Archiv des Monats Oktober 2007

Ist Osama ein Fascho? — Ein Beitrag zur “Islamo-Fascism Awareness Week”

von Christian Voigt
Mittwoch, 24. Oktober 2007

Osamadolf

Im Normalfall benutzen wir Begriffe genauso naiv, wie wir Fotos benutzen: Wir fragen uns nicht, ob sie die Wirklichkeit “verfälschen”, sondern wir gehen davon aus, dass sie die Wirklichkeit wahrheitsgetreu abbilden. Dabei kann man mit einer falschen Bezeichnung einer Sache genauso unrecht tun, wie mit einer Fotomontage einer Person.

Wenn die Welt unseren fanatischen faschistischen Vorfahren überhaupt etwas zu verdanken hat, dann sind es weder ihre Autobahnen, noch ihre zweifelhaften Ansichten zur Familienpolitik, nein, dann sind es vielmehr die reichen und weltweit genutzten
Möglichkeiten sie als kompromittierenden Hintergrund für eine solche Begriffsmontage zu benutzen. Weltweit verbreitet ist z.B. der einfache Trick, eine verhasste Person an die Stelle von Hitler hineinzumontieren, um auf diese Weise den wahren Charakter dieser Person bloßzustellen. Anders als in der Fotomontage, braucht man in der Sprache dazu keinerlei künstlerische Fähigkeiten. Es reicht ein einfaches Gleichheitszeichen.


Zur Geschichte des Begriffs “Islamofaschismus”

“Islamofaschismus” oder “Islamfaschismus” ist die momentan wohl erfolgreichste derartige Wortmontage. Mit ihr montiert man keine Person in unsere düstere deutsche Vergangenheit hinein, sondern gleich eine ganze Ideologie. Der Begriff und die Analogie, die dahinter steht, sind keineswegs neu. Der Begriff wurde wohl zum ersten Mal 1978 in bezug auf die iranische Revolution verwendet und wurde auch in den 90ern an der ein oder anderen Stelle verwendet. Die eigentliche Karriere des Begriffs begann aber nach dem 11. September im “war against terror”, der von Bushs Strategen nach den ersten Mißerfolgen — propagandistisch klug — bald in “the long war” umbenannt wurde. “But more important than the name of the war - at least to the people fighting and supporting it - is the name of the enemy “, wie William Safire in einem Abriß zur Geschichte des Begriffs in seiner Kolumne “On language” schreibt.

Die Terrorbekämpfer brauchten also einen Namen für ihren Feind. Der Islam? Das war zu allgemein. Al Quaeda? Das war zu speziell. Bush selbst war lange auf der Suche: “Some call this evil Islamic radicalism; others, militant jihadism; still others, Islamofascism. Whatever it’s called, this ideology is very different from the religion of Islam.” Am Ende machte Islamofaschismus das Rennen. Der Begriff bewährte sich derart, dass er es mehrfach bis in die Reden des Präsidenten hinein schaffte. Auch in der Deutschland erfreute sich der Begriff zunehmender Beliebtheit.

Diese Woche macht der Begriff einen neuen Karrieresprung, zu deren Feier der Sprechblasenblog diesem Begriff einen ganzen Artikel widmet: Es ist “Islamo-Fascism Awareness Week“! Dabei handelt es sich keinesfalls um eine neue McDonalds-Aktion, sondern um “the biggest conservative campus protest ever”, wie seine ultrakonservativen Veranstalter behaupten. “The purpose of this protest is as simple as it is crucial: to confront the two Big Lies of the political left: that George Bush created the war on terror and that Global Warming is a greater danger to Americans than the terrorist threat.” Über diese Kampagne machen sich schon andere lustig, deshalb widmen wir uns hier lieber mal der Frage: Was hat es mit diesem Begriff, der derart Furore macht, eigentlich auf sich? Haben wir es hier einfach nur mit einer amateurhaften Begriffsmontage zu tun, die man bei genauerem Hinsehen sofort als solche erkennt?


Die Diskussion um den Begriff

Um den Begriff ist schon seit einiger Zeit eine lebhafte und durchaus komplexe Diskussion in den USA entbrannt. Die Kritiker halten ihn entweder für historisch falsch oder für islamfeindlich. Der Historiker Niall Ferguson brachte das Unbehagen mit diesem Begriff und seiner ideologischen Funktion 2006 in einem Interview auf den Punkt:

“(W)hat we see at the moment is an attempt to interpret our present predicament in a rather caricatured World War II idiom. I mean, “Islamofascism” illustrates the point well, because it’s a completely misleading concept. In fact, there’s virtually no overlap between the ideology of al Qaeda and fascism. It’s just a way of making us feel that we’re the “greatest generation” fighting another World War, like the war our fathers and grandfathers fought. You’re translating a crisis symbolized by 9/11 into a sort of pseudo World War II. So, 9/11 becomes Pearl Harbor and then you go after the bad guys who are the fascists, and if you don’t support us, then you must be an appeaser.” (was mich übrigens an eine ähnliche an den Haaren herbeigezogene Identifikation erinnert)

