Ist Osama ein Fascho? — Ein Beitrag zur “Islamo-Fascism Awareness Week”

24. Oktober 2007
Christian Voigt

Osamadolf

Im Normalfall benutzen wir Begriffe genauso naiv, wie wir Fotos benutzen: Wir fragen uns nicht, ob sie die Wirklichkeit “verfälschen”, sondern wir gehen davon aus, dass sie die Wirklichkeit wahrheitsgetreu abbilden. Dabei kann man mit einer falschen Bezeichnung einer Sache genauso unrecht tun, wie mit einer Fotomontage einer Person.

Wenn die Welt unseren fanatischen faschistischen Vorfahren überhaupt etwas zu verdanken hat, dann sind es weder ihre Autobahnen, noch ihre zweifelhaften Ansichten zur Familienpolitik, nein, dann sind es vielmehr die reichen und weltweit genutzten
Möglichkeiten sie als kompromittierenden Hintergrund für eine solche Begriffsmontage zu benutzen. Weltweit verbreitet ist z.B. der einfache Trick, eine verhasste Person an die Stelle von Hitler hineinzumontieren, um auf diese Weise den wahren Charakter dieser Person bloßzustellen. Anders als in der Fotomontage, braucht man in der Sprache dazu keinerlei künstlerische Fähigkeiten. Es reicht ein einfaches Gleichheitszeichen.


Zur Geschichte des Begriffs “Islamofaschismus”

“Islamofaschismus” oder “Islamfaschismus” ist die momentan wohl erfolgreichste derartige Wortmontage. Mit ihr montiert man keine Person in unsere düstere deutsche Vergangenheit hinein, sondern gleich eine ganze Ideologie. Der Begriff und die Analogie, die dahinter steht, sind keineswegs neu. Der Begriff wurde wohl zum ersten Mal 1978 in bezug auf die iranische Revolution verwendet und wurde auch in den 90ern an der ein oder anderen Stelle verwendet. Die eigentliche Karriere des Begriffs begann aber nach dem 11. September im “war against terror”, der von Bushs Strategen nach den ersten Mißerfolgen — propagandistisch klug — bald in “the long war” umbenannt wurde. “But more important than the name of the war - at least to the people fighting and supporting it - is the name of the enemy “, wie William Safire in einem Abriß zur Geschichte des Begriffs in seiner Kolumne “On language” schreibt.

Die Terrorbekämpfer brauchten also einen Namen für ihren Feind. Der Islam? Das war zu allgemein. Al Quaeda? Das war zu speziell. Bush selbst war lange auf der Suche: “Some call this evil Islamic radicalism; others, militant jihadism; still others, Islamofascism. Whatever it’s called, this ideology is very different from the religion of Islam.” Am Ende machte Islamofaschismus das Rennen. Der Begriff bewährte sich derart, dass er es mehrfach bis in die Reden des Präsidenten hinein schaffte. Auch in der Deutschland erfreute sich der Begriff zunehmender Beliebtheit.

Diese Woche macht der Begriff einen neuen Karrieresprung, zu deren Feier der Sprechblasenblog diesem Begriff einen ganzen Artikel widmet: Es ist “Islamo-Fascism Awareness Week“! Dabei handelt es sich keinesfalls um eine neue McDonalds-Aktion, sondern um “the biggest conservative campus protest ever”, wie seine ultrakonservativen Veranstalter behaupten. “The purpose of this protest is as simple as it is crucial: to confront the two Big Lies of the political left: that George Bush created the war on terror and that Global Warming is a greater danger to Americans than the terrorist threat.” Über diese Kampagne machen sich schon andere lustig, deshalb widmen wir uns hier lieber mal der Frage: Was hat es mit diesem Begriff, der derart Furore macht, eigentlich auf sich? Haben wir es hier einfach nur mit einer amateurhaften Begriffsmontage zu tun, die man bei genauerem Hinsehen sofort als solche erkennt?


Die Diskussion um den Begriff

Um den Begriff ist schon seit einiger Zeit eine lebhafte und durchaus komplexe Diskussion in den USA entbrannt. Die Kritiker halten ihn entweder für historisch falsch oder für islamfeindlich. Der Historiker Niall Ferguson brachte das Unbehagen mit diesem Begriff und seiner ideologischen Funktion 2006 in einem Interview auf den Punkt:

“(W)hat we see at the moment is an attempt to interpret our present predicament in a rather caricatured World War II idiom. I mean, “Islamofascism” illustrates the point well, because it’s a completely misleading concept. In fact, there’s virtually no overlap between the ideology of al Qaeda and fascism. It’s just a way of making us feel that we’re the “greatest generation” fighting another World War, like the war our fathers and grandfathers fought. You’re translating a crisis symbolized by 9/11 into a sort of pseudo World War II. So, 9/11 becomes Pearl Harbor and then you go after the bad guys who are the fascists, and if you don’t support us, then you must be an appeaser.” (was mich übrigens an eine ähnliche an den Haaren herbeigezogene Identifikation erinnert)

Die Befürworter verteidigen dagegen den Begriff, weil sie glauben, dass er das eigentliche Wesen der islamistischen Ideologie (nicht des Islams) ausdrücke. Der Begriff sei gerade deswegen nützlich, weil er eine Verharmlosung oder sogar teilweise Rechtfertigung dieser Ideologie unmöglich mache. Die Analogie mit dem 2. Weltkrieg ist deswegen für sie nicht an den Haaren herbeigezogen, sondern berechtigt: Wer den Islamismus nicht für die Bedrohung unseres Jahrhunderts hält, der ist genauso naiv wie Chamberlain.

