<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><!-- generator="wordpress/2.2" -->
<rss version="2.0" 
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/">
<channel>
	<title>Kommentare zu: Warum ich nicht nach Heiligendamm fahre</title>
	<link>http://www.sprechblase.org/2007/05/22/warum-ich-nicht-nach-heiligendamm-fahre/</link>
	<description>Sprache aus Luft</description>
	<pubDate>Sun, 05 Feb 2012 13:24:21 +0000</pubDate>
	<generator>http://wordpress.org/?v=2.2</generator>

	<item>
		<title>By: Matthias Kiesselbach</title>
		<link>http://www.sprechblase.org/2007/05/22/warum-ich-nicht-nach-heiligendamm-fahre/#comment-112</link>
		<author>Matthias Kiesselbach</author>
		<pubDate>Thu, 28 Jun 2007 08:17:24 +0000</pubDate>
		<guid>http://www.sprechblase.org/2007/05/22/warum-ich-nicht-nach-heiligendamm-fahre/#comment-112</guid>
		<description>manueller trackback auf &lt;a href="http://www.inforadio.de/static/dyn2sta_article/310/188310_article.shtml" title="Inforadio über die G8-Proteste" rel="nofollow"&gt;Inforadio RBB&lt;/a&gt;</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>manueller trackback auf <a href="http://www.inforadio.de/static/dyn2sta_article/310/188310_article.shtml" title="Inforadio über die G8-Proteste" rel="nofollow">Inforadio RBB</a></p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>By: Matthias Kiesselbach</title>
		<link>http://www.sprechblase.org/2007/05/22/warum-ich-nicht-nach-heiligendamm-fahre/#comment-73</link>
		<author>Matthias Kiesselbach</author>
		<pubDate>Tue, 05 Jun 2007 15:45:48 +0000</pubDate>
		<guid>http://www.sprechblase.org/2007/05/22/warum-ich-nicht-nach-heiligendamm-fahre/#comment-73</guid>
		<description>&lt;p&gt;Vielen Dank für das nette Feedback!&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Sicher hast Du recht damit, dass bestimmte Leute durch die Sprechminuten auf der Tribüne oder durch die inhaltlichen Veranstaltung am Rand der Demo eine Chance bekommen, wichtige Sachen zu sagen. Die dann auch evtl. gehört werden. Vielleicht sogar ernster genommen werden, als sie es ohne Demo würden. Bin mir nicht sicher, wie relevant dies ist, aber ich akzeptiere diesen Punkt gerne.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Was das Ideal der politischen Kommunikation angeht, das Du skizzierst, oder, besser gesagt: implizierst: Natürlich ist an diesem Kantischen/ Habermasschen Ideal was dran. Am schönsten wäre es ja auch, wenn jede Talkshow schriftlich ausgetragen würde. Dann gewinnen nämlich Argumente eher. Andererseits finde ich es wichtig, dass konkrete Forderungen (also auch: lieber nicht protestieren zu gehen) am besten nicht an solch ferne Ideale geheftet werden. Starke immanente Kritik arbeitet besser ohne sie. Aber dies ist nur so eine Erwägung vor dem Hintergrund grundsätzlicher Zustimmung.&lt;/p&gt;</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Vielen Dank für das nette Feedback!</p>
<p>Sicher hast Du recht damit, dass bestimmte Leute durch die Sprechminuten auf der Tribüne oder durch die inhaltlichen Veranstaltung am Rand der Demo eine Chance bekommen, wichtige Sachen zu sagen. Die dann auch evtl. gehört werden. Vielleicht sogar ernster genommen werden, als sie es ohne Demo würden. Bin mir nicht sicher, wie relevant dies ist, aber ich akzeptiere diesen Punkt gerne.</p>
<p>Was das Ideal der politischen Kommunikation angeht, das Du skizzierst, oder, besser gesagt: implizierst: Natürlich ist an diesem Kantischen/ Habermasschen Ideal was dran. Am schönsten wäre es ja auch, wenn jede Talkshow schriftlich ausgetragen würde. Dann gewinnen nämlich Argumente eher. Andererseits finde ich es wichtig, dass konkrete Forderungen (also auch: lieber nicht protestieren zu gehen) am besten nicht an solch ferne Ideale geheftet werden. Starke immanente Kritik arbeitet besser ohne sie. Aber dies ist nur so eine Erwägung vor dem Hintergrund grundsätzlicher Zustimmung.</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>By: soeren onez</title>
		<link>http://www.sprechblase.org/2007/05/22/warum-ich-nicht-nach-heiligendamm-fahre/#comment-72</link>
		<author>soeren onez</author>
		<pubDate>Tue, 05 Jun 2007 14:59:22 +0000</pubDate>
		<guid>http://www.sprechblase.org/2007/05/22/warum-ich-nicht-nach-heiligendamm-fahre/#comment-72</guid>
		<description>ich danke dir für die Verlinkung, vor allem weil ich sonst vielleicht nie auf diesen Blog aufmerksam geworden wäre. Ich bin begeistern, nicht nur von diesem Artikel, zu dem ich mich gerade ausser Stande sehe, etwas substanzielles hinzuzufügen. Mein Beitrag geht in eine ähnliche Richtung, nur das ich nicht sonderlich genau mit den Feinheiten umgegangen bin. 