Die Befürworter verteidigen dagegen den Begriff, weil sie glauben, dass er das eigentliche Wesen der islamistischen Ideologie (nicht des Islams) ausdrücke. Der Begriff sei gerade deswegen nützlich, weil er eine Verharmlosung oder sogar teilweise Rechtfertigung dieser Ideologie unmöglich mache. Die Analogie mit dem 2. Weltkrieg ist deswegen für sie nicht an den Haaren herbeigezogen, sondern berechtigt: Wer den Islamismus nicht für die Bedrohung unseres Jahrhunderts hält, der ist genauso naiv wie Chamberlain.

Stephen Schwartz, Executive Director of the Center for Islamic Pluralism, war der erste, der den Begriff nach dem 11. September verwendete. In seiner Verteidigung dieses Begriffes betont er, dass er ihn als wissenschaftlichen, nicht als propagandistischen Begriff verstanden wissen möchte:

“Political typologies should make distinctions, rather than confusing them, and Islamofascism is neither a loose nor an improvised concept. It should be employed sparingly and precisely. The indicated movements should be treated as Islamofascist, first, because of their congruence with the defining characteristics of classic fascism, especially in its most historically-significant form — German National Socialism.”

Schwartz rechtfertigt die Gleichsetzung folgendermaßen (erstaunlicherweise fehlt hier der Antisemitismus, die offensichtlichste Parallele):

  • Anhänger beider Ideologien sind bereit “to defy public civility and openly violate the law”, beide Ideologien sind “revolutionär”
  • Die Anhänger beider Ideologien kommen vorrangig aus mittleren Gesellschaftsschichten
  • Beide Ideologien verfolgen imperialistische Ziele
  • Beide sind “totalitaristisch” (was mit “fundamentalistisch” gleichgesetzt wird)
  • Beide sind paramilitärisch
  • Beide unterscheiden sich in diesen Merkmalen wesentlich von nur “authoritären” oder “reaktionären” Diktaturen

Sicherlich der prominenteste Verteidiger dieses Begriffs ist aber Christopher Hitchens, dessen Meinung gerade auch deswegen interessant ist, weil er sich politisch nicht eindeutig zuordnen lässt. Anläßlich der erneuten Diskussion um den Begriff aufgrund der Islamofaschismuswoche sah sich Hitchens genötigt, seine Gründe für die Verwendung des Begriffs noch einmal in “Slate” darzulegen. Hitchens fasst seine Gründe in einem Absatz zusammen, der hier der Übersichtlichkeit halber als Liste dargestellt wird:

  • Both movements are based on a cult of murderous violence that exalts death and destruction and despises the life of the mind. (”Death to the intellect! Long live death!” as Gen. Francisco Franco’s sidekick Gonzalo Queipo de Llano so pithily phrased it.)
  • Both are hostile to modernity (except when it comes to the pursuit of weapons), and
  • both are bitterly nostalgic for past empires and lost glories.
  • Both are obsessed with real and imagined “humiliations” and thirsty for revenge.
  • Both are chronically infected with the toxin of anti-Jewish paranoia (interestingly, also, with its milder cousin, anti-Freemason paranoia).
  • Both are inclined to leader worship and to the exclusive stress on the power of one great book.
  • Both have a strong commitment to sexual repression—especially to the repression of any sexual “deviance”—and to its counterparts the subordination of the female and contempt for the feminine.
  • Both despise art and literature as symptoms of degeneracy and decadence;
  • both burn books and destroy museums and treasures.

Zwei Einwände gesteht Hitchens zunächst zu, um sie dann zu widerlegen: Faschismus basiert erstens auf Nationalismus und zweitens auf Rassismus. Beides lässt sich in dieser Form nicht im Islamismus finden. Allerdings:

  • Das islamistische Kalifat lässt sich durchaus mit den faschistischen Träumen eines Großdeutschlands vergleichen
  • Die strengen Unterscheidungen zwischen reinem und richtigen Glauben und Ungläubigen und die von Al Quaeda unterstützten Völkermorde erinnern durchaus an Rassismus

Hitchens schließt daraus: “This makes it permissible, it seems to me, to mention the two phenomena in the same breath and to suggest that they constitute comparable threats to civilization and civilized values.”


Warum über die falschen Fragen diskutiert wird und was man stattdessen diskutieren sollte

Damit schwächt er die umstrittene These allerdings so ab, dass man fast schon von einem Strohmann reden könnte (natürlich ist auch diese These durchaus noch anfechtbar).