Stephen Schwartz, Executive Director of the Center for Islamic Pluralism, war der erste, der den Begriff nach dem 11. September verwendete. In seiner Verteidigung dieses Begriffes betont er, dass er ihn als wissenschaftlichen, nicht als propagandistischen Begriff verstanden wissen möchte:

“Political typologies should make distinctions, rather than confusing them, and Islamofascism is neither a loose nor an improvised concept. It should be employed sparingly and precisely. The indicated movements should be treated as Islamofascist, first, because of their congruence with the defining characteristics of classic fascism, especially in its most historically-significant form — German National Socialism.”

Schwartz rechtfertigt die Gleichsetzung folgendermaßen (erstaunlicherweise fehlt hier der Antisemitismus, die offensichtlichste Parallele):

  • Anhänger beider Ideologien sind bereit “to defy public civility and openly violate the law”, beide Ideologien sind “revolutionär”
  • Die Anhänger beider Ideologien kommen vorrangig aus mittleren Gesellschaftsschichten
  • Beide Ideologien verfolgen imperialistische Ziele
  • Beide sind “totalitaristisch” (was mit “fundamentalistisch” gleichgesetzt wird)
  • Beide sind paramilitärisch
  • Beide unterscheiden sich in diesen Merkmalen wesentlich von nur “authoritären” oder “reaktionären” Diktaturen

Sicherlich der prominenteste Verteidiger dieses Begriffs ist aber Christopher Hitchens, dessen Meinung gerade auch deswegen interessant ist, weil er sich politisch nicht eindeutig zuordnen lässt. Anläßlich der erneuten Diskussion um den Begriff aufgrund der Islamofaschismuswoche sah sich Hitchens genötigt, seine Gründe für die Verwendung des Begriffs noch einmal in “Slate” darzulegen. Hitchens fasst seine Gründe in einem Absatz zusammen, der hier der Übersichtlichkeit halber als Liste dargestellt wird:

  • Both movements are based on a cult of murderous violence that exalts death and destruction and despises the life of the mind. (”Death to the intellect! Long live death!” as Gen. Francisco Franco’s sidekick Gonzalo Queipo de Llano so pithily phrased it.)
  • Both are hostile to modernity (except when it comes to the pursuit of weapons), and
  • both are bitterly nostalgic for past empires and lost glories.
  • Both are obsessed with real and imagined “humiliations” and thirsty for revenge.
  • Both are chronically infected with the toxin of anti-Jewish paranoia (interestingly, also, with its milder cousin, anti-Freemason paranoia).
  • Both are inclined to leader worship and to the exclusive stress on the power of one great book.
  • Both have a strong commitment to sexual repression—especially to the repression of any sexual “deviance”—and to its counterparts the subordination of the female and contempt for the feminine.
  • Both despise art and literature as symptoms of degeneracy and decadence;
  • both burn books and destroy museums and treasures.

Zwei Einwände gesteht Hitchens zunächst zu, um sie dann zu widerlegen: Faschismus basiert erstens auf Nationalismus und zweitens auf Rassismus. Beides lässt sich in dieser Form nicht im Islamismus finden. Allerdings:

  • Das islamistische Kalifat lässt sich durchaus mit den faschistischen Träumen eines Großdeutschlands vergleichen
  • Die strengen Unterscheidungen zwischen reinem und richtigen Glauben und Ungläubigen und die von Al Quaeda unterstützten Völkermorde erinnern durchaus an Rassismus

Hitchens schließt daraus: “This makes it permissible, it seems to me, to mention the two phenomena in the same breath and to suggest that they constitute comparable threats to civilization and civilized values.”


Warum über die falschen Fragen diskutiert wird und was man stattdessen diskutieren sollte

Damit schwächt er die umstrittene These allerdings so ab, dass man fast schon von einem Strohmann reden könnte (natürlich ist auch diese These durchaus noch anfechtbar).