Allerdings sehe ich schon einen möglichen Wert in solchen Demonstrationen, wenn auch vielleicht nicht unbedingt für das Individuum. Durch die Masse solcher Demonstrationen wird den Rednern, wie z.B. Nobelpreisträger Wallo, eine Bühne gegeben, die sie ihre individuellen Idee/Forderungen stellen lässt. Mit Nachdruck der Massen. Ob und wie weit dabei tragbares oder politische Forderungen entwickelt werden können, spielt dafür dann keien Rolle, denn das ist Arbeit, die vor solchen Verantsalltungen geleistet wird und werden muss. 
Es spielt dann auch keine Rolle, ob jeder der Teilnehmer einer solchen Demo mit den ideen des Redners übereinstimmt, solange sich die Demo nicht auflöst, verleit sie dem Redner Nachdruck und politische Relevanz. Das kann ein Wert sein. Ich sehe diese Schaubildung eher als ein unwert, weshalb ich meinen Artikel auch geschrieben habe und meine das auf beide Seiten dieses Gipfels bezogen. Sobald Politik zum medialen kampf wird, verliert immer die Sache und deshalb stehe ich der Demonstration dieser Größe skeptisch gegenüber, allerdinsg keinen Sinn darin zu sehen, würde mir zu weit gehen.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>ich danke dir für die Verlinkung, vor allem weil ich sonst vielleicht nie auf diesen Blog aufmerksam geworden wäre. Ich bin begeistern, nicht nur von diesem Artikel, zu dem ich mich gerade ausser Stande sehe, etwas substanzielles hinzuzufügen. Mein Beitrag geht in eine ähnliche Richtung, nur das ich nicht sonderlich genau mit den Feinheiten umgegangen bin.<br />
Allerdings sehe ich schon einen möglichen Wert in solchen Demonstrationen, wenn auch vielleicht nicht unbedingt für das Individuum. Durch die Masse solcher Demonstrationen wird den Rednern, wie z.B. Nobelpreisträger Wallo, eine Bühne gegeben, die sie ihre individuellen Idee/Forderungen stellen lässt. Mit Nachdruck der Massen. Ob und wie weit dabei tragbares oder politische Forderungen entwickelt werden können, spielt dafür dann keien Rolle, denn das ist Arbeit, die vor solchen Verantsalltungen geleistet wird und werden muss.<br />
Es spielt dann auch keine Rolle, ob jeder der Teilnehmer einer solchen Demo mit den ideen des Redners übereinstimmt, solange sich die Demo nicht auflöst, verleit sie dem Redner Nachdruck und politische Relevanz. Das kann ein Wert sein. Ich sehe diese Schaubildung eher als ein unwert, weshalb ich meinen Artikel auch geschrieben habe und meine das auf beide Seiten dieses Gipfels bezogen. Sobald Politik zum medialen kampf wird, verliert immer die Sache und deshalb stehe ich der Demonstration dieser Größe skeptisch gegenüber, allerdinsg keinen Sinn darin zu sehen, würde mir zu weit gehen.</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>By: Eva von Redecker</title>
		<link>http://www.sprechblase.org/2007/05/22/warum-ich-nicht-nach-heiligendamm-fahre/#comment-47</link>
		<author>Eva von Redecker</author>
		<pubDate>Fri, 25 May 2007 12:22:34 +0000</pubDate>
		<guid>http://www.sprechblase.org/2007/05/22/warum-ich-nicht-nach-heiligendamm-fahre/#comment-47</guid>
		<description>Warum ich nach Heiligendamm fahre

Nachdem ich mir mit dem Gegenmanifest so viel Zeit gelassen habe, zerfällt es nun in zwei Teile. Der Erste findet sich hier als Kommentar und erklärt, warum das Manifest mich nicht überzeugt hat, zu Hause zu bleiben.
