“Logik” als Kampfbegriff I: Mr. Spock’s “Highly Illogical” — Eine logische Analyse
26. Juni 2007Christian Voigt
Der Vorwurf “unlogisch” zu sein wird im Alltag allzu häufig mißbraucht, um rationale Diskussionen zu untergraben und Machtansprüche in Diskursen durchzusetzen. Dieser Mißbrauch wird durch irreführende Vorstellungen darüber, was Logik sei, überhaupt erst möglich. Diese kleine Artikelreihe soll diesen Mißbrauch von “Logik” als Kampfbegriff näher untersuchen.
“From far beyond the galaxies I’ve journeyed to this place/To study the behavior patterns of the human race/And I find them highly illogical!”
Mr. Spock: Highly Illogical
Außerirdische sind bekanntermaßen unbeirrbare Besserwisser; sie sind felsenfest davon überzeugt, besser über die Menschheit Bescheid zu wissen als wir selbst. Ein besonders nervtötendes Exemplar ist Mr. Spock, der sich bei jeder Gelegenheit genötigt sieht, distinguiert mit der Augenbraue zu zucken und mit der Steifheit eines englischen Butlers anzumerken, wie unlogisch doch mal wieder gerade alles sei.
Man wundert sich schon, dass Kirk so geduldig damit umgeht. Man wünscht sich, dass er ihn einmal beiseite nehmen würde und so etwas sagen würde wie: “Junge, Junge, wenn alle anderen dir als Geisterfahrer entgegen kommen, solltest du vielleicht mal in Erwägung ziehen, ob du auf der richtigen Spur bist…” (Es ist natürlich klar, wie Meister Langohr darauf antworten würde: Er würde sofort damit anfangen, dass auf Vulkan alles besser, weil tausendmal logischer sei, so wie unsere Großeltern sich nicht davon abbringen lassen, dass früher alles besser gewesen und kleine Bären und Tiger sich nicht davon abbringen lassen, dass es Zuhause doch am schönsten sei.)
Leider fehlt dem Herrn Käpt’n aber das Quäntchen Intelligenz den Herrn Spock (der sowas wie sein großer Bruder ist) mal zur Seite zu nehmen. Stattdessen fällt er (und mit ihm die ganze Crew) immer wieder auf die total übertriebene Intellektuellenpose vom Vulkanier herein: Wenn der wieder mit dem Augenbrauenheben und Stirnrunzeln anfängt, dann denkt Kirk gleich, dass hinter dem Logikgelaber ja wohl tieferer Sinn stecken müsste und hält deswegen lieber dümmlich grinsend das Maul. (Man wünscht sich in solchen Momenten Picard herbei)
Noch schlimmer aber wird es, wenn der eingebildete Bescheidwisser auf den Schiffsarzt McCoy trifft. Denn statt dass dieser notorische Dickschädel mal dem außerirdischen Logikscharlatan die Maske herunterreisst, läßt er sich auf einen lächerlichen und vollkommen irreführenden Disput über Logik und die Irrationalität von Gefühlen ein. Nie aber kommt irgendeiner mal auf den Gedanken, Spocks rassistisches und diskriminierendes Urteil über die Menschheit in Zweifel zu ziehen; Der Mann ist außerirdisch, er muß es ja wissen.
Nun kann so eine Haltung in unserer Gesellschaft nicht verwundern. In allen möglichen Kontexten wird der Begriff “Logik” genau auf die gleiche Weise verwendet, wie der dröge Lulatsch von der Enterprise es tut. Nur — von der Zukunft hätte man sich ein bißchen mehr erwartet. Es bleibt zu hoffen, dass dieser Artikel dazu beiträgt, dass wir aufgrund raumzeitlicher Turbulenzen oder ähnlichem Krimskrams in einem Paralleluniversum landen, in dem Mr. Spock durch die Logikaufnahmeprüfung für den Posten des Wissenschaftsoffiziers auf der Enterprise fällt.