Denn “Islamismus = Faschismus” ist durchaus eine andere Art der Montage als “Bush = Hitler” oder als “Konzentrationslager = Gulag”. Ideologien sind — anders als Personen, die diese Ideologien verbreiten, oder Institutionen, die durch diese Ideologien legitimiert werden — nicht sterblich oder vergänglich. Sie sind in gewissem Sinne zeitlos. Mit der Aussage “Bush = Hitler” wird nicht behauptet, dass Hitler in der Gestalt von Bush wiedergeboren wurde. Das Gleichheitszeichen bedeutet hier nicht Identität, sondern symbolisiert nur die Vergleichbarkeit in Hinsicht auf bestimmte Eigenschaften. Die Aussage “Islamismus = Faschismus” können wir dagegen durchaus ohne Probleme als eine solche Identitätsbehauptung verstehen, als die Behauptung, dass dieselbe Ideologie an anderem Ort, zu anderer Zeit und in anderen Köpfen wiedergeboren wurde. Die Behauptung, dass heute manche Leute im Iran oder in Pakistan im Prinzip dasselbe denken, wie Leute vor 60 Jahren in Deutschland, ist keine Aussage, die wir von vornherein als lächerlich und sinnlos abtun können.

Deswegen müssen die Verteidiger des Begriffs nicht nur die These verteidigen, dass Islamismus und Faschismus in ihren Gefahren vergleichbar seien. Dass man “Islamismus” und “Faschismus” “in einem Atemzug nennen” darf, heißt noch lange nicht, dass man auch “Islamofaschismus” sagen darf. Denn damit behauptet man implizit, dass der Islamismus nur eine bestimmte Unterart des Faschismus sei, so wie der deutsche und der italienische Faschismus Unterarten des Faschismus sind.

Reichen die von Schwartz und Hitchens genannten Gründe für die Rechtfertigung dieser stärkeren These aus? Zwei Dinge müssten gegeben sein, damit wir diese Frage klar und eindeutig entscheiden können. Es müsste erstens eine klare Definition für die Ideologie “Faschismus” geben und zweitens müssten klare Bedingungen gegeben sein, wann eine Ideologie mit einer anderen Ideologie identisch ist oder zumindest wann sie eine Unterart der anderen Ideologie ist. Solange Hitchens und Schwartz keine Antworten auf diese Fragen geben, können sie nicht beanspruchen, ihre These verteidigt zu haben (das gleiche gilt aber auch für ihre Gegner).

Beide Bedingungen sind nur schwer zu erfüllen. Eine klare Definition der faschistischen Ideologie kann nicht darin bestehen, historische Ursachen und Auswirkungen dieser Ideologie aufzuzählen (untere Mittelklasse, paramilitärisch, usw.). Eine solche Definition muss gerade von den historischen Kontexten abstrahieren und sagen, welche Struktur das Denken und Reden von Menschen haben muss, damit man es als faschistisch bezeichnen darf. Herkunft, Erziehung, wirtschaftliche Situation der betreffenden Personen muss dafür vollkommen irrelevant sein. Es zählt nur das, was sie glauben und behaupten, es zählt die logisch-semantische Struktur ihrer Äußerungen.

Was die zweite Bedingung angeht: Wie sollte es hier klare Regeln geben können? Sollen wir Fidel Castro noch als Kommunisten bezeichnen, obwohl er kapitalistische joint ventures zulässt? Sollen wir Gerhard Schröder trotz der Agenda 2010 noch als Sozialdemokraten bezeichnen? Irgendwie sicher schon. Irgendwie anders sicherlich nicht. Es kommt drauf an, wie man es betrachtet. Mehr lässt sich zu solchen Fragen sicherlich nicht sagen.

Angenommen wir legen uns auf folgende Aussagen fest:

  • Der ideologische Kern des Faschismus besteht aus einem nationalen Antisemitismus
  • Eine Ideologie ist mit der anderen identisch, wenn sie im Kern strukturgleich ist
  • Sowohl für den faschistischen Nationalismus, als auch für den faschistischen Antisemitismus, als auch für ihre charakteristische faschistische Kombination gibt es strukturgleiche Entsprechungen im Islamismus

dann, ja dann sind wir dazu berechtigt “Islamofaschismus” zu sagen. Wenn wir an einer dieser drei Thesen aber Zweifel haben, sollten wir es lieber bleiben lassen so zu reden.

Lassen sich diese Fragen eindeutig klären? Wohl kaum, auch wenn wir noch so gute Historiker und noch so geistreiche Intellektuelle fragen. Stattdessen muss man sich damit abfinden, dass es hier einen sprachlichen Spielraum gibt, in dem sich das “richtig” und “falsch” nicht einfach durch eine Überprüfung der Fakten klären lässt. Wo es so einen Spielraum gibt, sollten wir die Entscheidung stattdessen anhand eines ganz anderen Maßstabes treffen: Wir sollten nicht fragen, ob es wahr sei, dass der Islamismus ein Faschismus und Osama ein Fascho sei, wir sollten viel eher fragen, was daraus eigentlich folgen würde.

Wenn sich hier nun zeigt, dass dieser Begriff ausschließlich dazu genutzt wird, um den “war against terror” zu verteidigen, dann müssen wir darüber streiten, ob der “war against terror” gerechtfertigt ist. Ist er das nicht, dann ist der Islamismus auch kein Islamofaschismus (logisch gesehen wenden wir einfach einen modus tollens an). Ist er das, dann spricht nichts dagegen vom “Islamofaschismus” zu reden (allerdings auch noch nichts dafür). So einfach ist das.