Denn “Islamismus = Faschismus” ist durchaus eine andere Art der Montage als “Bush = Hitler” oder als “Konzentrationslager = Gulag”. Ideologien sind — anders als Personen, die diese Ideologien verbreiten, oder Institutionen, die durch diese Ideologien legitimiert werden — nicht sterblich oder vergänglich. Sie sind in gewissem Sinne zeitlos. Mit der Aussage “Bush = Hitler” wird nicht behauptet, dass Hitler in der Gestalt von Bush wiedergeboren wurde. Das Gleichheitszeichen bedeutet hier nicht Identität, sondern symbolisiert nur die Vergleichbarkeit in Hinsicht auf bestimmte Eigenschaften. Die Aussage “Islamismus = Faschismus” können wir dagegen durchaus ohne Probleme als eine solche Identitätsbehauptung verstehen, als die Behauptung, dass dieselbe Ideologie an anderem Ort, zu anderer Zeit und in anderen Köpfen wiedergeboren wurde. Die Behauptung, dass heute manche Leute im Iran oder in Pakistan im Prinzip dasselbe denken, wie Leute vor 60 Jahren in Deutschland, ist keine Aussage, die wir von vornherein als lächerlich und sinnlos abtun können.

Deswegen müssen die Verteidiger des Begriffs nicht nur die These verteidigen, dass Islamismus und Faschismus in ihren Gefahren vergleichbar seien. Dass man “Islamismus” und “Faschismus” “in einem Atemzug nennen” darf, heißt noch lange nicht, dass man auch “Islamofaschismus” sagen darf. Denn damit behauptet man implizit, dass der Islamismus nur eine bestimmte Unterart des Faschismus sei, so wie der deutsche und der italienische Faschismus Unterarten des Faschismus sind.

Reichen die von Schwartz und Hitchens genannten Gründe für die Rechtfertigung dieser stärkeren These aus? Zwei Dinge müssten gegeben sein, damit wir diese Frage klar und eindeutig entscheiden können. Es müsste erstens eine klare Definition für die Ideologie “Faschismus” geben und zweitens müssten klare Bedingungen gegeben sein, wann eine Ideologie mit einer anderen Ideologie identisch ist oder zumindest wann sie eine Unterart der anderen Ideologie ist. Solange Hitchens und Schwartz keine Antworten auf diese Fragen geben, können sie nicht beanspruchen, ihre These verteidigt zu haben (das gleiche gilt aber auch für ihre Gegner).

Beide Bedingungen sind nur schwer zu erfüllen. Eine klare Definition der faschistischen Ideologie kann nicht darin bestehen, historische Ursachen und Auswirkungen dieser Ideologie aufzuzählen (untere Mittelklasse, paramilitärisch, usw.). Eine solche Definition muss gerade von den historischen Kontexten abstrahieren und sagen, welche Struktur das Denken und Reden von Menschen haben muss, damit man es als faschistisch bezeichnen darf. Herkunft, Erziehung, wirtschaftliche Situation der betreffenden Personen muss dafür vollkommen irrelevant sein. Es zählt nur das, was sie glauben und behaupten, es zählt die logisch-semantische Struktur ihrer Äußerungen.

Was die zweite Bedingung angeht: Wie sollte es hier klare Regeln geben können? Sollen wir Fidel Castro noch als Kommunisten bezeichnen, obwohl er kapitalistische joint ventures zulässt? Sollen wir Gerhard Schröder trotz der Agenda 2010 noch als Sozialdemokraten bezeichnen? Irgendwie sicher schon. Irgendwie anders sicherlich nicht. Es kommt drauf an, wie man es betrachtet. Mehr lässt sich zu solchen Fragen sicherlich nicht sagen.

Angenommen wir legen uns auf folgende Aussagen fest:

  • Der ideologische Kern des Faschismus besteht aus einem nationalen Antisemitismus
  • Eine Ideologie ist mit der anderen identisch, wenn sie im Kern strukturgleich ist
  • Sowohl für den faschistischen Nationalismus, als auch für den faschistischen Antisemitismus, als auch für ihre charakteristische faschistische Kombination gibt es strukturgleiche Entsprechungen im Islamismus

dann, ja dann sind wir dazu berechtigt “Islamofaschismus” zu sagen. Wenn wir an einer dieser drei Thesen aber Zweifel haben, sollten wir es lieber bleiben lassen so zu reden.

Lassen sich diese Fragen eindeutig klären? Wohl kaum, auch wenn wir noch so gute Historiker und noch so geistreiche Intellektuelle fragen. Stattdessen muss man sich damit abfinden, dass es hier einen sprachlichen Spielraum gibt, in dem sich das “richtig” und “falsch” nicht einfach durch eine Überprüfung der Fakten klären lässt. Wo es so einen Spielraum gibt, sollten wir die Entscheidung stattdessen anhand eines ganz anderen Maßstabes treffen: Wir sollten nicht fragen, ob es wahr sei, dass der Islamismus ein Faschismus und Osama ein Fascho sei, wir sollten viel eher fragen, was daraus eigentlich folgen würde.

