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	<title>Kommentare zu: Alles noch mal gut gegangen: Niere war nur ein Witz</title>
	<link>http://www.sprechblase.org/2007/06/02/alles-noch-mal-gut-gegangen-niere-war-nur-ein-witz/</link>
	<description>Sprache aus Luft</description>
	<pubDate>Tue, 06 Jan 2009 13:43:48 +0000</pubDate>
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	<item>
		<title>By: Eugen Pissarskoi</title>
		<link>http://www.sprechblase.org/2007/06/02/alles-noch-mal-gut-gegangen-niere-war-nur-ein-witz/#comment-64</link>
		<author>Eugen Pissarskoi</author>
		<pubDate>Sat, 02 Jun 2007 21:10:34 +0000</pubDate>
		<guid>http://www.sprechblase.org/2007/06/02/alles-noch-mal-gut-gegangen-niere-war-nur-ein-witz/#comment-64</guid>
		<description>Ich kann mir schon erklären, warum die faked Show als moralisch akzeptabel eingestuft wurde. Empörend fanden wir die Sendung aus folgenden Gründen:

1. Darin wurde ausgenutzt, dass einige Dialyse-Patienten in einer ausweglosen Situation stehen, um sie dazu zu bringen, sich einem Publikum anzubiedern, über ihre 
Privatsphäre zu erzählen, um eine überlebenswichtige Niere zu bekommen. 

2. Wir akzeptieren es nicht, dass Menschen miteinander konkurrieren müssen, wenn ihr Leben auf dem Spiel steht. Und noch weniger, wenn dieser Wettbewerb öffentlich ausgestrahlt wird.

3. Wir finden es verstörend, dass ein Publikum lebenswichtige Entscheidungen treffen darf, von dem nicht gewährleistet werden kann, dass es diese Entscheidung mit gehöriger Sorgfalt trifft. 

4. Schließlich: das öffentliche Verfolgen der Gefühle der Menschen, die auf etwas hoffen, was von überlebenswichtiger Relevanz für sie ist, und auch das Zusehen beim Enttäuschen dieser Hoffnung erscheint uns als die Menschenwürde verletzend. 

Da die Show eine Fiktion war, treffen diese vier Gründe nicht zu, auch wenn die Zuschauer davon nichts wussten:

1. Die Patienten mussten sich nicht den Zuschauern anbiedern.
2. Sie mussten nicht miteinander konkurrieren.
3. Das Publikum durfte keine lebenswichtigen Entscheidungen treffen.
4. Das Publikum konnte nicht die wirklichen Gefühle der Kandidaten verfolgen.

Ich glaube trotzdem, dass die Sendung eine interessante moralische Frage aufgeworfen hat:

Darf man absichtlich mit falschen Aussagen Empörung der Öffentlichkeit auslösen, um damit ihre Aufmerksamkeit auf ein gutes Ziel zu lenken? 

Christians Rekonstruktion des Arguments von Drillich lässt sich folgende Bejahung der Frage entnehmen:

&lt;blockquote&gt; &lt;a href="http://www.sprechblase.org/?p=62" title="Was ist geschmackloser: Realität oder Reality-TV? Die moralische Entrüstung über Endemols Nierenshow" rel="nofollow"&gt;(1) Wenn x herbeigeführt werden soll und dies nur oder am effektivsten dadurch geschehen kann, dass y herbeigeführt wird, dann muss y herbeigeführt werden, solange y oder Folgen von y nicht schlimmer sind, als das Ausbleiben von x.&lt;/a&gt;&lt;/blockquote&gt;
(2) x: Lenken der Aufmerksamkeit auf ein gutes Ziel
(3) y: Auslösen der Empörung der Öffentlichkeit mit falschen Aussagen
Ergo: Öffentlichkeit muss mit falschen Aussagen zur Empörung gebracht werden, solange die Folgen der Empörung nicht schlimmer sind als das Ausbleiben der Aufmerksamkeit auf ein gutes Ziel