Intellektuelle Verfechter des Begriffs wie Hitchens und Schwartz lenken von dieser Frage ab, indem sie den Anschein erwecken, es gäbe klare Anwendungsbedingungen für den Begriff. Man sollte auf diese intellektuellen Ablenkungsmanöver nicht hereinfallen. Ob Osama ein Fascho ist hängt allein davon ab, welche theoretischen und praktischen Konsequenzen das für uns hätte und ob wir diese Konsequenzen akzeptieren wollen. Es ist keine Frage der historischen Wahrheit.

Einige Artikel zum Thema in keiner besonderen Reihenfolge

13 Kommentare zu “Ist Osama ein Fascho? — Ein Beitrag zur “Islamo-Fascism Awareness Week””

  1. mh 27. Oktober 2007 (11:50 Uhr)

    Du schreibst:

    “Ob Osama ein Fascho ist hängt allein davon ab, welche theoretischen und praktischen Konsequenzen das für uns hätte und ob wir diese Konsequenzen akzeptieren wollen. Es ist keine Frage der historischen Wahrheit.”

    Aus Deinen Ausführungen ist absolut nicht ersichtlich, warum das folgen sollte. War Hitler ein Nationalsozialist? Und Goebbels? War Franco ein Faschist? Um konsequent zu sein, müsstest Du auch hier sagen, dass das keine Frage “der historsichen Wahrheit” sei. Und damit bietest Du eine Steilvorlage für eine Reductio.

  2. Christian Voigt 27. Oktober 2007 (12:35 Uhr)

    Erstmal vielen dank, dass du dich du diesen viel zu langen artikel durchgekämpft hast!

    1.) Zu deinem mich zur Präzisierung zwingendem Einwand: Ich glaube nicht, dass diese Reductio erfolgversprechend ist. Denn es ist ja keine Entweder-Oder-Entscheidung, ob etwas eine Frage der historischen Wahrheit ist.

    Meine These lautet nur: Speziell bei der Behauptung, dass der Islamismus ein Faschismus sei, ist die Ungewißheit derart groß, dass wir das nicht mithilfe der Geschichtswissenschaften entscheiden können. Das kann man natürlich bestreiten. Ich wollte nur darauf aufmerksam machen, dass man sich dann auf mehr Thesen (und insbesondere nicht nur historische) einlässt, als z.B. Hitchens zu denken scheint.

    Wenn man sich nochmal die drei von mir angeführten Thesen anschaut, dann sind die für Hitler, Goebbels und Franco eben ziemlich unproblematisch, für Osama dagegen nicht. Was nicht heißt, dass sie für Osama falsch sein müssen, sondern nur, dass unklar ist, wie wir das herausfinden sollten.

    Allerdings stimmt es, dass sich eine derartige Argumentation sicherlich auf viele andere Fälle (und nicht nur in bezug auf den Faschismus) übertragen lässt.

    2.) Wenn du nochmal in den Text schaust, wirst du sehen, dass ich darauf hinweise, dass der islamistische Antisemitismus sicherlich das überzeugendste Argument für die “Islamismus = Faschismus”-These ist.

    Bitte mißverstehe meinen Artikel nicht so, als ob ich den Islamismus verharmlosen möchte. Auch wenn der Islamismus kein Faschismus ist, kann es sehr gut sein, dass er genauso gefährlich ist. Das ist aber eine andere Frage.

    Antisemitismus ist nicht automatisch Faschismus. Vielmehr hatte der Antisemitismus im Faschismus eine ganz spezifische Ausprägung und Funktion, die sich nicht unabhängig vom faschistischen Nationalismus verstehen lässt.

    Ein sehr gutes Buch zu dieser Konstellation ist meiner Meinung nach übrigens “Nationaler Antisemitismus” von Klaus Holz, der genau das macht was ich im Artikel fordere: Er versucht eine vom historischen Kontext unabhängige Definition dieser Ideologie zu finden, mithilfe der er unterschiedlichste Texte auf “nationalen Antisemitismus” hin überprüft. Wer die “Islamismus = Faschismus”-These vertritt, von dem erwarte ich eine Analyse auf diesem Niveau.

  3. mh 27. Oktober 2007 (13:50 Uhr)

    Danke für die Antwort. Allerdings stellt sie mich nicht ganz zufrieden.

    1.) Ich bin mir nicht sicher, ob Du Dich auf die Falschheit des tertium non datur festlegen willst. Ich würde das ungern. Dann gilt aber: entweder es ist eine Frage der historischen Wahrheit, ob p, oder es ist nicht eine Frage der historischen Wahrheit, ob p. Also ist es eine Entweder-Oder-Frage, ob etwas eine Frage der historischen Wahrheit ist. Dies gilt ganz allgemein, und unabhängig davon, was genau Du mit “historische Wahrheit” meinst.

    2.) Allerdings wird mir zunehmend unklar, was Du mit “historischer Wahrheit” überhaupt meinst. Dazu vielleicht später einmal mehr.