Wenn sich hier nun zeigt, dass dieser Begriff ausschließlich dazu genutzt wird, um den “war against terror” zu verteidigen, dann müssen wir darüber streiten, ob der “war against terror” gerechtfertigt ist. Ist er das nicht, dann ist der Islamismus auch kein Islamofaschismus (logisch gesehen wenden wir einfach einen modus tollens an). Ist er das, dann spricht nichts dagegen vom “Islamofaschismus” zu reden (allerdings auch noch nichts dafür). So einfach ist das.

Intellektuelle Verfechter des Begriffs wie Hitchens und Schwartz lenken von dieser Frage ab, indem sie den Anschein erwecken, es gäbe klare Anwendungsbedingungen für den Begriff. Man sollte auf diese intellektuellen Ablenkungsmanöver nicht hereinfallen. Ob Osama ein Fascho ist hängt allein davon ab, welche theoretischen und praktischen Konsequenzen das für uns hätte und ob wir diese Konsequenzen akzeptieren wollen. Es ist keine Frage der historischen Wahrheit.

Einige Artikel zum Thema in keiner besonderen Reihenfolge

Ist es moralisch falsch, für Radiohead’s „In Rainbows“ nichts zu zahlen?

von Eugen Pissarskoi
Samstag, 20. Oktober 2007

Radiohead überlässt die Entscheidung, wieviel für das neue Album gezahlt werden soll, den Fans: It’s up to you! Angenommen, ich entscheide mich dafür, nichts zu zahlen und das Album herunterzuladen. Mache ich dabei etwas moralisch Falsches?

Zunächst einmal – da ich die Möglichkeit habe, den Preis zu bestimmen, spricht nichts dagegen, dass ich mich für den Preis von Null Cent entscheide. Ob diese Entscheidung jedoch richtig oder falsch ist, hängt davon ab, wie ich sie begründe: Die Begründung könnte moralisch falsche Prämissen beinhalten, dann ist auch die Entscheidung, die auf dieser Begründung basiert, moralisch falsch. Beispielsweise wenn ich meine Entscheidung damit begründe, dass ich der Band Radiohead aus Vergnügen einen möglichst hohen finanziellen Schaden hinzufügen möchte, so ist diese Rechtfertigung zweifelsohne moralisch nicht akzeptabel. Also: lässt sich eine moralisch akzeptable Rechtfertigung für die Entscheidung finden, nichts für das „In Rainbows“ Album zu blechen?
Diskutieren wir mal ein paar mögliche Begründungen, um zu schauen, wie weit sie uns helfen, unser Portemonnaie mit gutem Gewissen zu schonen:

Zahle, was Du willst

Der einfachste Weg, seine Entscheidung zu rechtfertigen, scheint darin zu liegen, sich auf seinen Willen zu berufen: It’s up to me – also zahle ich das, was ich will! Und ich will das Album für umme!
Das ist jedoch keine gute Rechtfertigung. Sie ist entweder eine Worthülse oder etwas Mystisches. Denn wie stelle ich fest, was ich will? Manchmal dadurch, dass ich mir Gründe überlege, aus denen etwas, das ich will, herbeigeführt werden soll (z. B. ich will zur Uni gehen, weil das der beste Weg ist, um meine Lebensziele zu erreichen). Manchmal dadurch, dass ich eine Empfindung habe, dass ich etwas will: Ich will essen, weil ich Hunger habe. Wie ist es nun im Falle von „In Rainbows“? Wenn wir das Wollen, das Album zu haben ohne zu zahlen, durch Gründe abstützen müssen, so hilft uns dieses Wollen überhaupt nicht weiter. Denn genau nach diesen Gründen sind wir ja auf der Suche. Wenn wir hingegen versuchen, uns auf das Wollen als eine Empfindung zu berufen, so ist total unklar, was wir damit meinen. Was soll das für eine Empfindung sein, nach der ich ein Musikalbum für umsonst haben will? Wie genau kann ich sie verspüren?
Daher ist eine Begründung der Entscheidung mittels des Willens bestenfalls abstrus, aber keineswegs akzeptabel.

Zahle, was es Dir wert ist

Vielleicht bietet der Verweis auf die eigene Zahlungsbereitschaft eine bessere Rechtfertigung für den kostenlosen Erwerb des Albums: Meine Wertschätzung des Albums beträgt Null Euro, deswegen zahle ich nichts dafür. - Wenn es wahr ist, was veranlasst mich dann aber dazu, mir die Mühe zu machen, das Album herunterzuladen? Mit dem Verweis auf die eigene Zahlungsbereitschaft kann man zwar niedrige Preise rechtfertigen, nicht jedoch den Preis von Null. Problematisch ist dieses Entscheidungskriterium übrigens aus der Sicht von wahren Fans von Radiohead: Sie würden materiell arm werden, würden sie wirklich den Betrag ihrer Wertschätzung überweisen.