Der zweite (noch ausstehende) wird dann davon handeln, warum ich fahre, denn das überschneidet sich nur minimal mit den Gründen, warum ich es nicht richtig finde, zu Hause zu bleiben.
Du gehst davon aus, dass im Zentrum einer Demo eine Behauptung stünde. Das scheint mir überhaupt nicht der Fall zu sein. Es wäre mir neu, dass Demonstrationen eine Institution unseres politischen Systems sind, eine Art Bürger_innenparade, die dem Entscheidungsträger eine distinkte Forderung enthüllt, der daraufhin stattgegeben werden kann oder nicht. Eine Behauptung steht (hoffentlich) im Zentrum einer parlamentarischen Gesetzesinitiative. Dort hat dann auch der so rührend eingeführte „demokratische Entscheidungsträger“ seinen Platz und macht eine weit weniger tragische Figur. 
Vielleicht gibt es einige solcher Demos, wie Du sie für sinnvoller hältst, aber das heißt nicht, dass die anderen sich disqualifiziert haben. Selbst im Rahmen des gesamten G8-Protestes, der ja weit mehr umfasst als die Demo am 02.06. in Rostock, um die wir uns hier streiten (weshalb es etwas irreführend ist mit dem Nach-Heiligendamm-Fahren zu überschreiben), finden sich solche. Darunter ist zum Beispiel eine gegen den Ausbau des Flughafens Rostock-Lage, eine dagegen die Heidelandschaft zum Luftwaffentestgebiet „Bombodrom“ zu machen, es gibt einen Aktionstag zur Landwirtschaftspolitik der G8 und es gibt eben die vielen Camps und Sitzblockade-Vorhaben, die sich mehr als Interventionen, denn als Demonstrationen verstehen. 
Aber zurück zu der Großdemo, deren voraussichtliche Vielstimmigkeit Du sicher richtig vorhersagst. Wenn man ihren Sinn und Daseinszweck auf eine eindeutige semantische Signifikanz beschränkt, ist sie in der Tat fehl am Platze (zum Scheitern verurteilt). Aber meiner Meinung nach spricht vieles dafür, dass diese Beschränkung das eigentlich Unsinnige ist. Demonstrationen sind zunächst einmal Ausdruck von Unzufriedenheit und vermitteln gleichzeitig eine Art Aufbruchstimmung. Unbehagen richtet sich zumeist nicht auf einen einzigen Punkt, sondern richtet sich, wenn nicht auf „das Ganze“, dann auf weite Teile dessen, was unsere Lebenszusammenhänge prägt. Das Unbehagen, das sich gegenwärtig die G8 zum symbolischen Gegner erkoren hat, richtet sich dagegen, dass wirtschaftliche „Zwänge“, d. h. Effizienz- und Profiterwägungen von Unternehmen inzwischen einen ganz erheblichen Einfluss auf die Existenzbedingungen von Menschen ausüben, die gegenüber diesen „Mächten“ in keiner Weise demokratisch verfasst sind.(Menschen sind eigentlich nie „demokratisch verfasst“, verstehe den Punkt, aber besser anders formulieren.) Das Demonstrationsrecht ist auch ein Recht, spontan, empört und wütend auf die Straße zu gehen, auch wenn man selbst nicht weiß, was zu tun ist um die Zustände zu verbessern. Ich finde es gibt genug Anlass zu Wut und Empörung, wenn man in die Welt schaut. Oder, weniger emotional: Anlass zu finden, dass vieles falsch läuft. Ich finde es falsch, wenn Entwicklungshilfekredite mit der Bedingung der Marktöffnung einhergehen. Ich finde es falsch, wenn in Ländern wie Argentinien und Brasilien systematisch Regenwälder und kleinbäuerliche Landwirtschaft vernichtet werden, um auf den Flächen in Monokultur genmanipulierte Sojasorten anzubauen, die exportiert werden, um genug europäische Schweine zu mästen, damit wir unser Übergewicht halten können. Und es erschiene mir naiv zu glauben, man könnte innerhalb des bestehenden weltpolitischen Rahmens dieses und alle die anderen genauso vertraut klingenden Missstände in aller Ruhe beseitigen. Wenn es so wäre, wie Du forderst, dass die Demo eine eindeutige Forderung präsentieren könnte, für die (Forderung, für die? Forderung an, würde ich sagen) es zudem ein demokratisch legitimiertes und mit der nötigen Exekutivgewalt ausgestattetes Gegenüber gäbe, dann bräuchten wir sie gar nicht mehr. Dann wäre das Problem nämlich bereits größtenteils gelöst.