Ich würde die Prämisse (1) akzeptieren, wenn sie lautete: Das einzige Mittel, x zu realisieren, besteht darin, y herbeizuführen (hier: das einzige Mittel, Aufmerksamkeit auf Nierenspendesituation zu lenken, besteht darin, die Gefühle der Öffentlichkeit zu manipulieren)

Ich finde (1) jedoch problematisch, wenn sie auch den „effektivsten“ Weg rechtfertigen will. 
Sei A der effektivste Weg, die Aufmerksamkeit auf ein gutes Ziel zu lenken. Er ist aber moralisch zweifelhaft, da dabei die Gefühle der Öffentlichkeit manipuliert werden. Doch es gilt: Die Folgen von A sind weniger schlimm als das Ausbleiben der Aufmerksamkeit auf das gute Ziel. 
Sei B ein weniger effektiver Weg als A,  der aber keine moralischen Nachteile hat.  
Ich bin mir nicht sicher, ob wir uns stets für A und gegen B entscheiden würden, nur weil A effektiver ist. 

Übertragen auf das eigentliche Beispiel:
Ich weiß nicht, warum ein Spielfilm, ein Doku, notfalls eine Werbekampagne alles weniger gute Mittel sind, um die Aufmerksamkeit auf das Problem des Nierenmangels zu lenken als ein Spiel mit den Gefühlen der Öffentlichkeit.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Ich kann mir schon erklären, warum die faked Show als moralisch akzeptabel eingestuft wurde. Empörend fanden wir die Sendung aus folgenden Gründen:</p>
<p>1. Darin wurde ausgenutzt, dass einige Dialyse-Patienten in einer ausweglosen Situation stehen, um sie dazu zu bringen, sich einem Publikum anzubiedern, über ihre<br />
Privatsphäre zu erzählen, um eine überlebenswichtige Niere zu bekommen. </p>
<p>2. Wir akzeptieren es nicht, dass Menschen miteinander konkurrieren müssen, wenn ihr Leben auf dem Spiel steht. Und noch weniger, wenn dieser Wettbewerb öffentlich ausgestrahlt wird.</p>
<p>3. Wir finden es verstörend, dass ein Publikum lebenswichtige Entscheidungen treffen darf, von dem nicht gewährleistet werden kann, dass es diese Entscheidung mit gehöriger Sorgfalt trifft. </p>
<p>4. Schließlich: das öffentliche Verfolgen der Gefühle der Menschen, die auf etwas hoffen, was von überlebenswichtiger Relevanz für sie ist, und auch das Zusehen beim Enttäuschen dieser Hoffnung erscheint uns als die Menschenwürde verletzend. </p>
<p>Da die Show eine Fiktion war, treffen diese vier Gründe nicht zu, auch wenn die Zuschauer davon nichts wussten:</p>
<p>1. Die Patienten mussten sich nicht den Zuschauern anbiedern.<br />
2. Sie mussten nicht miteinander konkurrieren.<br />
3. Das Publikum durfte keine lebenswichtigen Entscheidungen treffen.<br />
4. Das Publikum konnte nicht die wirklichen Gefühle der Kandidaten verfolgen.</p>
<p>Ich glaube trotzdem, dass die Sendung eine interessante moralische Frage aufgeworfen hat:</p>
<p>Darf man absichtlich mit falschen Aussagen Empörung der Öffentlichkeit auslösen, um damit ihre Aufmerksamkeit auf ein gutes Ziel zu lenken? </p>
<p>Christians Rekonstruktion des Arguments von Drillich lässt sich folgende Bejahung der Frage entnehmen:</p>