Beginnen wir also mit der Arbeit. Leider wird uns aus der Zukunft kein einziges Zeugnis von Mr. Spocks logischer Expertise überliefert: Keine Habilitation, keine Promotion, kein Buch, kein Paper, ja nicht einmal ein populärwissenschaftlicher Artikel läßt sich zu dem Thema vom Autoren auftreiben. Alles, was uns zur rationalen Kritik seiner steilen Thesen zur Verfügung steht ist ein Beitrag zu einem Genre, das man von einem durch und durch emotionslosen Wesen nicht erwartet hätte: Überliefert ist einzig eine Audioaufnahme profaner Poesie, kein Gedicht, sondern der stümperhafte Versuch, einen Text halbwegs rhythmisch über im Hintergrund laufende primitive Unterhaltungsmusik zu sprechen. (All das sollte uns schon stutzig machen)
Der Song beginnt mit sphärischen Harfenklängen, wie man sie auf der Enterprise wohl allenthalben im Hintergrund hört. Dann setzt Spock ein. Wir dürfen ihn uns vorstellen, wie er an der Hausorgel der Enterprise sitzt und mit spitzem Finger die ersten kläglichen Töne produziert. Dazu spricht er mit einer Stimme aus der seine ganze stupide Überheblichkeit spricht: “From far beyond the galaxies I’ve journeyed to this place/To study the behavior patterns of the human race/And I find them highly illogical”
Man merkt, dass er unbedingt den wissenschaftlich klingenden Begriff “behavior patterns” unterbringen wollte, obwohl der sich beileibe nicht ins Versmaß bringen läßt. (Auch das ein Zeichen für unterschwellige Unsicherheit). Abgesehen davon ist die Einleitung nicht unerwartet: Spock möchte Autorität als Menschheitskritiker gewinnen, also verweist er darauf, dass er von ganz weit weg kommt, wo es keinen einzigen Menschen gibt. Das Schlußmuster ist so klar wie unplausibel: Je außerirdischer ein Wesen, desto besser weiß es über innerirdische Zusammenhänge Bescheid.
Länger hält es Spock nicht aus. Während ein weniger eingebildeter Außerirdischer sich vielleicht noch herabgelassen hätte, ein wenig von sich zu erzählen, so kann es Spock nicht abwarten. Man kann sich richtig vorstellen, wie er innerlich denkt: “Blabla blabla blabla: AND I FIND THEM HIGHLY ILLOGICAL!”
Der einfachen Enterprise-Hausorgel kann man noch zumindest den gescheiterten Versuch zu religiöser Ernsthaftigkeit unterstellen. Doch nun zeigt Mr. Spock seinen wahren Charakter: Während er seine pseudowissenschaftliche These heraustrompetet, müssen wir uns vorstellen, wie er sich von der Hausorgel erhebt und sich für den Rest des Songs zu einer Gruppe leicht- und engbekleideter Enterprisedamen der Marke Uhura begibt, mit denen er nun im Rhythmus der seichten “wilden Beatmusik” (so würde Spock das wohl als Musikkenner bezeichnen) auf alberne Weise mit dem Popo wackelt.
Doch wie sieht nun seine eigentliche Argumentation für die immer wieder auf Neue heraustrompetete These aus? Beginnen wir mit der ersten Strophe: Spock beginnt hier mit einem Beispiel aus dem Bereich zwischenmenschlicher Beziehungen. Ein Menschenweib behauptet, dass ihr Partner all ihren Vorstellungen eines idealen Partners genüge. “Girl meets boy they fall in love/She says he’s everything she’s dreamed of.” Doch nach der Heirat scheint Madam es sich anders überlegt zu haben, denn zumindest was seine Kämmmethode angeht, ist sie nicht länger zufrieden: “But when they get married before he’s aware/She changes his habits the way he combs his hair.” Der Ehemann scheint sich sehr mit dieser Kämmmethode identifiziert zu haben, denn die Änderung macht ihn zu “someone he’s never been”. Und nun zu guter letzt beschwert sich die Ehefrau, die ihn zu dieser dramatischen Änderung zwang, auch noch dass er sich nicht wie andere Männer verhalte. Und natürlich kann sich Spock nun nicht verkneifen, seinen Senf dazu zu geben: “Now really I find this most illogical!”
