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	<title>Kommentare zu: Ist Selbermachenkönnen ästhetisch relevant? &#8212; Eine mentale Vorbereitung auf den documenta Besuch</title>
	<link>http://www.sprechblase.org/2007/06/18/ist-selbermachenkonnen-asthetisch-relevant-eine-mentale-vorbereitung-auf-den-documenta-besuch/</link>
	<description>Sprache aus Luft</description>
	<pubDate>Tue, 06 Jan 2009 10:30:58 +0000</pubDate>
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	<item>
		<title>By: Christian Voigt</title>
		<link>http://www.sprechblase.org/2007/06/18/ist-selbermachenkonnen-asthetisch-relevant-eine-mentale-vorbereitung-auf-den-documenta-besuch/#comment-161</link>
		<author>Christian Voigt</author>
		<pubDate>Wed, 04 Jul 2007 14:14:27 +0000</pubDate>
		<guid>http://www.sprechblase.org/2007/06/18/ist-selbermachenkonnen-asthetisch-relevant-eine-mentale-vorbereitung-auf-den-documenta-besuch/#comment-161</guid>
		<description>Ich finde das Zitat aus dem Jetzt.de Interview, das ich gerade als Nachtrag an den Artikel angefügt habe, bringt das genau auf den Punkt.

Mitmachen ist institutionell (man könnte auch sagen "faktisch") eine Bedingung des Mitredendürfens im Kunstbetrieb. Allerdings zählt hier zum Mitmachen natürlich nicht nur das Kunstmachen. Vielleicht ist es sogar wichtiger, bei den angesagtesten Ausstellungseröffnungen dabei zu sein, die richtigen Leute zu kennen usw.

Normativ gesehen ist dieses "Mitmachen" oder wie Saehrendt sagen könnte "Staatsbürgerschaft auf dem Planeten Kunst besitzen" aber natürlich ein zweifelhaftes Kriterium dafür, ob jemand mitbestimmen darf, ob etwas Kunst ist oder nicht. Zumindest solange diese Einwohner den Anspruch erheben, etwas zu schaffen, was über die Befriedigung ihres sozialen Distinktionsbedürfnisses hinausweist.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Ich finde das Zitat aus dem Jetzt.de Interview, das ich gerade als Nachtrag an den Artikel angefügt habe, bringt das genau auf den Punkt.</p>
<p>Mitmachen ist institutionell (man könnte auch sagen &#8220;faktisch&#8221;) eine Bedingung des Mitredendürfens im Kunstbetrieb. Allerdings zählt hier zum Mitmachen natürlich nicht nur das Kunstmachen. Vielleicht ist es sogar wichtiger, bei den angesagtesten Ausstellungseröffnungen dabei zu sein, die richtigen Leute zu kennen usw.</p>
<p>Normativ gesehen ist dieses &#8220;Mitmachen&#8221; oder wie Saehrendt sagen könnte &#8220;Staatsbürgerschaft auf dem Planeten Kunst besitzen&#8221; aber natürlich ein zweifelhaftes Kriterium dafür, ob jemand mitbestimmen darf, ob etwas Kunst ist oder nicht. Zumindest solange diese Einwohner den Anspruch erheben, etwas zu schaffen, was über die Befriedigung ihres sozialen Distinktionsbedürfnisses hinausweist.</p>
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		<title>By: Harald Ille</title>
		<link>http://www.sprechblase.org/2007/06/18/ist-selbermachenkonnen-asthetisch-relevant-eine-mentale-vorbereitung-auf-den-documenta-besuch/#comment-160</link>
		<author>Harald Ille</author>
		<pubDate>Wed, 04 Jul 2007 13:35:11 +0000</pubDate>
		<guid>http://www.sprechblase.org/2007/06/18/ist-selbermachenkonnen-asthetisch-relevant-eine-mentale-vorbereitung-auf-den-documenta-besuch/#comment-160</guid>