Zahle den gerechten Preis

Vielleicht hat deswegen Christian, einer der echten Radiohead-Fans, sich eine gewiefte Begründung einfallen lassen, warum er für das Album nichts bezahlt hat: Bei der Menge an Geld, die Radiohead bereits verdient haben, ist es gerecht, für das neue Album nichts zu zahlen.
Diese Überlegung hat jedoch einen Haken: Wenn alle Interessenten so denken und keiner daher zahlt, besteht große Gefahr, dass Radiohead das Experiment doof finden und nie mehr ihre Platten auf diese Weise vermarkten wird. Womöglich werden auch viele andere Bands aus dieser Erfahrung lernen und keine von ihnen wird sich trauen, den Preis dem Publikum zu überlassen.
Der Haken besteht also darin, dass, wenn alle sich an Christians Handlungsprinzip halten, Gefahr besteht, dass die Handlung zu unerwünschten Konsequenzen führen würde. Meist halten wir solche Begründungen für moralisch falsch.

Würfeln

Ich habe mich dafür entschlossen, den Preis für das Radiohead-Album dem Würfel zu überlassen. Würfele ich zwischen 1 und 3, zahle ich nichts. Sonst überweise ich 20 Euro an Radiohead für das Album. So habe ich mich zwar nicht dafür entschieden, nichts zu zahlen, aber dennoch das Album für umme samt gutem Gewissen bekommen.

“Logik” als Kampfbegriff II: Besitzen Radioheadfans ökonomische Vernunft?

von Christian Voigt
Montag, 15. Oktober 2007

Der Vorwurf “unlogisch” oder “unvernünftig” zu sein wird im Alltag allzu häufig mißbraucht, um rationale Diskussionen zu untergraben und Machtansprüche in Diskursen durchzusetzen. Dieser Mißbrauch wird durch irreführende Vorstellungen darüber, was Logik oder Vernunft sei, überhaupt erst möglich. Diese kleine Artikelreihe soll diesen Mißbrauch von “Logik” oder “Vernunft” als Kampfbegriffe näher untersuchen. (Teil I)

radiohead.jpg

Wieviel soll man für Radioheads “In Rainbows” bezahlen? Da Radiohead sicherlich schon reich genug sind fällt die Antwort leicht: Gar nichts. Radioheads Entscheidung den Preis ihres neuesten Albums dem Käufer zu überlassen ist dennoch so außergewöhnlich, dass man Ökonomen damit leicht aus der Fassung bringen kann.

Dani Rodrik ist so einer. In einem Blogbeitrag fragt er: “Has Radiohead gone bonkers?” Um das herauszufinden startete er ein eigenes kleines Experiment über das die New York Times berichtete. Die NYT schreibt süffisant: “‘Has Radiohead gone bonkers?’ He (Rodrik, CV) concluded, ‘Not at all.’ Radiohead will make money. But those who are paying for the download may truly be nuts.”

Der Autor des Artikel kann es einfach nicht verstehen: “People paid for something they could get for free.” Warum bloß? Grek Mankiw, ein weiterer Ökonom, meint, dass dieses Phänomen genau die gleichen ökonomischen Rätsel aufwerfe wie das Trinkgeldgeben in einer Situtation, in der wir uns sicher sein können, dem Trinkgeldempfänger nie wieder zu begegnen.

Sind Radioheadfans verrückt? Handeln sie unlogisch oder unvernünftig, weil sie im Durschnitt 8 Dollar für das Album bezahlen? Die ökonomische Verwunderung führt im NYT Artikel zu der grundlegenden Frage, inwieweit altruistische Menschen rational seien. Damit wird die Diskussion in ökonomisch altbekannte Bahnen gelenkt. Denn auf den Altruismuseinwand hat der Ökonom bereits eine Antwort: Altruismus macht den Altruisten “high”, so wie ein Bungeesprung den Bungeespringer “high” macht. Altruisten handeln also eigentlich egoistisch, oder wie TicTacToe sagen würden “Nur für den Kick für den Augenblick”.

Das ist dann auch die “ökonomische” Erklärung für das Radioheadphänomen: Radioheadfans haben, wie der NYT Artikel folgert, “touchy-feely reasons” (klingt unangenehm und glitischig) Geld zu bezahlen, wo das eigentlich aus “rationaler” Sicht (kühl und solide) nicht nötig wäre. Mal wieder wird der alte Konflikt zwischen unlogischem “Gefühl” und logischer “Vernunft” beschworen.

