insgesamt kommt man hier auf ca. 7 Milliarden jährlich, die die Deutschen für die öffentlich-rechtlichen Medien ausgeben. Hinzu kommen noch die Kosten für das Kabelfernsehen. Verteilt auf alle TV-Haushalte ergibt das 204,36 € jährlich. Zählen wir die Werbeeinahmen als die indirekte Bezahlung der Zuschauer für ihren Fernsehkonsum, so ist den Deutschen das Fernsehen zusätzlich noch einmal ca. 8 Milliarden jährlich wert ( brutto in 2006 laut Wikipedia, Daten von der ZAW, netto ca. 4 Milliarden siehe ZAW), das sind noch einmal ca. 100€ pro Kopf oder 0,36% des BSP. Hinzu kommen außerdem noch die Kosten für Fernsehgeräte.

Gleichgültig wie die Nutzenrechnung im Detail also aussehen wird: Folgen wir dem Präferenz-Utilitarismus in seiner einfachsten Form, so wird es, weil das Fernsehen die beliebteste Freizeitbeschäftigung ist, auch keine andere Freizeitbeschäftigung geben, die mehr zum Gesamtnutzen unserer Gesellschaft beiträgt als das Fernsehen. Das Fernsehen scheint seine Sache eigentlich ziemlich gut zu machen. Tun wir ihm also nicht unrecht, wenn wir uns über seine Qualität beschweren?

Das Fernsehen, das wir verdient haben

Diese These ist nicht so absurd, wie es zunächst erscheinen mag. Denn es gibt — so traurig das ist — in Wahrheit genügend Menschen, die aufgrund ihres Alters, ihrer Krankheit, ihrer wirtschaftlichen und sozialen Situation nicht viel andere und nicht viel bessere Optionen haben, als den ganzen Tag fern zu sehen. Das macht auch die Statistik deutlich: Laut einer Datenauswertung der GfK, die der Focus 2005 in Auftrag gab, sehen Arme und Alte länger Fernsehen, als Junge und Reiche. Das zeigt sich auch am Durchschnittskonsum der Bundesländer: Im reichen Bayern liegt er bei 178 Minuten, während er im armen Sachsen-Anhalt 278 Minuten erreicht. Vielleicht spiegelt der Durchschnittswert also wirklich den Nutzen des Fernsehens wieder: Er zeigt uns, dass es vielen Menschen so schlecht geht, dass sie nichts besseres zu tun haben, als fern zu sehen. Das Problem wäre dann nicht das Fernsehen, das Problem wäre diese Alternativlosigkeit im Leben vieler Menschen. Die Nutzenrechnung wäre zwar schockierend aber durchaus korrekt.

Dass uns selbst viele Sendungen überhaupt nicht gefallen ist allein kein Grund, dieses Ergebnis in Frage zu stellen. In einer pluralistischen Gesellschaft wird es immer Sendeformate geben, die Mitgliedern einer Bevölkerungsgruppe gefallen und Mitglieder einer anderen Bevölkerungsgruppe abstoßen (Volksmusiksendungen/Casting-Shows und Rentner/Jugendliche z.B.). Die Super-Nanny ist ein gutes Beispiel: Was Bildungsbürgern als zynische Zurschaustellung prekärer Familiensituationen erscheinen mag, vermittelt Eltern, die ähnliche Probleme haben, vielleicht Ratschläge auf eine für sie angemessene Weise (zur wissenschaftlichen Diskussion siehe hier, hier, hier und hier).

Es ist doch eigentlich zutiefst demokratisch und gerecht, wenn jede Bevölkerungsgruppe einen ihrem Bevölkerungsanteil angemessenen Platz im Fernsehen eingeräumt bekommt. Solange die unsichtbare Hand eines perfekten Marktes die Zuschauerzahlen maximiert, ist das Fernsehen einfach nur ein getreuer Spiegel unserer Gesellschaft. Haben wir also nicht in Wirklichkeit bereits das bestmögliche Fernsehen mit dem größtmöglichen Nutzen? Haben wir nicht ganz einfach das Fernsehen, das wir uns verdient haben?