		<description>Ich halte auch den zweiten Punkt von Wolfgang Hömig-Groß für wichtig in der Diskussion: Der Kunstbetrieb selbst schafft sich seine Künstler, indem er sie als "Eingeweihte", oder weniger esoterisch formuliert als "Dazugehörige" definiert. Innerhalb dieser Künstler-Gruppe(n) ist das Selbermachen-Argument natürlich konstitutiv für die eigene künstlerische Methode. Zwei gleich- oder ähnlich gute Musiker würden wechselseitig den jeweils anderen - wenn sie sich "grün" sind - ohne völlig geniale Fähigkeiten trotzdem für einen guten Künstler halten und seine Musik für gute Kunst. Ähnlich ist es bei den bildenden Künstlern. Das hat nichts mit dem Sprichwort von den beiden Krähen zu tun - Künstler A akzeptiert und bewundert die Kunst von B, obwohl oder gerade weil er sie ebenfalls (re-)produzieren kann. Die eigenen künstlerischen Fertigkeiten schaffen so eine gemütliche "Community", in der Innovation oder Genie oder Perfektion nicht mehr wichtig sind. Wichtig ist nur die Kunst selbst, das Handwerk, das etwas Künstlerisches erschafft.
Für den "Außenstehenden", der eben nicht als Künstler identifiziert ist und seine eigene Kreativität noch nicht erkannt hat oder schlicht für nicht allzu großartig hält, bleibt dabei natürlich der Eindruck zurück: "Das hätte ich aber auch gekonnt". Nur trägt der so Enttäuschte selbst halt kein Label mit der Aufschrift "Genie" und kein anderer mit dem gleichem Label klopft ihm wohlwollend-einvernehmlich auf die Schulter.  Weil er halt kein Künstler ist...</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Ich halte auch den zweiten Punkt von Wolfgang Hömig-Groß für wichtig in der Diskussion: Der Kunstbetrieb selbst schafft sich seine Künstler, indem er sie als &#8220;Eingeweihte&#8221;, oder weniger esoterisch formuliert als &#8220;Dazugehörige&#8221; definiert. Innerhalb dieser Künstler-Gruppe(n) ist das Selbermachen-Argument natürlich konstitutiv für die eigene künstlerische Methode. Zwei gleich- oder ähnlich gute Musiker würden wechselseitig den jeweils anderen - wenn sie sich &#8220;grün&#8221; sind - ohne völlig geniale Fähigkeiten trotzdem für einen guten Künstler halten und seine Musik für gute Kunst. Ähnlich ist es bei den bildenden Künstlern. Das hat nichts mit dem Sprichwort von den beiden Krähen zu tun - Künstler A akzeptiert und bewundert die Kunst von B, obwohl oder gerade weil er sie ebenfalls (re-)produzieren kann. Die eigenen künstlerischen Fertigkeiten schaffen so eine gemütliche &#8220;Community&#8221;, in der Innovation oder Genie oder Perfektion nicht mehr wichtig sind. Wichtig ist nur die Kunst selbst, das Handwerk, das etwas Künstlerisches erschafft.<br />
Für den &#8220;Außenstehenden&#8221;, der eben nicht als Künstler identifiziert ist und seine eigene Kreativität noch nicht erkannt hat oder schlicht für nicht allzu großartig hält, bleibt dabei natürlich der Eindruck zurück: &#8220;Das hätte ich aber auch gekonnt&#8221;. Nur trägt der so Enttäuschte selbst halt kein Label mit der Aufschrift &#8220;Genie&#8221; und kein anderer mit dem gleichem Label klopft ihm wohlwollend-einvernehmlich auf die Schulter.  Weil er halt kein Künstler ist&#8230;</p>
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		<title>By: Christian Voigt</title>
		<link>http://www.sprechblase.org/2007/06/18/ist-selbermachenkonnen-asthetisch-relevant-eine-mentale-vorbereitung-auf-den-documenta-besuch/#comment-92</link>
		<author>Christian Voigt</author>
		<pubDate>Tue, 19 Jun 2007 21:01:37 +0000</pubDate>
		<guid>http://www.sprechblase.org/2007/06/18/ist-selbermachenkonnen-asthetisch-relevant-eine-mentale-vorbereitung-auf-den-documenta-besuch/#comment-92</guid>
		<description>Danke für die Ergänzungen!