Stattdessen finde ich es hochgradig sinnvoll, an optimistisch-abstrakten Formeln festzuhalten. „Eine andere Welt ist möglich.“ Oder eben: „Mehr Gerechtigkeit.“ Gerade dass Du feststellst, das würde doch eigentlich jeder wollen, sollte doch misstrauisch machen. Anscheinend reicht es nicht, das zu wollen. Vielleicht bewegt es mehr, es mit Vehemenz vorzubringen. Wenn die G8 Teile ihrer Politik umgestalten, dann doch nicht, weil sie plötzlich entdeckt haben, dass eine Demo eine vernünftige Forderung vorgebracht hat, sondern weil sie in die Lage geraten, den nächsten Gipfel auf dem Mond abhalten zu müssen, wenn sich nicht etwas an der Ungerechtigkeit ändert, die so viele verschiedene Menschen dazu bewegt, ihr Unbehagen auf die Strasse zu tragen.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Warum ich nach Heiligendamm fahre</p>
<p>Nachdem ich mir mit dem Gegenmanifest so viel Zeit gelassen habe, zerfällt es nun in zwei Teile. Der Erste findet sich hier als Kommentar und erklärt, warum das Manifest mich nicht überzeugt hat, zu Hause zu bleiben.<br />
Der zweite (noch ausstehende) wird dann davon handeln, warum ich fahre, denn das überschneidet sich nur minimal mit den Gründen, warum ich es nicht richtig finde, zu Hause zu bleiben.<br />
Du gehst davon aus, dass im Zentrum einer Demo eine Behauptung stünde. Das scheint mir überhaupt nicht der Fall zu sein. Es wäre mir neu, dass Demonstrationen eine Institution unseres politischen Systems sind, eine Art Bürger_innenparade, die dem Entscheidungsträger eine distinkte Forderung enthüllt, der daraufhin stattgegeben werden kann oder nicht. Eine Behauptung steht (hoffentlich) im Zentrum einer parlamentarischen Gesetzesinitiative. Dort hat dann auch der so rührend eingeführte „demokratische Entscheidungsträger“ seinen Platz und macht eine weit weniger tragische Figur.<br />
Vielleicht gibt es einige solcher Demos, wie Du sie für sinnvoller hältst, aber das heißt nicht, dass die anderen sich disqualifiziert haben. Selbst im Rahmen des gesamten G8-Protestes, der ja weit mehr umfasst als die Demo am 02.06. in Rostock, um die wir uns hier streiten (weshalb es etwas irreführend ist mit dem Nach-Heiligendamm-Fahren zu überschreiben), finden sich solche. Darunter ist zum Beispiel eine gegen den Ausbau des Flughafens Rostock-Lage, eine dagegen die Heidelandschaft zum Luftwaffentestgebiet „Bombodrom“ zu machen, es gibt einen Aktionstag zur Landwirtschaftspolitik der G8 und es gibt eben die vielen Camps und Sitzblockade-Vorhaben, die sich mehr als Interventionen, denn als Demonstrationen verstehen.<br />
Aber zurück zu der Großdemo, deren voraussichtliche Vielstimmigkeit Du sicher richtig vorhersagst. Wenn man ihren Sinn und Daseinszweck auf eine eindeutige semantische Signifikanz beschränkt, ist sie in der Tat fehl am Platze (zum Scheitern verurteilt). Aber meiner Meinung nach spricht vieles dafür, dass diese Beschränkung das eigentlich Unsinnige ist. Demonstrationen sind zunächst einmal Ausdruck von Unzufriedenheit und vermitteln gleichzeitig eine Art Aufbruchstimmung. Unbehagen richtet sich zumeist nicht auf einen einzigen Punkt, sondern richtet sich, wenn nicht auf „das Ganze“, dann auf weite Teile dessen, was unsere Lebenszusammenhänge prägt. Das Unbehagen, das sich gegenwärtig die G8 zum symbolischen Gegner erkoren hat, richtet sich dagegen, dass wirtschaftliche „Zwänge“, d. h. Effizienz- und Profiterwägungen von Unternehmen inzwischen einen ganz erheblichen Einfluss auf die Existenzbedingungen von Menschen ausüben, die gegenüber diesen „Mächten“ in keiner Weise demokratisch verfasst sind.