Es ist ein häufig gehörter Einwand gegen ökonomische Theorien, dass sie nur die eine Seite menschlichen Verhaltens betrachten würden, dass sie den Menschen als durch und durch rationales Wesen beschrieben. Dabei liegt das eigentliche Problem hier an ganz anderer Stelle: Das Problem ist nicht, dass Personen als rationale Nutzenmaximierer angesehen werden. Der Mechanismus der Nutzenmaximierung bei gegebenen Präferenzordnugnen ist derart abstrakt und formal, dass damit so gut wie gar nichts über menschliches Verhalten gesagt wird. Die “touchy-feely reasons” von Radioheadfans sind genauso gut durch diesen rein “rationalen” Mechanismus zu beschreiben, wie die “coldly-brainy reasons” von NYT Autoren. Im ersten Fall müssen wir bloß ganz andere Präferenzen unterstellen als im zweiten Fall. Aber solange diese Präferenzen in den Mechanismus der Nutzenmaximierung hineinpassen (solange sie transitiv sind usw.) dürfen Ökonomen kein Urteil darüber fällen, ob die eine Präferenzordnung rationaler ist als die andere. Sie sind theoretisch überhaupt nicht in der Lage zu einer derartigen Unterscheidung. Dennoch tun sie immer wieder so, als wären sie für diese Bewertung qualifiziert, als wären sie Experten für “unvernünftige” Präferenzen.

Das eigentliche Problem ist also, dass die Ökonomen in den Nutzenmaximierungsmechanismus ausschließlich bestimmte Präferenzen hineinstecken und deswegen auch immer nur bestimmtes Verhalten ausgegeben bekommen: Es sind eben genau die Präferenzen, die im kapitalistischen Geschäftsleben vorherrschen. Daran ist natürlich nichts auszusetzen, solange Ökonomen sich auf die Erklärung dieses Geschäftlebens beschränken. Problematisch wird es aber, sobald sie a) den Anspruch erheben, dass die von ihnen benutzten Präferenzen die einzig “rationalen” Präferenzordnungen seien oder b) diese Präferenzordnungen auch außerhalb des Geschätslebens angewendet werden müssten.

Es ist deshalb auch kein Wunder, wenn Ökonomen vieles in der Welt nicht verstehen können oder wollen. Es ist kein Wunder, dass sie altruistische Motivation erst dann verstehen können, wenn sie sie mit der Motivation identifiziert haben, die auch hinter dem Konsum von Kokain steckt. Das sollte aber nicht unser Problem sein. Wichtig dabei ist bloß eines: Die professionelle Blindheit von Ökonomen sollte man nicht ihrer theoretischen Grundannahme zurechnen, dass alle Menschen rationale Nutzenmaximierer sind, sondern ihrer beschränkten Phantasie, was die Unterstellung von vielfältigen und höherstufigen Präferenzen angeht.

Wenn man das versteht, dann liegt der eigentliche Konflikt nicht mehr in dem Konflikt zwischen “Gefühl” und “Vernunft”, zwischen “logischen” und “unlogischen” Gründen. Die freiwillige Spende für das Radioheadalbum ist dann nicht ökonomisch komplizierter zu erklären, als die Bezahlung des neue Britneyalbums. Wir brauchen den Radioheadfans dafür eben nur ganz andere Lebensideale zu unterstellen als z.B. Herrn Mehdorn, wenn er mit Gewerkschaftlern verhandelt. Ökonomen — das sollte klar sein — sind keine Experten in dieser Art der Unterstellung. Und — was noch klarer sein sollte — welche dieser Lebensideale am “vernünftigsten” sind, darüber können und sollten nicht Ökonomen entscheiden. Das können nur wir selbst entscheiden.

Moral Luck im Fußball

von Matthias Kiesselbach
Donnerstag, 11. Oktober 2007

Nehmen wir mal an, Ashkan Dejagah hat recht. Nehmen wir an, hinter den “persönlichen Gründen“, mit denen der deutsch-iranische Fußballprofi seinen Verzicht auf die Teilnahme am U-21-Länderspiel gegen Israel erklärt, verbirgt sich wirklich die Angst vor iranischen Repressalien gegen ihn und gegen seine Familie. Nehmen wir ferner an, dass diese Angst berechtigt ist. Wie ist seine Weigerung, am Länderspiel in Tel Aviv gegen Israel teilzunehmen, dann zu bewerten?

Vielleicht ist dies die richtige Antwort: Wir hätten dann einen Fall von ‘moral luck’, oder im vorliegenden Fall besser: von moralischem Pech. Bernard Williams hat den Begriff des ‘moral luck’ geprägt, um darauf hinzuweisen, dass wir nur einen begrenzten Einfluss darauf haben, ob es in unseren Leben schwer oder leicht ist, das Richtige zu tun. Es gibt Orte und Zeiten, in denen es relativ leicht ist, sich nichts zuschulden kommen zu lassen — aber es gibt auch Orte und Zeiten, in denen dies mit extremen Risiken, Mühen oder Qualen verbunden ist. Wer sich in letzteren Orten und Zeiten wiederfindet, der hat moralisches Pech — jedenfalls in dem Maße, in dem er nichts dafür kann, dort gelandet zu sein. Er kann sich die Risiken, Mühen und Qualen ersparen, aber nur um den Preis, falsch und also verurteilenswert zu handeln.