Zum ersten Punkt: Dieser Effekt ist auf jeden Fall relevant für die Bewertung der Leistung des Künstlers. Ich bin mir bloß unsicher dabei, wie wichtig er für die Bewertung des Kunstwerks ist (abgesehen natürlich von der Bewertung als monetärer Schätzung). Intuitiv würde ich auch sagen, dass es z.B. für einen Song einen Unterschied macht, ob der Sänger diese Melodie erfunden hat oder sie nur zum tausendsten Mal kopiert. Aber zugleich mißtraue ich auch dieser Intuition. Auf jeden Fall ist das ein relevanter Gesichtspunkt.

Zu zweitens: Originelle Ergänzung, die institutionellen Eigenarten des Kunstbetriebes im Kapitalismus habe ich natürlich total ausgeblendet. Unter anderem auch deswegen, weil sie natürlich eine der Ursachen dafür sind, warum sich viele so sehr über Kunst aufregen. Wäre sie billiger und würden ihre Botschafter bescheidener auftreten, wäre die Aufregung gewiss geringer.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Danke für die Ergänzungen!</p>
<p>Zum ersten Punkt: Dieser Effekt ist auf jeden Fall relevant für die Bewertung der Leistung des Künstlers. Ich bin mir bloß unsicher dabei, wie wichtig er für die Bewertung des Kunstwerks ist (abgesehen natürlich von der Bewertung als monetärer Schätzung). Intuitiv würde ich auch sagen, dass es z.B. für einen Song einen Unterschied macht, ob der Sänger diese Melodie erfunden hat oder sie nur zum tausendsten Mal kopiert. Aber zugleich mißtraue ich auch dieser Intuition. Auf jeden Fall ist das ein relevanter Gesichtspunkt.</p>
<p>Zu zweitens: Originelle Ergänzung, die institutionellen Eigenarten des Kunstbetriebes im Kapitalismus habe ich natürlich total ausgeblendet. Unter anderem auch deswegen, weil sie natürlich eine der Ursachen dafür sind, warum sich viele so sehr über Kunst aufregen. Wäre sie billiger und würden ihre Botschafter bescheidener auftreten, wäre die Aufregung gewiss geringer.</p>
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	<item>
		<title>By: Wolfgang Hömig-Groß</title>
		<link>http://www.sprechblase.org/2007/06/18/ist-selbermachenkonnen-asthetisch-relevant-eine-mentale-vorbereitung-auf-den-documenta-besuch/#comment-89</link>
		<author>Wolfgang Hömig-Groß</author>
		<pubDate>Tue, 19 Jun 2007 08:50:25 +0000</pubDate>
		<guid>http://www.sprechblase.org/2007/06/18/ist-selbermachenkonnen-asthetisch-relevant-eine-mentale-vorbereitung-auf-den-documenta-besuch/#comment-89</guid>
		<description>Ich möchte die Betrachtung kurz um zwei Effekte anreichern:
1. Der Ei-des-Kolumbus-Effekt.
Selbst wenn jemand ein Kunstwerk in mechanischer Hinsicht selbst produzieren könnte, bleibt die Tatsache, dass er es nicht als Erster getan hat. Und etwas Abzumalen ist ganz etwas anderes, als ein Original zu schaffen. Unter anderem braucht der Abmalende keine Betrachtungen über Wirkung, Effekt, Geschichte, Stil etc. vorzunehmen. Interessanter ist dann schon die Frage, ob denn etwa ein mit minimalem technischen Aufwand entstandenes Kunstwerk per se "schlechter" oder "kunstloser" ist als ein aufwendiges. Man erkennt schnell, dass das eine Sackgasse ist.