Sehen wir einmal davon ab, dass die Wahl dieses absurden (das flache Sprachspiel sei erlaubt: an den Haaren herbeigezogenen) Beispiels alleine schon Beweis genug für die vollkommene Unkenntnis des Autors in Bezug auf “human behavior patterns” ist. Selbst wenn wir dieses Beispiel als paradigmatisch für menschliche Verhaltensmuster akzeptieren fällt auf, dass an diesem Beispiel nichts unlogisch ist.
Spocks Argumentation impliziert, dass eine Person, die behauptet, dass eine andere Person genau so sei, wie sie sich es von einem Partner erwarte, gleichzeitig damit ausschließt, irgendetwas an dieser Person verändern zu wollen. Was ist aber nun, wenn wir es — um das absurde Beispiel fortzusetzen — mit einem Weibchen zu tun haben, das nichts lieber macht, als die Kämmmethoden von seinen Männchen zu ändern? Ein solches Exemplar des homo sapiens wünscht sich natürlich einen Partner, dem seine Kämmmethode sehr wichtig ist. Und es ist klar, dass die Ehefrau nach der Heirat sofort mit ihrer Lieblingsbeschäftigung beginnt. Nichts daran ist irgendwie unlogisch. Es ist höchstens unsympathisch.
Stellen wir uns nun noch vor, dass dieses Weibchen nicht nur auf Männchen steht, an denen sie herumdoktern kann, sondern auch noch will, dass diese ihr möglichst viel Widerstand leisten. Das Männchen lässt aber alles ohne Protest mit sich machen. Also regt sie sich darüber auf, dass er kein richtiger Mann ist. All das ist weder inkonsistent noch unschlüssig. Erneut: Man kann der Dame höchsten vorwerfen, sich über ihren Ehemann getäuscht zu haben und man kann versuchen solchen Menschenexemplaren aus dem Weg zu gehen, wenn einem die eigenen Kämmgewohnheiten lieb und teuer sind.
Nun gut, auch wenn ein Argument für eine These nicht hinhaut, ist damit noch lange nicht die These widerlegt. Wie sieht es mit der nächsten Strophe aus? Spock wechselt nun von der zwischenmenschlichen auf die technische Ebene menschlicher Zivilisation. Er beginnt mit der durchaus zweifelhaften These, dass das Automobil die bedeutendste der menschlichen Erfindungen sei. “Take the case of your automobiles/Greatest invention since man discovered wheels”. In den nächsten Zeilen scheint er diese These begründen zu wollen: “Hydromatic overdrive four-on-the-floor/Pushbutton windows pushbutton doors/Double barreled carborators rush you anyplace.”
All das ergibt kein nachvollziehbares schlüssiges Argument, sondern ist vielmehr eine vollkommen wilkürliche Aufzählung von Autoeigenschaften. Aber akzeptieren wir einmal Spocks These, dass Autos die großartigste Erfindung aller Zeiten seien. Was hat das mit Logik zu tun? Spock gibt uns nur einen spärlichen Hinweis: “But you never can find a parking space” sagt er, eine zweifellos falsche, weil viel zu generelle und unpräzise Aussage, worüber wir erneut großzügig hinweg sehen müssen.
Der Form nach hat es den Anschein, als ob Spock uns erneut eine Inkonsistenz nachweisen wolle. Aber es ist überhaupt nicht einsichtig, warum Autos-Erfinden als Handlung inkonsistent mit Keine-Parkplätze-Finden ist. Wohlgemerkt: Spock will nicht zeigen, dass das Auto keine großartige Erfindung sein kann (denn er glaubt ja selbst aus dubiosen Gründen daran), weil es zu verstopften Großstädten geführt hat. Er will uns auch nicht zeigen, dass wir in mancher Hinsicht gar nicht so toll sind, wie wir vielleicht selbst glauben. Er will uns zeigen, dass wir inkonsistent handeln, weil wir keine Parkplätze finden können, obwohl wir das Auto erfunden haben. Und dieser Inkonsistenznachweis ist eindeutig ein non sequitur.