<blockquote><p> <a href="http://www.sprechblase.org/?p=62" title="Was ist geschmackloser: Realität oder Reality-TV? Die moralische Entrüstung über Endemols Nierenshow" rel="nofollow">(1) Wenn x herbeigeführt werden soll und dies nur oder am effektivsten dadurch geschehen kann, dass y herbeigeführt wird, dann muss y herbeigeführt werden, solange y oder Folgen von y nicht schlimmer sind, als das Ausbleiben von x.</a></p></blockquote>
<p>(2) x: Lenken der Aufmerksamkeit auf ein gutes Ziel<br />
(3) y: Auslösen der Empörung der Öffentlichkeit mit falschen Aussagen<br />
Ergo: Öffentlichkeit muss mit falschen Aussagen zur Empörung gebracht werden, solange die Folgen der Empörung nicht schlimmer sind als das Ausbleiben der Aufmerksamkeit auf ein gutes Ziel</p>
<p>Ich würde die Prämisse (1) akzeptieren, wenn sie lautete: Das einzige Mittel, x zu realisieren, besteht darin, y herbeizuführen (hier: das einzige Mittel, Aufmerksamkeit auf Nierenspendesituation zu lenken, besteht darin, die Gefühle der Öffentlichkeit zu manipulieren)</p>
<p>Ich finde (1) jedoch problematisch, wenn sie auch den „effektivsten“ Weg rechtfertigen will.<br />
Sei A der effektivste Weg, die Aufmerksamkeit auf ein gutes Ziel zu lenken. Er ist aber moralisch zweifelhaft, da dabei die Gefühle der Öffentlichkeit manipuliert werden. Doch es gilt: Die Folgen von A sind weniger schlimm als das Ausbleiben der Aufmerksamkeit auf das gute Ziel.<br />
Sei B ein weniger effektiver Weg als A,  der aber keine moralischen Nachteile hat.<br />
Ich bin mir nicht sicher, ob wir uns stets für A und gegen B entscheiden würden, nur weil A effektiver ist. </p>
<p>Übertragen auf das eigentliche Beispiel:<br />
Ich weiß nicht, warum ein Spielfilm, ein Doku, notfalls eine Werbekampagne alles weniger gute Mittel sind, um die Aufmerksamkeit auf das Problem des Nierenmangels zu lenken als ein Spiel mit den Gefühlen der Öffentlichkeit.</p>
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	<item>
		<title>By: Vincent Vallo</title>
		<link>http://www.sprechblase.org/2007/06/02/alles-noch-mal-gut-gegangen-niere-war-nur-ein-witz/#comment-61</link>
		<author>Vincent Vallo</author>
		<pubDate>Sat, 02 Jun 2007 15:24:02 +0000</pubDate>
		<guid>http://www.sprechblase.org/2007/06/02/alles-noch-mal-gut-gegangen-niere-war-nur-ein-witz/#comment-61</guid>
		<description>Also ich find das echt schlimm, mit einer solchen Methode die Leute über die Organspende aufzuklären, scheint aber wohl die einzigste effektive Möglichkeit zu sein.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Also ich find das echt schlimm, mit einer solchen Methode die Leute über die Organspende aufzuklären, scheint aber wohl die einzigste effektive Möglichkeit zu sein.</p>
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	</item>
	<item>
		<title>By: Matthias Kiesselbach</title>
		<link>http://www.sprechblase.org/2007/06/02/alles-noch-mal-gut-gegangen-niere-war-nur-ein-witz/#comment-59</link>
		<author>Matthias Kiesselbach</author>
		<pubDate>Sat, 02 Jun 2007 10:36:13 +0000</pubDate>
		<guid>http://www.sprechblase.org/2007/06/02/alles-noch-mal-gut-gegangen-niere-war-nur-ein-witz/#comment-59</guid>
		<description>So etwas hatte ich auch zuerst gedacht. "Wirklich" oder "fiktiv" ist völlig irrelevant, so lange die Show genauso ist, wie sie ist. Übrigens bis kurz vor den Schluss ja auch ohne Hinweis auf die Fiktion.

