Der Streit der Philosophen — Kommentar zu Löw, Bierhoff und Völler
19. November 2007Christian Voigt
Nirgends in unserer Gesellschaft erfährt die Philosophie eine so hohe Wertschätzung wie im Fussball. Geradezu rühren, wenn nicht begeistern, muss einen die Leidenschaft, mit der deutsche Fussballtrainer über die richtige Philosophie zum Spiel streiten. Herr Löws und Herr Bierhoffs Ruf nach einem sokratischen Dialog am runden Tisch des DFB kommt keinen Moment zu spät, hatte doch schon der Kaiser vor ungefähr einem Jahr seine Ignoranz beklagt: “Ich habe fast alle Philosophen gelesen, von Sokrates, Platon, Hegel, Kant bis zu Konfuzius. Leider ist das verloren gegangen durch den Fußball, ich weiß fast nichts mehr.”
Die Empörung, die die aktuelle Forderung nach einer philosophischen Bildungsoffensive unter deutschen Trainern hervorgerufen hat, lässt nur den Schluss zu, hier sei das Fussballerherz zutiefst in seinem Selbstverständnis getroffen und gekränkt worden.
Ein Mangel an Philosophie? Rudi Völler bekam ob dieses elitären Vorwurfs vor Wut Magenkrämpfe: „Mit Spielern, die Klubs wie Köln, Bayern München, Stuttgart, Bremen oder Bayer Leverkusen ausgebildet haben, kannst du diese Philosophie umsetzen. Die Philosophie für den Spieler Oliver Bierhoff, die musste noch erfunden werden. Brasilianische Spielweise einfordern mit Füßen aus Malta, das geht eben nicht.“
Philosophieren, das wird hier klar, lässt sich nur mit den richtigen Füßen, den richtigen Armen und Beinen. Und noch viel wichtiger: Wirklich “Philosophie umgesetzt” hat am Ende nur, wer auch gewinnt.

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