Ironie unter Gangsta-Rappern
26. Juli 2007Matthias Kiesselbach
Dass Berliner Aggressionshiphopper nicht die Großmeister der deutschen Sprache sind, für die sie selber sich ganz aufrichtig halten, merkt man spätestens, wenn man in den Lyrics eines beliebigen Tracks zwei zufällig ausgewählte Zeilen markiert. (Mein heutiger Treffer: “Ich mach keine Kinderkacke, das hier ist Erwachsenensache! / Pass auf, sonst verbrennst du dir die Zunge wie ne Apfeltasche!”; das Fragment stammt von Sidos “Ich hasse dich”.) Aber das ist schon seit einer Weile bekannt und längst nicht mehr lustig.
Trotzdem musste ich schmunzeln, als ich heute las, dass der wegen Anstiftung zur Gewalt gegen Schwule von Aggro Berlin entlassene und von einem Prozess bedrohte Gangsterrapper G-Hot mit seinen homophoben Tiraden (”Ich geh mit zehn MGs zum CSD und kämpfe für die Heten, die auf Mädchen stehn”, “Was ist bloß passiert, sie werden akzeptiert, es gab Zeiten, da wurden sie mit der Axt halbiert”, “Meiner Meinung nach hat sowas kein Leben verdient”) bloß auf Vorurteile gegen Schwule hinweisen wollte.
Man fragt sich, ob die NPD mit ihren Naziparolen vielleicht auch bloß den verbreiteten Ausländerhass der Deutschen anprangern will. Könnte sie im nächsten Verbotsverfahren ja mal behaupten. Ob ihr das gelänge, ohne rot zu werden?

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