    3.) Zu Deinem “modus tollens” im vorletztem Absatz; Ich paraphrasiere das Argument mal wie folgt:

    (i) Dass der Islamismus faschistisch ist, wird nur behauptet, um den Krieg zu rechtfertigen.
    (ii) Der Krieg ist nicht gerechtfertigt.
    Also:
    (iii) Der Islamismus ist nicht faschistisch.

    Wäre das ein modus tollen, so wäre es ein schlüssiges Argument. Allerdings handelt es sich hierbei zunächst gar nicht um einen modus tollens, da die erste Prämisse überhaupt kein Konditional ist (und auch nicht mit einem Konditional äquvalent). MTT lässt sich aber nur auf Konditionale anwenden. Ferner ist nicht zu sehen, dass es sich überhaupt um ein schlüssiges Argument handelt; warum sollte die (angenommene) Wahrheit der Prämissen die Wahrheit der Konklusion verbürgen? Absolut vorstellbar, dass Leute etwas wahres behaupten, nur um etwas falsches zu rechtfertigen. (Dass sie einen Begriff “nur benutzen”, um etwas ungerechtfertigtes zu rechtfertigen.)

  4. Christian Voigt 27. Oktober 2007 (14:36 Uhr)

    Zu 1):
    Ob wir eine zweiwertige oder mehrwertige Logik bevorzugen, können wir auch gerne mal diskutieren, ist hier aber glaube ich nicht relevant.

    Warum? Mit der Aussage “Ob etwas eine geschichtswissenschaftliche Frage ist, ist keine Entweder-Oder-Entscheidung” lege ich mich keinesfalls schon auf eine mehrwertige Logik fest. Das heißt doch nichts anderes als: “Die Frage ‘Ist x eine geschichtswissenschaftliche Frage’ sollte eigentlich lauten ‘Inwieweit ist x eine geschichtswissenschaftliche Frage’”. Darauf kann man nicht mit “ja” oder “nein” antworten, sondern mit “Teilweise”, “Weitgehend”, “nur zu geringem Ausmaß” usw. All diese Antworten können dann wieder ohne Problem in einer zweiwertigen Logik rekonstruiert werden, d.h. sie sind entweder wahr oder falsch.

    Zu 2) Was ist hier unklar? Lass Wahrheit weg und ersetze stattdessen: “Forschung”

    Zu 3) Die Argumentation hat meiner Meinung nach folgende Struktur (vielleicht hätte ich das gleich hinschreiben sollen):

    1. Geschichtswissenschaftliche Aussage: Zwischen Islamismus und Faschismus existieren die von Hitchens beschriebenen Parallelen.
    2. Problematische Annahme, die keine geschichtswissenschaftliche Annahme ist: Wenn diese Parallelen gelten, dann ist der Islamismus ein Faschismus
    3. Der Islamismus ist ein Faschismus
    4. Wenn der Islamismus ein Faschismus ist, dann sollten wir folgende Maßnahmen ergreifen: Auflistung der Maßnahmen
    5. Wir sollten folgende Maßnahmen ergreifen: Auflistung der Maßnahmen.

    Wenn sich nun herausstellen sollte, dass der Schluss auf die “Islamismus = Faschismus”-These problematisch ist und dass wir die geforderten Maßnahmen ablehnen, dann können wir einfach folgendermaßen schließen:

    1. Wenn der Islamismus ein Faschismus ist, dann sollten wir folgende Maßnahmen ergreifen: Auflistung der Maßnahmen
    2. Wir sollten diese Maßnahmen nicht ergreifen.
    3. Der Islamismus ist kein Faschismus

    Um gleich vorzubeugen: Ich argumentiere nicht so. Ganz im Gegenteil, ich fände es z.B. fatal, wenn die USA nach den nächsten Wahlen in kürzester Zeit aus dem Irak zurückziehen würden. Mir geht es hier nur darum zu zeigen, dass die “Islamismus = Faschismus”-These kein gutes Argument für diese Maßnahmen liefert.

  5. Christian Voigt 27. Oktober 2007 (14:46 Uhr)

    tut mir leid, habe gerade etwas probleme mit dem css, die argumente werden nicht richtig dargestellt. bin dabei das zu ändern. Update: So, das Problem sollte jetzt behoben sein.

  6. Claudia 6. November 2007 (22:57 Uhr)

    Hallo Christian,

    natürlich ist Islamfaschismus ein Kampfbegriff, auch wenn er einiges Bedenkenswertes zu Tage fördert. Meiner bescheidenen Meinung nach wäre es ehrlicher den Stier bei den Hörnern zu packen. Der Konflikt wird mit dem Islam ausgetragen und nicht mit irgendeiner Unterform oder Pervertierung davon. Aber das ist natürlich zu hart und das zu sagen, trauen sich nur wenige.

    Hier nachzulesen: http://www.atimes.com/atimes/Front_Page/IK06Aa01.html

    oder hier:
    http://www.atimes.com/atimes/Front_Page/HI19Aa02.html

    Ob es wenigstens politisch klug ist, zwischen Islam, Islamismus und Islamfaschismus zu unterscheiden muss ich Gott sei Dank nicht entscheiden.

