Zur Bohrmaschine degradiert

26. Februar 2007
Matthias Kiesselbach

Der bisher kaum bekannte Augsburger Bischof mit dem seltsamen Namen Mixa bekommt dieser Tage wenig öffentliche Zustimmung und noch weniger öffentliche Zuneigung. Mich wundert das, denn seine Position fällt innerhalb des konservativen Lagers eigentlich nicht besonders aus dem Rahmen. Eine Politik, so sagt er, die darauf abzielt, Müttern mit kleinen Kindern die Ausübung eines Berufes zu ermöglichen, indem sie öffentliche Kinderbetreuung günstig zur Verfügung stellt, führe dazu, dass sich das Familienleben zum Negativen verändere. Zum Negativen? Klar, denn ein gutes Familienleben zeichnet sich in den Augen des Bischofs unter anderem dadurch aus, dass die Mutter sich zuhause um das Kind kümmert – „Hauptbezugsperson“ ist, wie man so sagt. Wird das Kind halb- oder gar ganztags öffentlich betreut, so läuft etwas schief, findet Mixa.

Aber mal ehrlich: Das sieht ja nun wirklich nicht nur Mixa so. Auch, dass er dabei überhaupt nicht die Relevanz der Tatsache berücksichtigt, dass es sich bei öffentlich subventionierter Kinderbetreuung um ein Angebot, keineswegs aber eine Pflicht zur öffentlichen Kinderbetreuung handelt, ist durchaus im Rahmen des Üblichen. Selbst seine offensichtliche Präferenz für Hausfrauen vor Hausmännern, und sein Unwillen, den Von-Der-Leyen-Vorschlag unter dem Aspekt der Geschlechtergerechtigkeit zu diskutieren, ist für einen alten konservativen Priester nicht erstaunlich. Was ist so Besonderes an Mixa und seiner Äußerung?

Klar, es ist die Wortwahl. Eine Politik der subventionierten Kleinkinderbetreuung sähe in Frauen nur “Gebärmaschinen”. Doch hier, finde ich, ist die universelle Ablehnung noch erstaunlicher. Denn Mixas Manöver ist durchaus schlau – und könnte der Fraktion der Konservativen gute Dienste erweisen. Und ein paar Konservative gibt es neben Bischof Mixa doch wohl noch? Mixa hat es binnen kürzester Zeit geschafft, einen der wichtigeren Kampfbegriffe der Frauenbewegung in seiner Bedeutung so zu verändern, dass er nun wohl nur noch mit einiger Anstrengung von Frauenrechtlern zurückerobert werden kann. Die Gebärmaschine. Natürlich ist die Rede von der Gebärmaschine ursprünglich eine anti-bürgerliche Rede gewesen: ein Versuch, genau das anzuprangern, was Mixa für das Ideal des Familienlebens hält. Die Frau kriegt, füttert, wickelt, wäscht und erzieht die Kinder, während der Mann das dafür nötige Geld nach Hause bringt. Mixa hat nun in einem einzigen Interview die Funktion dieses Begriffes komplett umgestülpt! Auf einmal sind es nicht mehr die Konservativen, sondern die anderen, die in Frauen nur noch Gebärmaschinen sehen. Die anderen? Nun, diejenigen, die Frauen in Berufe bringen wollen. Ich finde, das ganze hat etwas sehr Schlaues.

Wenn man drüber nachdenkt, ist diese neue Rede von Gebärmaschinen natürlich ganz schön wackelig, schließlich geht es Ursula von der Leyen (und ihren Unterstützern in dieser Sache) ja gerade darum, Frauen nach dem Gebären die Chance zu geben, allerlei andere Dinge zu machen und zu sein. Dennoch, Bischof Mixa ist da ein feiner Streich gelungen, und es wundert mich, dass ich offenbar fast der einzige bin, der ihm dazu (irgendwie insgeheim) Respekt zu zollen bereit ist. Und jetzt, wo die Progressiven sich mit dem katholischen Gebärmaschinen-Vorwurf auseinandersetzen müssen, können die Reaktionären nachlegen. Ist es nicht so, dass das Elterngeld Männer zu Bohrmaschinen degradiert?

Ein Kommentar zu “Zur Bohrmaschine degradiert”

  1. Marc 9. August 2008 (16:02 Uhr)

    Ich als Augsburger kann leider nicht nachvollziehen, was Herrn Mixa zu solchen Aussagen verleitet. Da fehlt wirklich das WEltliche und eine gesunde Portion von Klarsinn. Oder ist vielleicht doch eine Schrau.. locker?

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