Andererseits hängen die moralischen Intuitionen normaler Menschen (mich eingerechnet) schon sehr stark davon ab, was "real" ist und was nicht. (Siehe: Die Enttäuschung gewöhnlicher Museumsbesucher, wenn sie - selbst nach Jahren - erfahren, dass die Mona Lisa, die sie im Louvre gesehen hatten, nicht echt war; Robert Nozicks Artikel über die Experience Machine; das Komische daran zu sagen: OK, betrüge mich, aber sag mir nichts davon; etc. pp.) Ja, die merkwürdige Aura des Realen... in diesem Fall war sie es wohl, die die Empörten besänftigt hat.

Natürlich zusammen mit der Tatsache, dass die Produzenten jetzt ganz feine Kerls sind.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>So etwas hatte ich auch zuerst gedacht. &#8220;Wirklich&#8221; oder &#8220;fiktiv&#8221; ist völlig irrelevant, so lange die Show genauso ist, wie sie ist. Übrigens bis kurz vor den Schluss ja auch ohne Hinweis auf die Fiktion.</p>
<p>Andererseits hängen die moralischen Intuitionen normaler Menschen (mich eingerechnet) schon sehr stark davon ab, was &#8220;real&#8221; ist und was nicht. (Siehe: Die Enttäuschung gewöhnlicher Museumsbesucher, wenn sie - selbst nach Jahren - erfahren, dass die Mona Lisa, die sie im Louvre gesehen hatten, nicht echt war; Robert Nozicks Artikel über die Experience Machine; das Komische daran zu sagen: OK, betrüge mich, aber sag mir nichts davon; etc. pp.) Ja, die merkwürdige Aura des Realen&#8230; in diesem Fall war sie es wohl, die die Empörten besänftigt hat.</p>
<p>Natürlich zusammen mit der Tatsache, dass die Produzenten jetzt ganz feine Kerls sind.</p>
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	</item>
	<item>
		<title>By: Christian Voigt</title>
		<link>http://www.sprechblase.org/2007/06/02/alles-noch-mal-gut-gegangen-niere-war-nur-ein-witz/#comment-58</link>
		<author>Christian Voigt</author>
		<pubDate>Sat, 02 Jun 2007 10:25:32 +0000</pubDate>
		<guid>http://www.sprechblase.org/2007/06/02/alles-noch-mal-gut-gegangen-niere-war-nur-ein-witz/#comment-58</guid>
		<description>dabei hat sich doch eigentlich nichts geändert: die show lief ja dennoch genauso ab wie angekündigt, die zuschauer konnten anrufen und abstimmen. Wer also vorher meinte, dass die Show zynisch und menschenverachtend sei, der müsste das doch eigentlich jetzt noch immer denken. Dafür ist doch die Frage, ob das, was da gezeigt wurde "wirklich" oder nur "fiktiv" ist, vollkommen irrelevant. Oder nicht?

der wesentliche unterschied besteht wohl darin, dass nun niemand mehr den produzenten böse intentionen unterstellen kann. "Zynisch" und "menschenverachtend" scheinen also im Sprachgebrauch wirklich Prädikate zu sein, die erst nach der Unterstellung von Absichten zugeschrieben werden können. Mir erscheint das allerdings sehr zweifelhaft.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>dabei hat sich doch eigentlich nichts geändert: die show lief ja dennoch genauso ab wie angekündigt, die zuschauer konnten anrufen und abstimmen. Wer also vorher meinte, dass die Show zynisch und menschenverachtend sei, der müsste das doch eigentlich jetzt noch immer denken. Dafür ist doch die Frage, ob das, was da gezeigt wurde &#8220;wirklich&#8221; oder nur &#8220;fiktiv&#8221; ist, vollkommen irrelevant. Oder nicht?</p>
<p>der wesentliche unterschied besteht wohl darin, dass nun niemand mehr den produzenten böse intentionen unterstellen kann. &#8220;Zynisch&#8221; und &#8220;menschenverachtend&#8221; scheinen also im Sprachgebrauch wirklich Prädikate zu sein, die erst nach der Unterstellung von Absichten zugeschrieben werden können. Mir erscheint das allerdings sehr zweifelhaft.</p>
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