  7. Christian Voigt 7. November 2007 (14:08 Uhr)

    Wenn ich dich richtig verstehe lautet deine These so: Der Westen müsse den Islam als Ganzes bekämpfen, weil der Islamismus kein Auswuchs des Islam sei, sondern Ausdruck seines innersten Wesens.

    Diese These erscheint mir gelinde gesagt höchst unplausibel. Ja, noch mehr: Sie ist mir höchst unangenehm. Denn wären Religionen in der Tat derart monolithisch unzerteilbar, wäre ich — ob ich es will oder nicht — auf Gedeih und Verderb im selben Boot mit Leuten, die jahrhundertelang für einen Mann namens Jesus massenweise Juden, Araber und indigene Völker rund um die Welt auf grausame Weise gequält, erniedrigt und abgeschlachtet haben. Ich wäre, obwohl ich selbst überhaupt nicht an den ganzen Kram glaube, nicht besser als der hinterletzte Kreuzfahrer, dem es zuhause zu langweilig wurde und der deswegen loszog um mal ein bisschen “action” zu sehen. Ich wäre auf einmal dazu gezwungen meine neuen Freunde, die glauben, dass die Erde erst 6000 Jahre alt sei, dass die Apokalypse bereits begonnen habe oder dass Jesus zwischendurch mal Urlaub in Utah gemacht habe, ich wäre gezwungen all diese Leute gegen Kritik zu verteidigen. Zwar glaube ich eigentlich gar nicht an die heilige Dreifaltigkeit, aber christliche Werte, nun ja, die hat man nunmal, die wird man nicht so einfach los. Und da all diese Leute, all die Mörder, Heuchler, Antisemiten sich zu den Christen zählten und ihre Taten ja keine Auswüchse des Christentums sein können, wenn Religionen wirklich monolithisch unzerteilbar sind, bin ich wohl in der Tat in deinen Augen, wie Osama sagen würde ein “Kreuzfahrer”, den man aus moralischen Gründen mit allen Mitteln bekämpfen muss.

    “Because Benedict is the leader not only of the Catholics but - by default - of the West”, beginnt dein “Spengler” einen seiner Artikel. Mir war bisher noch nicht bewußt, dass “der Westen” “by default” einen Führer hat. Gut zu wissen. Aber mal ehrlich: Der wilde Westen von dem hier geredet wird, ist kein Land in dem ich wohnen möchte. Zum Glück ist dieses Abendland, wenn man dem Original-Spengler Glauben schenken darf, schon längst untergegangen. Meinetwegen kann also der Papst gerne “by default” Führer davon bleiben. Wenns nach mir geht kann er auch gerne noch Atlantis und das “Land of Oz” dazu bekommen.

  8. Claudia 7. November 2007 (17:53 Uhr)

    Ach, Christian. Bitte nicht gleich in Ohnmacht fallen wegen “Spengler”.

    Nur weil der Islam eine möglicherweise grundüble Botschaft hat, werden deswegen ja nicht gleich alle Religionen zu monolithischen Blöcken.
    Ich nehme mal an, dass Du Dich inhaltlich noch nicht besonders intensiv mit dem Islam beschäftigt hast, sonst kämen Dir die Schlussfolgerungen in den verlinkten Artikeln zwar noch unangenehm vor, aber nicht mehr so unplausibel.

    Eine Analyse der Lehre, so sehr sie historisch schwankend gewesen sein mag - was sich bei den Offenbarungsreligionen aber trotzdem in nachverfolgbaren Grenzen hielt - nimmt ja deswegen keine Sippenhaft der gläubigen oder weniger gläubigen Individuen vor. Deine emotionale Überreaktion ist mir jedenfalls unerklärlich, Spengler bezieht sich ja nicht einmal auf die Taten oder Anschläge der Muslime, sondern auf die spirituellen Grundlagen des Islam. Und da gibts eben einen scharfen Unterschied zum Jesus der Bergpredigt oder auch zu den 10 Geboten.
    Deine Aufzählung der Greuel des Christentums scheint mir auch mehr von antichristlichem Ressentiment als Wissen geprägt, auch wenn ich Katastrophen, wie die Inquisition oder die Hexenverbrennung mit einbeziehe. Erkundige die mal wem die Rolle des Aggressors in den Kreuzzügen zukommt. Dass indigene Völker explizit im Namen Jesus abgeschlachtet wurden, wäre mir auch neu. Aber das müssen wir hier ja nicht ausdiskutieren.