2. Der Wer-hat-eine-Stimme-Effekt.
Auch wenn ein "Amateur" Werke von ähnlicher Schöpfungstiefe produziert wie ein Künstler (lassen wir den Aufwand mal unberücksichtigt), bleibt der wundersame Effekt, dass er öffentlich nicht wahrgenommen wird. Das hat einerseits mit der Organisation des Kunstbetriebs zu tun, die sich selbst zu Künstlern erklärende Insider begünstigt, andererseits mit den nicht ganz rational zu erklärenden Wahrnehmungsvorgängen unserer Mediengesellschaft zu tun. Diese Bewertungsdifferenz wäre fast egal, wenn sie nicht auch der Bewertung des Publikums zugrunde liegen würde. Dieses wird sich mit einem ihm unbekannten Werk sicher  mehr schinden und es höher schätzen, wenn Picasso druntersteht und nicht Franz Müller - selbst wenn es eigentlich von meinem 7-jährigen Sohn ist.
Dieser letzte Effekt ist zumindest für unsere Gesellschaft durchgängig: Man glaubt Wolfgang Schäuble Sachen, für deren Äußerung ich gesteinigt werden würden - egal wie falsch und unsinnig sie sein mögen. Zusätzlich profitiert Schäuble natürlich davon, dass es im Sozialen so etwa wie "Wirklichkeit" (in dem Sinne, dass sie unbestritten ist) nicht gibt.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Ich möchte die Betrachtung kurz um zwei Effekte anreichern:<br />
1. Der Ei-des-Kolumbus-Effekt.<br />
Selbst wenn jemand ein Kunstwerk in mechanischer Hinsicht selbst produzieren könnte, bleibt die Tatsache, dass er es nicht als Erster getan hat. Und etwas Abzumalen ist ganz etwas anderes, als ein Original zu schaffen. Unter anderem braucht der Abmalende keine Betrachtungen über Wirkung, Effekt, Geschichte, Stil etc. vorzunehmen. Interessanter ist dann schon die Frage, ob denn etwa ein mit minimalem technischen Aufwand entstandenes Kunstwerk per se &#8220;schlechter&#8221; oder &#8220;kunstloser&#8221; ist als ein aufwendiges. Man erkennt schnell, dass das eine Sackgasse ist.<br />
2. Der Wer-hat-eine-Stimme-Effekt.<br />
Auch wenn ein &#8220;Amateur&#8221; Werke von ähnlicher Schöpfungstiefe produziert wie ein Künstler (lassen wir den Aufwand mal unberücksichtigt), bleibt der wundersame Effekt, dass er öffentlich nicht wahrgenommen wird. Das hat einerseits mit der Organisation des Kunstbetriebs zu tun, die sich selbst zu Künstlern erklärende Insider begünstigt, andererseits mit den nicht ganz rational zu erklärenden Wahrnehmungsvorgängen unserer Mediengesellschaft zu tun. Diese Bewertungsdifferenz wäre fast egal, wenn sie nicht auch der Bewertung des Publikums zugrunde liegen würde. Dieses wird sich mit einem ihm unbekannten Werk sicher  mehr schinden und es höher schätzen, wenn Picasso druntersteht und nicht Franz Müller - selbst wenn es eigentlich von meinem 7-jährigen Sohn ist.<br />
Dieser letzte Effekt ist zumindest für unsere Gesellschaft durchgängig: Man glaubt Wolfgang Schäuble Sachen, für deren Äußerung ich gesteinigt werden würden - egal wie falsch und unsinnig sie sein mögen. Zusätzlich profitiert Schäuble natürlich davon, dass es im Sozialen so etwa wie &#8220;Wirklichkeit&#8221; (in dem Sinne, dass sie unbestritten ist) nicht gibt.</p>
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