Zum nächsten Fall. Spock fordert uns wieder auf: “Take the case of modern man/He works all his life gives all he can/Saves all his money works overtime/Pinches every penny banks every dime.” Spock prangert nun also den Materialismus unserer Zeit an (was jeder Provinzpfarrer besser kann). Was ist falsch am Materialismus? “All he can think about is money but you know/That he can’t take it with him where he’s going to go/Now I find that fascinatingly illogical” Was ist hier das Schlussmuster? “Alles wonach man im Leben strebt, das man aber mit dem Tod verliert, sollte man aufgeben.” Spock als Asket mag das gefallen, als rein logisches Schlussmuster kann diese steile These aber kaum durchgehen.
Nun können wir gnädig sein und das Argument uminterpretieren: Stellen wir uns also einen Workaholic vor, der an nichts anderes denkt, als an Geld. Ein solcher Mensch wird nicht bemerken, dass er sein Leben vergeudet. Er täuscht sich darüber, wie man ein gutes Leben führt. Wir können das kritisieren, indem wir kritisieren, dass er die falschen Ideale hat, dass ihm Geld zu wichtig ist, dass er falsche Erwartungen hat. Allein: Die einzige Kritik, die vollkommen unangebracht ist, ist der Vorwurf der Inkonsistenz. Erneut haben wir es mit einem non sequitur zu tun.
Endlich kommen wir zur letzten Strophe, dieses von vorne bis hinten unstimmigen Pamphlets. Spock glaubt seiner wissenschaftlichen Aufgabe nun Genüge getan zu haben. Nun kann er sich selbst stolz auf die Schulter klopfen, die dummen, unlogischen Menschlein verachten und sich selbst für den allergrößten Logiker im Universum halten.
“Now is the time to journey home to tell of what I’ve learned/My people I believe have every right to be concerned/For in spite of computers and advanced psychology/Behavior patterns are still a mystery.”
Dabei könnte man denken, dass Spock seine eigene Unfähigkeit (und die seiner Mitvulkanier) eingesteht. Aber in Wirklichkeit versteckt sich dahinter nur seine zentrale menschheitsfeindliche These: Menschliche Verhaltensweisen sind einfach nicht zu verstehen, weil irgendetwas an den Menschen nicht stimmt.
Schon in der nächsten Zeile gerät Spock aber mit dieser menschenverachtenden These in Konflikt. Denn obwohl er menschliches Verhalten für chaotisch hält, gefällt er sich in der Rolle des Propheten: “I predict the future of this earthly human race/Is that having made a mess of Earth/ They’ll move to outer space.” Und um die Ähnlichkeit zu einem alten, unverbesserlichen Rentner komplett zu machen, fügt er hinzu: “Well there goes the neighborhood/Totally, completely, absolutely, irrevocably, highly illogical” (Auch diese Aneinanderreihung möglichst vielsilbiger, fremdsprachiger Adverbien ist ein weiteres Anzeichen für seine amateurhafte Imitation von Wissenschaftlichkeit.)
Das Ergebnis ist klar, unser Urteil eindeutig: Wir haben es bei Mr. Spock mit jemandem zu tun, der von Logik nicht die geringste Ahnung hat. Nicht nur, dass er nicht in der Lage ist, Begründungen anderer Personen in ihrer logischen Struktur korrekt zu verstehen. Er ist nicht einmal in der Lage, selbst ein halbwegs vernünftiges Argument auf die Beine zu stellen. Der einzige bekannte Versuch, seine berühmte These zu untermauern ist ein jämmerliches Armutszeugnis. Mr. Spock ist ein Scharlatan.