(Menschen sind eigentlich nie „demokratisch verfasst“, verstehe den Punkt, aber besser anders formulieren.) Das Demonstrationsrecht ist auch ein Recht, spontan, empört und wütend auf die Straße zu gehen, auch wenn man selbst nicht weiß, was zu tun ist um die Zustände zu verbessern. Ich finde es gibt genug Anlass zu Wut und Empörung, wenn man in die Welt schaut. Oder, weniger emotional: Anlass zu finden, dass vieles falsch läuft. Ich finde es falsch, wenn Entwicklungshilfekredite mit der Bedingung der Marktöffnung einhergehen. Ich finde es falsch, wenn in Ländern wie Argentinien und Brasilien systematisch Regenwälder und kleinbäuerliche Landwirtschaft vernichtet werden, um auf den Flächen in Monokultur genmanipulierte Sojasorten anzubauen, die exportiert werden, um genug europäische Schweine zu mästen, damit wir unser Übergewicht halten können. Und es erschiene mir naiv zu glauben, man könnte innerhalb des bestehenden weltpolitischen Rahmens dieses und alle die anderen genauso vertraut klingenden Missstände in aller Ruhe beseitigen. Wenn es so wäre, wie Du forderst, dass die Demo eine eindeutige Forderung präsentieren könnte, für die (Forderung, für die? Forderung an, würde ich sagen) es zudem ein demokratisch legitimiertes und mit der nötigen Exekutivgewalt ausgestattetes Gegenüber gäbe, dann bräuchten wir sie gar nicht mehr. Dann wäre das Problem nämlich bereits größtenteils gelöst.<br />
Stattdessen finde ich es hochgradig sinnvoll, an optimistisch-abstrakten Formeln festzuhalten. „Eine andere Welt ist möglich.“ Oder eben: „Mehr Gerechtigkeit.“ Gerade dass Du feststellst, das würde doch eigentlich jeder wollen, sollte doch misstrauisch machen. Anscheinend reicht es nicht, das zu wollen. Vielleicht bewegt es mehr, es mit Vehemenz vorzubringen. Wenn die G8 Teile ihrer Politik umgestalten, dann doch nicht, weil sie plötzlich entdeckt haben, dass eine Demo eine vernünftige Forderung vorgebracht hat, sondern weil sie in die Lage geraten, den nächsten Gipfel auf dem Mond abhalten zu müssen, wenn sich nicht etwas an der Ungerechtigkeit ändert, die so viele verschiedene Menschen dazu bewegt, ihr Unbehagen auf die Strasse zu tragen.</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>By: Matthias Kiesselbach</title>
		<link>http://www.sprechblase.org/2007/05/22/warum-ich-nicht-nach-heiligendamm-fahre/#comment-46</link>
		<author>Matthias Kiesselbach</author>
		<pubDate>Fri, 25 May 2007 08:44:50 +0000</pubDate>
		<guid>http://www.sprechblase.org/2007/05/22/warum-ich-nicht-nach-heiligendamm-fahre/#comment-46</guid>
		<description>&lt;p&gt;Ich bin mir nicht sicher, wie sehr mich diese zwei Punkte beeindrucken: 1. Das ist auf allen Demos so, 2. Die einzige Alternative (zuhause bleiben) ist noch weniger attraktiv.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Mir scheint - zum ersten Punkt - dass ganz und gar nicht alle Demos (und übrigens auch nicht alle Parteien) von der gleichen Divergenz und Inkonsistenz der Forderungen ihrer Teilnehmer betroffen sind. Es gibt ein ganzes Kontinuum, sogar mehrere auf mehreren Achsen, und jede Demonstration ist da anders. Es ist wenig hilfreich darauf hinzuweisen, dass jede Demo einen gewissen Anteil an Inkonsistenz mitträgt. Worauf es ankommt ist: Wie viel? Und wie zentral?&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Zweitens: Man kann tausend Sachen machen - alle mit unterschiedlichen Erfolgschancen und Wirkungsgraden. Demonstrieren ist eine. Artikel schreiben ist eine andere. Mit Freunden reden wieder eine andere. Auf einem Alternativ-Gipfel inhaltlich arbeiten eine vierte. Und so weiter. Alle sind in ihrer Wirkung - wenn wir ein einzelnes Individuum betrachten - bescheiden. Manche sind in ihrer Wirkung - wenn wir Gruppen betrachten - etwas weniger bescheiden. Ich argumentiere, dass das Demonstrieren im vorliegenden Fall keine glückliche Wahl ist, that's all.&lt;/p&gt;