Wenn es so etwas wie moralisches Pech gibt, dann scheint die Situation von Ashkan Dejagah ein guter Kandidat dafür zu sein. Das richtige Handeln — nämlich die Teilnahme am Länderspiel gegen Israel — ist für Dejagah mit wesentlich höheren Kosten verbunden als für einen Nicht-Iraner. Diese Kosten, so viel sollte klar sein, können durchaus auch “moralische” Kosten beinhalten, denn mit einer Teilnahme am Spiel lüde Dejagah nicht nur sich selbst Probleme auf, sondern auch seinen Familienangehörigen. Dennoch, so die Analyse, wäre die Teilnahme auch für Dejagah das Richtige: Was zu tun richtig ist, das hängt nach dieser Sichtweise nicht davon ab, wie viel Kraft, Mut oder Leid investiert werden muss.

Ich bin mir nicht sicher, ob diese Analyse richtig ist. Aber wenn sie richtig ist, dann wäre die angemessene Reaktion folgende: Einerseits müssten wir Dejagah verurteilen für seine moralisch falsche Entscheidung. Andererseits dürften wir sehr wohl ein gewisses Mitleid für sein moralisches Pech empfinden.

Ich frage mich, ob das schizophren wäre.

[Mal wieder einen sehr überlegten Kommentar zur Dejagah-Frage gibt es übrigens im Spiegelfechter zu lesen.]

Lokführer: Streikt, aber anders! Zweiter Versuch

von Eugen Pissarskoi
Mittwoch, 10. Oktober 2007

Die Lokführer streiken weiter. Vor zwei Monaten habe ich versucht, ein Argument zu konstruieren, mit dem der Streik gerechtfertigt werden könnte. Es lautete:

  1. Es ist zu begrüßen, wenn der Lohn der Arbeitnehmer steigt, solange der Anstieg keine negativen Folgen mit sich führt, die
    den Vorteil aus dem Anstieg überwiegen.
  2. Wir wissen nicht, dass der Anstieg des Lohnes negative Folgen hat, die den Vorteil aus dem Anstieg überwiegen.
  3. Wenn es zu begrüßen ist, dass p, und wir nicht wissen, dass p zu negativen Auswirkungen führt, die die Vorteile von p überwiegen, soll p realisiert werden.
  4. Ergo: Lohnerhöhung der Arbeitnehmer soll realisiert werden.

Dieses Argument ist doof, darauf hat jge hingewiesen. Prämisse (3) erweist sich als Störfried. Denn mit ihrer Hilfe lässt sich der Einsatz von so gut wie allen Risikotechnologien rechtfertigen. Risikotechnologien zeichnen sich gerade dadurch aus, dass wir nicht wissen, welche negativen Auswirkungen sie mit sich bringen. Wir wissen zwar, dass ihr Einsatz verheerende Schäden nach sich ziehen kann, darüber jedoch, ob dies der Fall sein wird bzw. mit welcher Wahrscheinlichkeit eine Katastrophe eintreten wird, können wir nichts sagen. Eine Prämisse, die einen Freibrief für so gut wie alle Risikotechnologien ausstellt, kann aber nicht wahr sein.

Hier ein neuer Vorschlag:

(*)

    wenn

  1. eine Handlung A einer Gruppe X nützt, und
  2. wir ausschließen können, dass die Handlung A zu verheerenden Konsequenzen führen wird, und
  3. über die restlichen negativen, nicht-verheerenden Konsequenzen wir nicht wissen, ob sie die Vorteile für die Gruppe X überwiegen
  4. dann soll A realisiert werden.

Die zweite Bedingung schließt die Rechtfertigung für den Einsatz aller möglichen Risikotechnologien aus: in Bezug auf ihren Einsatz können wir eben nicht ausschließen, dass dieser nicht zu verheerenden Auswirkungen führen wird.
Um das Argument für den Lokführerstreik zu vervollständigen, lauten die ergänzenden Prämissen:

  1. Die von der GDL geforderte Lohnerhöhung nützt den Lokomotivführern.
  2. Wir können ausschließen, dass die von der GDL geforderte Lohnerhöhung zu verheerenden Konsequenzen führen wird.
  3. Über die restlichen negativen, nicht-verheerenden Konsequenzen wissen wir nicht, ob sie die Vorteile überwiegen, die sich aus der Lohnerhöhung für die Lokführer ergeben.
  4. und die obige Prämisse (*)
  5. Also: Die von der GDL geforderte Lohnerhöhung soll realisiert werden.