Warum sind bloß so viele Leute auf ihn hereingefallen? Die Erklärung ist einfach: Weil so viele Leute nicht wissen, was Logik eigentlich ist. Stattdessen lassen sie es sich gefallen, dass selbsternannte Experten (mit oder ohne spitzen Ohren) darüber entscheiden, welche Argumente und welche Handlungen als “logisch” und welche als “unlogisch” anzusehen sind. Diese selbsternannten Experten benutzen dann das Prädikat “logisch” einfach nur dafür, um alle schlüssigen Argumente, deren Prämissen und Konklusionen sie für wahr halten, zu den einzig akzeptablen Argumenten zu erklären. Alle schlüssigen Argumente, die ihnen nicht gefallen, deren Prämissen oder Konklusionen sie für falsch halten, werden von ihnen dann als “unlogisch”, “inkonsistent” oder “Fehlschlüsse” gebrandmarkt. Jeder, der solche Argumente vertritt ist dann automatisch eine unlogische, inkonsistente Person, handelt “aus dem Bauch heraus”, “rein intuitiv”, “unvernünftig” oder “chaotisch” und gehört deswegen von jedem vernünftigen Diskurs ausgeschlossen. Es ist klar, dass naive Dickköpfe wie McCoy als Reaktion darauf anfangen die Logik zu beschimpfen und ein Loblied auf die Irrationalität zu singen. Es ist genauso klar, dass sie mit dieser Dummheit die Subversion eines vernünftigen Dialogs nur fortsetzen und vertiefen.
Der Erfolg von Leuten wie Mr. Spock beruht darauf, dass wir es uns gefallen lassen, dass der Begriff der “Logik” immer wieder als Kampfbegriff in Machtkämpfen mißbraucht wird. Dagegen sollten wir uns wehren. Denn Leute wie Mr. Spock sind in Wirklichkeit nichts weiter als arrogante Vollidioten.
8 Kommentare zu ““Logik” als Kampfbegriff I: Mr. Spock’s “Highly Illogical” — Eine logische Analyse”
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Even further beyond …
Ja, was für ein Scharlatan! Es kommt sogar noch schlimmer: Mr. Spock hat keine Gefühle! Im Laufe der Zeit wird er irgendwie immer “menschlicher” (genetisch betrachtet ist er, gerade er, sogar halb Mensch). Nach seinem aufopferungsvollen (emotionalen?) Tod und seiner dramatischen Wiedergeburt, strebt er selber weg von jeglicher Emotion, um wieder er selbst zu werden. In diesem Moment liegt sein Irrtum offen. Noch später, kurz vor seiner Berentung (er ist inzwischen auf dem Weg zum galaktischen Friedensstifter) kommt er selber zu dem Schluss, dass sowohl Logik als auch Emotionalität nicht das Ende, sondern der Beginn aller Weisheit seien.
In noch fernerer Zukunft geht der gleiche Kampf weiter. Picards Spock, seinem Untergebenen Data, fehlt sogar die Anlage zur Emotionen. Er strebt und strebt danach Mensch zu werden, erhält dabei auch mal Emotion, um dann seinerseit den gleichen Heldentod zu sterben. Wollte Spock noch die Menschen analysieren, ist Data bereits ihr Produkt.
Ich sehe darin einen Versuch, Machtmissbrauch von Leuten wie Mr. Spock zu bekämpfen. Man nimmt sie, wohl gewahr des Unterschieds, als Mensch an, um sie als Teil der Gruppe zu motivieren ihre dysfunktionalen Verhaltensweisen selber zu verändern!
Hey Eike!
Ja, dieser Gefühl vs. Vernunft 2-Seelen-Wohnen-Ach… Konflikt zieht sich natürlich durch die ganze Star Trek Geschichte. Ich finde diesen Konflikt theoretisch ziemlich uninteressant, ermüdend und eigentlich sogar irreführend und habe ihn deswegen größtenteils ignoriert. Bei Data ist das noch ein bisschen interessanter, weil es da ja um den Konflikt Mensch vs. Maschine geht.