    Ach ja, meine These ist nicht die, dass der Westen den Islam als Ganzes bekämpfen müsse, nicht außerhalb demokratischer Gebiete jedenfalls. Leute die unter der Scharia leben wollen, können das von mir aus, so bedauerlich ich das auch finde, gerne tun. Aber dass sich der Westen darauf einstellen sollte, dass sich die islamische (keineswegs islamistische) Scharia eben nicht so in Luft auflösen wird, ebenso wenig wie das unkritische Verhältnis zur Gewalt im Islam, die Frauenunterdrückung, die Zweiteilung in Gläubige (Reine) und Ungläubige (Unreine) usw. und so fort. Und warum das so ist, dafür bietet dieser Spengler eben überraschende, m. M. von tiefem Einblick zeugende Analysen, die man darüber hinaus ja nicht in jedem Punkt teilen muss, daher wollte ich das mal kurz verlinken.

  9. Christian Voigt 7. November 2007 (19:24 Uhr)

    Danke für Deine klärende und besonnene Antwort ;)

    Vorneweg: Ich bin übrigens durchaus der Meinung, dass man die Scharia überall bekämpfen sollte und dass es einem nicht egal sein sollte, wie Leute anderswo leben. Man sollte bloß die Scharia nicht mit “dem Islam” gleichsetzen. Ich bin ebenfalls der Meinung, dass man viele Muslime, die keine Islamisten sind, für ihre Meinungen kritisieren sollte (genauso wie viele ganz normale Christen oder Atheisten).

    Nun zur Sache: Deine Aussage, man müsse “den Islam” bekämpfen, heißt doch zumindest, dass man ALLE Muslime hier in Deutschland für ihre religiösen Überzeugungen kritisieren sollte. Und zwar unbesehen, was diese Überzeugungen nun sind, denn es reicht ja aus, dass sie sich irgendwie zum Islam zählen, nicht wahr?

    Falls du das gar nicht so meinst, dann sehe ich nicht den Sinn darin, von “dem Islam” zu reden. Denn das erzeugt schließlich nur Mißverständnisse und unnötige Polemiken, wie du ja gerade gemerkt hast.

    Wenn du jetzt mit “dem Islam” den Wortlaut des Korans und viele seiner bisherigen Auslegungstraditionen verstehst, dann wird die These sicherlich weniger provokant, solange du nicht darauf beharrst, dass der Islam zu allen Zeiten kämpferisch und intolerant war (denn das ist falsch). Wenn du das so meinst, warum redest du dann von “dem Islam”? Doch wohl nur, weil du dann daraus mehr folgern kannst, als wenn du nur bestimmte Auslegungstraditionen erwähnst.

    Vielleicht meinst du das also doch allgemeiner. Vielleicht meinst du, dass es unmöglich sei, den Koran auf friedliebende Weise auszulegen. Daraus würde allerdings wieder mehr folgen.

    Aber diese These finde ich wiederum gar nicht überzeugend. Ich würde sogar folgendes Experiment eingehen: Gib mir irgendeinen Text. Ich interpretiere ihn dir so, dass daraus ein Aufruf zu Friedlichkeit und Nächstenliebe wird. Du musst mir nur erlauben, genügend Metaphern einzuführen. (Eine echte Herausforderung wäre “Mein Kampf”, aber selbst das haben unsere Großeltern nach dem 2. WK geschafft)

    Also warum redest du eigentlich von “dem Islam”? Ich sehe einfach nicht den Vorteil darin, derart zu generalisieren. Wenn du Muslime davon überzeugen willst, dass die Scharia schlecht und dass Gleichberechtigung gut sei, dann wird dir das sicherlich nicht helfen. Wenn du dich von Rechtsradikalen abgrenzen willst, sicherlich auch nicht.

    Also wozu so reden? Weil es der Wahrheit entspricht? In unserer Diskussion hat sich doch gezeigt, dass die Rede von “dem islamischen Glauben” total vage und vieldeutig ist (”der Koran”, “die und die Auslegungstradition”, “alle möglichen Auslegungen”, “die und die historischen Ausformungen des Islam”, “alle möglichen Ausformungen”, “alle bisherigen Muslime”, “alle bisherigen und künftigen Muslime”, “alle gegenwärtigen Muslime in Deutschland” usw.). Die Wahrheit der Aussage “Der islamische Glaube ist gefährlich” ist deswegen ebenso vage und unbestimmt. Um die Wahrheit kann es dir deswegen kaum gehen, wenn du so redest. Du erschwerst es anderen viel eher, die Wahrheit deiner Aussage zu überprüfen. Stattdessen ist es dann leichter, ein bisschen polemisch zu werden…

  10. Claudia 8. November 2007 (13:36 Uhr)

    Fuck! Gerade ist mir eine elaboriert-ellenlange Antwort flöten gegangen. Hab etwas Geduld, in den nächsten Tagen raff ich mich dann nochmal auf.

  11. Claudia 9. November 2007 (18:11 Uhr)

    Doch, doch, den Islam gibts leider. Und es ist genauso wahrheitsgemäß zu sagen, dass Scharia und Selbstopfer wesentliche Bestandteile desselben sind, wie Gottessohnschaft Jesu und Abendmahl eben zum Christentum gehören.