DGB-Argument gegen den Streik

Letztens erfuhr ich von einigen DGB-Gewerkschaftlern, warum sie die Verhandlungen der GDL sehr kritisch beäugen. In ihren Ausführungen verwendeten sie sehr oft das Wort „Entsolidarisierung“, ihre Überlegung war aber, glaube ich, ungefähr die folgende:

Eine Gewerkschaft, die sich auf eine Berufsgruppe mit einem hohen Drohpotential (Ärzte, Lokomotivführer, Piloten) konzentriert, kann für diese Gruppe (leichter) hohe Lohnabschlüsse aushandeln. In einer Gewerkschaft hingegen, die viele Berufsgruppen vertritt (in der Transnet sind z.B. rund 100 verschiedene Berufe organisiert), profitieren vom Drohpotential einer Berufsgruppe auch alle anderen Angestellten, deren Interessen von der Gewerkschaft vertreten werden. Beispielsweise handelt die Transnet nicht nur den Lohn für die Zugführer aus, sondern auch für das Servicepersonal auf den Bahnhöfen. Das Servicepersonal könnte, wäre es in einer eigenen Gewerkschaft organisiert, nicht besonders effektiv seine Lohnforderungen durchsetzen, da deren Streik der Bahn einen viel geringeren Schaden hinzufügen würde als der der Lokführer. Wenn also die GDL sich durchsetzt und einen Tarifvertrag für ausgewählte Berufsgruppen aushandelt, wird es zu einer Spreizung des Einkommens zwischen den Berufsgruppen kommen, die für die Bahn arbeiten.

Wie ist nun diese Entwicklung zu bewerten? Ich glaube und stimme somit den DGB-Gewerkschaftlern, die mir diesen Gedanken nahebrachten, überein, dass eine Zersplitterung der Gewerkschaften (und damit das Aushandeln des Tarifvertrages durch die GDL) etwas Unerwünschtes ist. Das glaube ich aus dem folgenden Grund:
Es ist schlecht, wenn die Schwächeren der Gesellschaft am gesellschaftlichen Wohlstand weniger stark beteiligt werden als die Stärkeren, ohne dass es einen sehr guten Grund für die Benachteiligung der Schwächeren gibt. Im Falle des Tarifkonflikts mit der Bahn sind die Lokomotivführer und das Zugbegleitpersonal die verhältnismäßig Stärkeren. Die Schwächeren – das sind vor allem Servicemitarbeiter, vielleicht auch angelernte technische Arbeiter. Zu den Schwächeren gehören sie zum einen, weil ihre Arbeit weniger hoch entlohnt wird, und zum anderen, weil sie weniger effektiv ihre Forderungen gegenüber dem Arbeitgeber durchsetzen können. Die verhältnismäßig Stärkeren sind hingegen die Lokomotivführer. Wenn die GDL sich durchsetzt, wird es für die Schwächeren des Schienenbetriebes schwerer sein, höhere Löhne durchzusetzen. Ohne dass es einen Grund dafür gäbe, dass ihre Löhne langsamer steigen sollen als die der Lokführer. Und das finde ich schlecht.

Dagegen könnte man einwenden, dass es doch einen Grund dafür gibt, dass die Stärkeren, die Lokführer, nicht die Belange der Schwächeren, des Servicepersonals, berücksichtigen sollten. Es könnte zum Beispiel sein, dass eben dadurch, dass die Schwächeren von dem Durchsetzungsvermögen der Stärkeren profitieren, ihre Löhne so stark erhöht werden, dass es billiger wird, ihre Arbeit durch Maschinen zu ersetzen. Und es könnte sein, dass es besser ist, wenn die Schwächeren durch geringe Lohnerhöhungen weniger stark vom gesellschaftlichen Wohlstand profitieren als wenn sie arbeitslos werden.

Das kann sein. Doch das ist kein zwingendes Argument dagegen, dass die Stärkeren die Interessen der Schwächeren berücksichtigen sollten. Es ist eben die Aufgabe der Gewerkschaft, bei ihren Lohnforderungen so zu kalkulieren, dass die Lohnerhöhungen nicht zu Massenentlassungen führen. Eine Gewerkschaft, die sowohl das Zugpersonal als auch die Servicemitarbeiter vertritt, muss ja nicht für alle die gleichen Lohnabschlüsse aushandeln. Wenn die Gefahr droht, dass ein zu hoher Lohnabschluss für das Servicepersonal zu deren Arbeitslosigkeit führen würde, ist es nur weise, die Löhne nicht so stark zu erhöhen. Im anderen Fall - wenn eine Gewerkschaft nur das Servicepersonal vertritt – hat sie aber gar nicht die Möglichkeit, einen höheren Lohn durchzusetzen, unabhängig davon, ob sein Abschluss positive oder negative Auswirkungen nach sich zöge. Und eine Gesellschaft ist ungerecht, in der die Schwächeren gar nicht die Möglichkeit haben, mindestens genauso stark am gesellschaftlichen Wohlstand beteiligt zu werden wie die Stärkeren. Und wenn sie ungerecht ist, ist sie auch schlecht.

Also

Das Fazit des letzten Beitrages möchte ich daher etwas korrigieren: Die Forderungen der Lokomotivführer nach mehr Lohn lassen sich rechtfertigen. Problematisch ist jedoch die Art, wie sie streiken. Problematisch ist auch, dass sie bei ihren Lohnforderungen nicht die Interessen der Mitarbeiter berücksichtigen, die nicht die Möglichkeit haben, einen hohen Lohnabschluss durchzusetzen.