&lt;p&gt;Ich bin mir nicht ganz sicher, aber es sieht für mich so aus, dass &lt;i&gt;selbst&lt;/i&gt;, wenn das Zuhausebleiben &lt;i&gt;wirklich&lt;/i&gt; die einzige Alternative wäre, ich dies dem Demonstrieren vorziehen würde. Das hängt natürlich davon ab, ob falsches Demonstrieren sozusagen im Wert völlig neutral oder (leicht) negativ ist. Für letzteres spricht, dass Handlungen, die nicht im rechten Bewusstsein ihrer Signifikanz bzw. Insignifikanz geschehen, und dass ein allzu sicheres moralisches Überlegenheitsgefühl oft eine ärgerliche Sache sind. Das will ich Dir keinesfalls unterstellen, es ist aber bei vielen Demos ganz schön störend. Nun - ich sehe das alles auch nicht so dramatisch, aber eher deswegen, weil ich glaube, dass der Wert der G8-Demos nicht weit entfernt vom Nullpunkt ist, mit welchem Vorzeichen auch immer. Übrigens: Vielleicht schaue ich mal auf dem Alternativ-Gipfel vorbei. (Nur dass man mich hier nicht für reaktionär oder indifferent hält!)&lt;/p&gt;
</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Ich bin mir nicht sicher, wie sehr mich diese zwei Punkte beeindrucken: 1. Das ist auf allen Demos so, 2. Die einzige Alternative (zuhause bleiben) ist noch weniger attraktiv.</p>
<p>Mir scheint - zum ersten Punkt - dass ganz und gar nicht alle Demos (und übrigens auch nicht alle Parteien) von der gleichen Divergenz und Inkonsistenz der Forderungen ihrer Teilnehmer betroffen sind. Es gibt ein ganzes Kontinuum, sogar mehrere auf mehreren Achsen, und jede Demonstration ist da anders. Es ist wenig hilfreich darauf hinzuweisen, dass jede Demo einen gewissen Anteil an Inkonsistenz mitträgt. Worauf es ankommt ist: Wie viel? Und wie zentral?</p>
<p>Zweitens: Man kann tausend Sachen machen - alle mit unterschiedlichen Erfolgschancen und Wirkungsgraden. Demonstrieren ist eine. Artikel schreiben ist eine andere. Mit Freunden reden wieder eine andere. Auf einem Alternativ-Gipfel inhaltlich arbeiten eine vierte. Und so weiter. Alle sind in ihrer Wirkung - wenn wir ein einzelnes Individuum betrachten - bescheiden. Manche sind in ihrer Wirkung - wenn wir Gruppen betrachten - etwas weniger bescheiden. Ich argumentiere, dass das Demonstrieren im vorliegenden Fall keine glückliche Wahl ist, that&#8217;s all.</p>
<p>Ich bin mir nicht ganz sicher, aber es sieht für mich so aus, dass <i>selbst</i>, wenn das Zuhausebleiben <i>wirklich</i> die einzige Alternative wäre, ich dies dem Demonstrieren vorziehen würde. Das hängt natürlich davon ab, ob falsches Demonstrieren sozusagen im Wert völlig neutral oder (leicht) negativ ist. Für letzteres spricht, dass Handlungen, die nicht im rechten Bewusstsein ihrer Signifikanz bzw. Insignifikanz geschehen, und dass ein allzu sicheres moralisches Überlegenheitsgefühl oft eine ärgerliche Sache sind. Das will ich Dir keinesfalls unterstellen, es ist aber bei vielen Demos ganz schön störend. Nun - ich sehe das alles auch nicht so dramatisch, aber eher deswegen, weil ich glaube, dass der Wert der G8-Demos nicht weit entfernt vom Nullpunkt ist, mit welchem Vorzeichen auch immer. Übrigens: Vielleicht schaue ich mal auf dem Alternativ-Gipfel vorbei. (Nur dass man mich hier nicht für reaktionär oder indifferent hält!)</p>