Mein Vorwurf an Spock ist gerade nicht, dass er gefühlskalt, sondern dass er in Wirklichkeit vollkommen unlogisch ist. Das bedeutet aber nicht, dass ich ihm vorwerfe oder unterstelle in Wirklichkeit doch Gefühle zu haben! Logisch-Sein oder Unlogisch-Sein hat aus meiner Sicht einfach nicht viel mit Gefühle-Haben oder Keine-Gefühle-Haben zu tun (und wenn dann nur in dem Sinne, dass man das eine nicht ohne das andere haben kann)! Ich rege mich ja gerade darüber auf, dass Spock und McCoy andauernd in diesem Entweder-Oder-Schema denken.
Um mal von der Rede im übertragenen Sinne herunterzukommen: Gerade um diesen falschen Gegensatz zwischen Gefühl und Logik geht es mir. Ich wollte zeigen, dass die Logik in der Popkultur deswegen ein schlechtes oder zumindest falsches Image hat, weil unter “Logik” Dinge verstanden werden, die nichts mit Logik zu tun haben. In Mr. Spock kristallisieren sich diese (positiven, wie negativen) Vorurteile gegenüber der Logik.
Hallo Christian,
ein hervorragender Artikel. Wenn ich mal groß bin, will ich das auch können.
Ich habe den Artikel auch als eine Kritik an der selbstpostulierten Kennerschaft gelesen.
so oder ähnlich
Hm. Ich nicht. Ich habe den Artikel weder als Argument für Offenheit bei der Entscheidung, wann jemand als rational und wann als irrational zu beschreiben oder wann ein Schluss als logisch gültig oder ungültig zu beschreiben ist, noch als Argument für Irrationalität oder für die Akzeptanz logisch ungültiger Schlüsse gelesen. So à la “Sei doch nicht immer so rational, du musst auch mal die Sau rauslassen können!”
Ich habe es gelesen als Argument gegen eine kategorial falsche Verwendung von “unlogisch”.
Und noch was: Sind wir denn nicht alle Freunde der Logik? Oder findet sich etwa ein heimlicher Verächter unter uns?
Hey nerone,
danke für den netten kommentar!
ja klar, Leute, die anderen andauernd vorwerfen “unlogisch” zu sein, sind meist selbsternannte Logikexperten, die noch nicht einmal wissen, was ein “modus ponens” eigentlich ist.
Aber sind nicht auch Leute, die stolz darauf sind “unlogisch” zu sein, selbsternannte Logikexperten, weil sie von sich behaupten, Logik von Unlogik trennen zu können?
Vielleicht sollte ich noch einen Artikel über McCoy schreiben, damit klar ist, dass beide Positionen im Prinzip denselben Fehler begehen. Und außerdem muss ich wohl noch mehr darüber schreiben, worin die Wissenschaft der Logik eigentlich besteht und wie sie mit unserem alltäglichen Begründen in Beziehung steht (wenn überhaupt). Mhm, da hab ich viel vor…
Keine Frage: Mc(Ich-mache-es-schneller)Coy ist genauso penetrant. Und die Gegenposition zur Logik, gerade wenn sie sich versucht argumentativ gegen die Logik zu stellen, ist ja in sich schon widersprüchlich.
Was ich an dem Artikel schön finde ist, dass er betont Spocks Einsicht über die Unlogik der Menschen daher rührt, dass er das System “Mensch” von außen betrachtet. Er verhält sich wie der Wissenschaftler zur Laborratte. Das ist ein nettes Bild, dass vielleicht zu einem weiteren Thema in der Reihe führen könnte: Die Logik in der Wissenschaft. (Ich empfehle hierzu auch die Auseinandersetzung auf dem Blog Axonas)
Da hast du wahrlich viel vor, CHristian
Hhm. Spock ist doch eine Karikatur.