    Aber da dieser, pardon, schlaumeierhafte Einwand immer wieder kommt, nochmal eine Begriffsbestimmung. Ca 90-95% aller Muslime sind Sunniten, der Rest Schiiten und zu vernachlässigende Abspaltungen.
    Die Sunniten teilen sich in vier Rechtsschulen auf, deren Dogmen oder Bestimmungen seit rund tausend Jahren unverändert sind (!), und die sich inhaltlich kaum unterscheiden. Deswegen erkennen sich diese Richtungen (Hanefi, Maleki, Hanbali, Schafi) auch untereinander
    als “rechtgeleitet” an.
    Angesichts dessen, finde ich es völlig unproblematisch vom Islam zu sprechen und gegebenenfalls besonders auf die Schia hinzuweisen oder kleine Strömungen, bis hin zu Einzelfiguren.
    Nebenbei liegt der Vergleich zum Katholizismus durchaus nahe, 1a corporate identity, beeindruckende zeitliche Kontinuität in den Lehraussagen, dazu beeindruckende - oder auch beunruhigende - Mitgliederzahlen.

    Dass der Islam immer gewalttätig und intolerant sei, würde ich sogar stehen lassen. Auf Apostasie stand immer die Todesstrafe, Juden und Christen waren immer Bürger zweiter Klasse, der Islam der vier Rechtsschulen ist expansiv.

    Auf Deinen albernen Einwand, dass aus jedem Text alles und nichts rauszulesen ist, will ich gar nicht weiter eingehen. Rate Dir aber, dieses Argument mal gegenüber einem praktizierenden Moslem zu äußern. Ich schätze, dass Du mit solch intellektueller Bevormundung nicht weit kommen wirst (”Jetzt wendet doch endlich mal postmoderne Interpretationsmethoden an!”)

    Dass die Scharia überall zu bekämpfen sei, ist einerseits ein Gebot der Menschlichkeit, andererseits politisch schwierig umzusetzen. Eingriffe von außen werden scheinbar immer als westlicher Imperialismus oder gar als Angriff auf den Islam wahrgenommen. Ich komme mir zwar selber zynisch vor, denke aber schon manchmal, behaltet doch eure Barbarei, asylsuchende wie die überwiegend gut gebildeten und problemlos integierten Iraner, die dem religiösen Horror entfliehen wollen, dafür herzlich willkommen!

    Die Links sollten ja auch nur ein kleiner Hinweis sein. Für einen religiös unmusikalischen, wie Du einer bist (?) könnte da doch was Inspirierendes dran sein. Dieser Spengler liefert jedenfalls Ansätze, die wohl kaum von einem Atheisten zu Tage gefördert werden würden und die nichtsdestoweniger ganz schön erhellend sind. Stattdessen sind bei Dir die Sicherungen druchgebrannt-

    Nunja. die Frage bleibt jedenfalls, welche Auswirkungen ein Offenbarungsglaube hat, der sich auf die Befolgung von Regeln beschränkt, die eine innere Einstellung der totalen Unterwerfung habituell festschreiben und darin den einzigen Weg ins Paradies weist, ein Weg der sich abkürzen lässt, wenn man noch nicht Unterworfenen erfolgreich diese Wahrheit aufzwingt oder sich dafür einsetzt (mit allen Mitteln) das sich Unglaube etc, nicht ausbreitet, resp. den Islam gefährdet.

    Verfolge doch die Diskussionen hier ein bisschen: http://blog.zeit.de/joerglau/

  12. Eva v. Redecker 11. November 2007 (11:14 Uhr)

    Diese Diskussion um den Charakter des Islams zeigt ganz gut, woran es meiner Meinung nach bei dem Begriff “Islamofaschismus” am meisten hapert: Er taugt nichts als Analyseinstrument, weil es aufgrund einiger Aehnlichkeiten einen ganz entscheidenden Unterschied vertuscht: Dass es sich einmal um eine religioese, einmal um ein saekulare Bewegung handelt. Hitchens’ 6. Punkt macht die Verrenkungen deutlich, die noetig sind, wenn man die Analogie so eng wie moeglich ziehen will: das Fuehrerprinzip und ein extrem wichtiges Buch kommen in beidem vor. Das Al Quaida-Netzwerk mit einem totalitaeren Polizeistaat und die Funktion von Mein Kampf mit der des Korans zu vergleichen, ist echt hahnebuechen. Wenn man den Islamismus verstehen will, und darauf kommt es ja vor dem Massnahmen-ergreifen erstmal an, erscheint mir der Begriff also kontraproduktiv. Ihn nur als Indikator fuer “Islam: Oh, ist was Schlimmes” zu benutzen ist unredlich - dann soll man, wie Claudia, konsequent sein und zeigen, dass es den Faschismusvorwurf nicht braucht, um auf Gefahr hinzuweisen.

  13. Christian Voigt 14. November 2007 (19:34 Uhr)

    Da hier unten wahrscheinlich kaum einer ankommt, haben wir uns entschieden, die Diskussion in offiziellen Sprechblasenartikeln fortzusetzen.

    Claudia wird demnächst einen Gastartikel veröffentlichen, in dem sie noch einmal ihre Position darstellt. Auf den werde ich dann nochmal antworten.

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