]]></content:encoded>
	</item>
	<item>
		<title>By: nils</title>
		<link>http://www.sprechblase.org/2007/05/22/warum-ich-nicht-nach-heiligendamm-fahre/#comment-45</link>
		<author>nils</author>
		<pubDate>Fri, 25 May 2007 06:48:43 +0000</pubDate>
		<guid>http://www.sprechblase.org/2007/05/22/warum-ich-nicht-nach-heiligendamm-fahre/#comment-45</guid>
		<description>Das ist ein interessanter Punkt, den ich aber wirklich nicht so dramatisch sehe. Ja, es stimmt, dass da sehr viele auch sehr unterschiedliche Positionen vertreten werden, die ich auch wahrscheinlich nicht alle kenne geschweige denn teile. Das ist aber wohl bei den meisten Demos so. Ich muss auch einer Partei nicht in allen Punkten zustimmen, um beizutreten oder mich zu beteiligen.

Dass sich die Welt nach Heiligendamm schlagartig ändert und ein Bush zur Vernunft und ein Putin zur Demokratie kommt, ist ohnehin so gut wie ausgeschlossen. Man das aber durchaus auch noch anders sehen: Politik wie gesellschaftlicher Diskurs in Deutschland sind in den letzten Jahren sehr neoliberal geprägt (dazu gab es auch mal eine Untersuchung, die ich nachreichen werde). Andere Positionen -- dass der freie Markt eben nicht von alleine alles regelt oder dass China natürlich billiger produziert als Deutschland, immerhin haben die da so gut wie keine Rechte -- kommen nur noch in der taz vor. Insofern geht es da auch darum, Mißstände und Probleme in das gesellschaftliche Bewusstsein zu rücken, und dafür sind Demonstrationen durchaus ein gutes Mittel denke ich.

Anders kann man sich auch fragen: Was ist die Alternative? Natürlich kann ich zuhause bleiben und manchen Positionen der Protestierer zustimmen und anderen nicht. Nur: Davon ändert sich nichts. Die Proteste werden geringer und die schlechten Gesetze kommen trotzdem. Da ist mir Heiligendamm in seiner ganzen Vagheit doch lieber.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Das ist ein interessanter Punkt, den ich aber wirklich nicht so dramatisch sehe. Ja, es stimmt, dass da sehr viele auch sehr unterschiedliche Positionen vertreten werden, die ich auch wahrscheinlich nicht alle kenne geschweige denn teile. Das ist aber wohl bei den meisten Demos so. Ich muss auch einer Partei nicht in allen Punkten zustimmen, um beizutreten oder mich zu beteiligen.</p>
<p>Dass sich die Welt nach Heiligendamm schlagartig ändert und ein Bush zur Vernunft und ein Putin zur Demokratie kommt, ist ohnehin so gut wie ausgeschlossen. Man das aber durchaus auch noch anders sehen: Politik wie gesellschaftlicher Diskurs in Deutschland sind in den letzten Jahren sehr neoliberal geprägt (dazu gab es auch mal eine Untersuchung, die ich nachreichen werde). Andere Positionen &#8212; dass der freie Markt eben nicht von alleine alles regelt oder dass China natürlich billiger produziert als Deutschland, immerhin haben die da so gut wie keine Rechte &#8212; kommen nur noch in der taz vor. Insofern geht es da auch darum, Mißstände und Probleme in das gesellschaftliche Bewusstsein zu rücken, und dafür sind Demonstrationen durchaus ein gutes Mittel denke ich.</p>
<p>Anders kann man sich auch fragen: Was ist die Alternative? Natürlich kann ich zuhause bleiben und manchen Positionen der Protestierer zustimmen und anderen nicht. Nur: Davon ändert sich nichts. Die Proteste werden geringer und die schlechten Gesetze kommen trotzdem. Da ist mir Heiligendamm in seiner ganzen Vagheit doch lieber.</p>
]]></content:encoded>
	</item>
</channel>
</rss>