Er lässt sich wunderbar strukturalistisch interpretieren. Er ist der Nicht-Mensch. Er vertritt eine Ethik des kühlen Utilitarismus. Seine einzige Qualifikation für Logik ist eben die Abwesenheit von Gefühlen. Die ganze Star Trek-Mythologie legt nahe, dass diese Gefühle den Kopf durcheinanderbringen, deswegen hat Spock, der keine hat und nur Kopf ist, auch telepathische Fähigkeiten (Gedankenverschmelzung etc.). Seine Logik ist, würde ich so ausdrücken, in der Regel “praktische” Logik, eben wenn er den Utilitarismus vertritt. Leute, die Logik als Kampfbegriff benutzen, meinen das in der Regel ebenso. Wer streng ist, würde vermutlich eher von Rationalität sprechen. Aber auch dann muss man wohl sich meist unausgesprochene Prämissen klarmachen. Ist es “rational”, bestimmte Prämissen zu haben? Dass es der Logik egal ist, auf welche Prämissen sie angewandt wird, ist ja klar. Ist das hier der einzige Kritikpunkt?
danke für den kommentar, der mir klar macht, was anscheinend unklar in meinem artikel war:
ja, gerade weil Spock eine Karikatur ist, habe ich über ihn geschrieben: Das meinte ich, als ich oben davon sprach, dass sich in Spock alle Vorurteile kristallisieren.
Zu den Gefühlen: Das ist genau eines der Vorurteile: Gefühlslosigkeit qualifiziert zu logischen Begründungen oder ist sogar notwendig für sie. Das ist meiner Meinung nach eine irreführenden These.
Rationalität und Logik sind natürlich zwei eng miteinander verwandte Begriffe. Die Vorwürfe “unlogisch” und “unvernünftig” zu sein, gehen meist Hand in Hand. Allerdings gibt es für Rationalität noch tausend mal mehr verschiedene Definitionen, insofern ist es schwieriger hier über die Verwendung als “Kampfbegriff” zu schreiben.
Wenn man aber unter Rationalität das versteht, was die Nutzentheorie in ihrer abstraktesten Fassung darunter versteht, dann ist der Vorwurf der Irrationalität in all den oben genannten Fällen genauso unnütz und unfair wie der Vorwurf der Unlogik. Und dann sind gefühlsleere Handlungen nicht rationaler als Handlungen “aus dem Bauch heraus”. (das müsste man natürlich auch nochmal ausführlich zeigen)
Leute, die “Logik” oder “Vernunft” als Kampfbegriffe benutzen, meinen damit in der Regel aber gerade etwas ganz anderes (und genau darauf will ich aufmerksam machen): Sie meinen mit den Begriffen weder den Formalismus der Nutzentheorie, noch den der Logik, sondern sie meinen damit substantielle Positionen, die sie gegen Kritik vollständig immunisieren wollen, indem sie jeder Kritik vorwerfen, gegen die grundlegenden Regeln der vernünftigen Diskussion zu verstoßen.
Mir ging es nicht darum zu zeigen, dass eigentlich alle Begründungen im Alltag erst dann logisch schlüssig werden, wenn wir Prämissen ergänzen. Sondern mir ging es darum, dass die Wahrheit dieser impliziten Prämissen von ihren Proponenten nicht zur Diskussion gestellt wird, sondern den Kontrahenten als unangreifbare “logische Wahrheiten” oder “Gesetze der Vernunft” verkauft werden, obwohl sie diesen Status nicht verdienen.
Das Wichtigste ist mir aber, den Leuten, die glauben gegen “logische Leute” nur mit Intuitionen, Gefühlen, Assoziationen, aber nicht mit Argumenten anzukommen, zu zeigen, dass sie auf die Ideologie dieser Leute hereingefallen sind. Und das erscheint mir wichtig, weil es in Diskussionen immer wieder zu Situationen kommt, in denen Leute aufgrund solcher Mißverständnisse einfach aus der Diskussion aussteigen.
Naja, ist ja zum Glück erst der Anfang dieser Serie und ich hoffe, dass ich meine Position demnächst noch klarer darstellen kann. Vielen Dank für die Anmerkungen und dafür, dass Ihr überhaupt bis hierher gelesen habt!